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Solidarität

Aus aktuellem Anlass

Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Aktuelle Hebammenstudie verweist auf alte Versäumnisse – Jetzt ist der Bund gefordert

Die aktuelle Studie des IGES-Instituts zur Versorgungs- und Vergütungssituation in der außerklinischen Geburtshilfe brachte für die Hebammenverbände keine große Überraschung. Im Gutachten wird darauf hingewiesen, dass es nach wie vor „keine bundesweit einheitliche und umfassende Statistik zu der Anzahl der in Deutschland tätigen Hebammen, insbesondere der freiberuflich tätigen“ gibt. Ebenso sind die Daten zum Leistungsspektrum und zum Angebot der Hebammen lückenhaft. In weiten Bereichen bestätigten die Studienergebnisse die Erkenntnisse der Hebammen. Das heißt, die Studie macht sichtbar, worauf die Hebammenverbände seit Jahren hinweisen: Der Nettostundenlohn liegt unter 10 Euro, es gibt Regionen mit einer massiven Unterversorgung und wegen der gestiegenen Haftpflichtprämie von 70% in den Jahren 2009-2012 ziehen sich Hebammen in großer Zahl aus der Geburtshilfe zurück. Die Studie zeigt auch, dass der überwiegende Anteil der angestellt arbeitenden Hebammen ebenfalls die Last der Haftpflichtprämien zu zahlen hat und nicht wie angenommen die Krankenhausbetreiber.

Die Studie widerspricht in einem wichtigen Punkt den bisherigen Behauptungen der Spitzenverbände der Krankenkassen: eine höhere Wochenarbeitsstundenzeit bewirkt nicht zwangsläufig ein höheres Einkommen. Vielmehr ist es so, dass die Arbeitszeit freiberuflicher Hebammen deutlich mehr zugenommen hat als der Verdienst, was wesentlich mit den ungleich stärker steigenden Betriebsausgaben zusammenhängt.

Die Studie verweist auch auf den Gebührenrückstand gegenüber der Lohn- und Preisentwicklung seit 2004. Damals, durch den Bund anvisierte 18.9%,  wurden nur in einem ersten Schritt mit 6,5% umgesetzt, obwohl es in den zwanzig Jahren zuvor nur eine dreimalige Gebührenanpassung gegeben hat. Dadurch  wurden die Hebammenverbände mit einem großen Einkommensrückstand 2007 in die Selbstverwaltung entlassen. Die verschiedenen Gebührenaktualisierungen seit 2007 decken gerade die Preissteigerung.

Warum der Gesundheitsminister in der heutigen Pressemitteilung zur IGES-Studie mitteilt, die Leistungen bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett aus der Reichsverordnung in das Sozialgesetzbuch zu überführen, bleibt im Dunkeln. Noch keine Woche ist es her, dass genau diese Forderung von Bündnis 90/Die Grünen (Drucksache 17/5098) durch die Regierung abgeschmettert wurde.

„Wie glaubwürdig ist der Gesundheitsminister“, fragen sich die Hebammenverbände und verlangen, dass der Minister Farbe bekennt und sich für eine angemessene Vergütung bei den Krankenkassen einsetzt.

Im Einzelnen fordern die Hebammenverbände vom Gesundheitsminister, aus der IGES-Studie die richtigen Konsequenzen zu ziehen. „Das heißt, wir erwarten, dass sich der Minister zügig um eine Datenerhebung kümmert und die Einkommensrückstände, die aus der Zeit vor der Entlassung in die Selbstverwaltung resultieren, ausgleicht. Das Gesundheitsministerium hat also die Basis zu schaffen, auf Grund derer wir mit den Krankenkassen verhandeln können“, so Martina Klenk die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. „Das BMG hat aber auch dafür Sorge zu tragen, dass eine bundesweite Versorgung mit Hebammenhilfe sichergestellt wird und dass die Krankenhausbetreiber ihrer Pflicht nachkommen und die Haftpflichtprämien für die angestellten Hebammen komplett übernehmen. Da besteht ein dringender Gesprächsbedarf mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Wir erwarten, darüber hinaus, dass der Minister regulierend in den privaten Versicherungsmarkt eingreift und ein Konzept für die Berufshaftpflicht im Gesundheitsbereich entwickelt. Wir sind auf die Taten aus dem Ministerium gespannt. Auch gespannt, ob Daniel Bahr die Botschaft verstanden hat, dass Hebammen wegsparen zu wollen langfristig zu einer teuren Angelegenheit wird“, so Martina Klenk abschließend.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Juni 2011 das IGES Institut Anfang mit der Erstellung eines Gutachtens zur Versorgungs- und Vergütungssituation in der außerklinischen  Hebammenhilfe beauftragt. In dem Gutachten werden u. a. die Arbeitssituation der Hebammen und Geburtshelfer, ihr Leistungsangebot, ihre Vergütungs- und Einkommenssituation und die Kosten der Berufsausübung untersucht.

Kontakte:

Dr. Edith Wolber, Pressesprecherin des Deutschen Hebammenverbandes, Telefon 06226 – 429400, Mail: wolber(at)hebammenverband.de, www.hebammenverband.de

 

 

Susanne Schäfer, 1. Vorsitzende Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. (BfHD)
Büro Berlin: Tel.  033203 - 85867
susanne.schaefer(at)bfhd.de, www.bfhd.de

 

Zuletzt geändert am 15.11.2022