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Berufspolitik

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Freiberufliche Hebammen kritisieren hohe Zahl an Kaiserschnitten

Presse-Erklärung des BfHD zum Welthebammentag am 5. Mai 2011

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist der Anteil der Geburten durch Kaiserschnitt in Deutschland von 1991 bis 2009 von 15,3 % auf 31,3 % angestiegen, was europaweit einen absoluten Spitzenwert darstellt.

Susanne Schäfer, Vorsitzende des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD), kritisiert, dass in Deutschland viel zu schnell dieser vermeintlich bequeme Weg der Geburt gewählt werde und verweist darauf, dass der Gesetzgeber Kaiserschnitt-Geburten nur bei medizinischer Notwendigkeit erlaube. „Niemand wird ernsthaft behaupten wollen, dass Indikatoren wie zunehmendes Gebäralter, oder höheres Geburtsgewicht eine derart hohe Steigerungsrate rechtfertigen“, so die BfHD-Vorsitzende.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält dementsprechend einen Prozentanteil von 10% bis maximal 15% bei Kaiserschnitten für medizinisch vertretbar. Getrieben wird der mehr als doppelt so hohe Anteil in Deutschland durch zwei sich gegenseitig verstärkende Faktoren: Zum einen steigt - unter Vernachlässigung operativer Risiken und Verlust des Geburtserlebnisses – der Wunsch der werdenden Eltern nach einer schmerzarmen Geburt. Zum anderen ist es für die Entbindungsstationen der Krankenhäuser lukrativ, dem Wunsch-Kaiserschnitt nachzugeben: Können Krankenhäuser gegenüber den Krankenkassen für eine normale Geburt 1.680 Euro abrechnen, so bekommen sie für eine Kaiserschnitt-Geburt mit 3.098 Euro fast das Doppelte. Legt man den oberen WHO-Wert von 15% zugrunde, so bedeutet die aktuelle deutsche Quote von 31,3 % eine Zahl von fast 105.000 unnötigen Kaiserschnitten mit Mehrkosten in Höhe von über 140 Mio. Euro.

Susanne Schäfer: „Für mich ist inakzeptabel, dass die Krankenkassen ohne Murren horrende Mittel der Versichertengemeinschaft für medizinisch nicht notwendige Kaiserschnitte aufwenden, während sie Hebammen in den Vergütungsverhandlungen mit Existenz gefährdenden Hungerlöhnen abspeisen wollen.“ Die BfHD-Vorsitzende weiter: „Ich plädiere nachdrücklich für die Hausgeburt oder Geburt in einem Geburtshaus. Diese sind nachweislich genauso sicher wie die Klinikgeburt und kommen in aller Regel ohne Kaiserschnitt aus. Lediglich rund 4% der begonnenen außerklinischen Geburten müssen klinisch per Kaiserschnitt beendet werden. Auch Dammschnitte und sonstige medizinische Eingriffe wie Periduralanästesie (PDA) sind bei Hausgeburten, und ohne dass die werdende Mutter hierunter leiden müsste, viel seltener. Ich rufe die Krankenkassen auf: Lasst uns gemeinsam für mehr Hausgeburten, eine Reduzierung der Kaiserschnitt-Geburten und ein Weniger an sonstigen medizinischen Eingriffen eintreten. Die Geburt eines Menschen ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Vorgang, der all dieses nur im Ausnahmefall bedarf. Schottland macht es vor: Durch ein radikales Umdenken konnte hier die Quote der Kaiserschnitte binnen zehn Jahren um gut 10% gesenkt werden.“

BfHD e.V.
(Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands)
Vorstand:
Susanne Schäfer, 1. Vorsitzende, Kleinmachnow (V.i.S.d.P.) Ulrike Aulbach, 2. Vorsitzende, Hamburg

Zuletzt geändert am 14.06.2021