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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Prozess gegen Hebamme wird fortgesetzt

Noch immer wird vor dem Landgericht Dortmund im Prozess gegen die Hebamme und Ärztin aus Unna verhandelt. Sie ist angeklagt für den Tod von Greta verantwortlich zu sein, die im Juni 2008 in einem Hotel in Unna in Beckenendlage geboren wurde und starb. Die Angeklagte selbst äußert sich während des Verfahrens nicht.

Unklar bleibt, ob Greta an einem plötzlichen intrauterinen Kindstod starb, wie die Angeklagte durch ihre Verteidiger erklären ließ, oder postpartal – und dann mit einem zeitigen Kaiserschnitt hätte gerettet werden können. Mehrere Gutachten versuchten, eine Todesursache durch Befunde der inneren Organe herauszufinden. Untersucht worden waren das kindliche Gehirn und die Plazenta. Dr. Ralf Zweihoff von der Rechtsmedizin in Dortmund stellte das Ergebnis seiner Obduktion vor. Auch ein Spezialist für angeborene Herzfehler wurde angehört. Nach meiner Beobachtung lässt keines dieser Gutachten eine eindeutige Antwort auf obige Frage zu.

Nachdem in den ersten Verhandlungstagen zunächst die geschädigten Eltern ausführlich befragt worden waren und später die oben genannten Gutachter (das geburtshilfliche Gutachten durch Prof. Axel Feige, früher Leiter der Frauenklinik im Klinikum Nürnberg Süd, steht noch aus) wurden zuletzt vor allem Hebammen als Zeuginnen geladen, die mit der Angeklagten mehr oder weniger intensiv zusammen gearbeitet hatten. Sie beschrieben die Ärztin und Hebamme als kompetent und sehr erfahren – vor allen in geburtshilflichen Bereichen, in denen viel praktisches Wissen  verloren zu gehen droht.

Dessen ungeachtet laufen andernorts noch zwei Zivilklageverfahren gegen die Angeklagte, auch wegen vermeintlicher geburtshilflicher Fehler, die in diesen Prozess einfließen. Auch Beteiligte dieser Verfahren werden noch vor Gericht befragt.
Noch nicht ver- und behandelt wurde bislang die Frage, ob die Angeklagte als Hebamme oder als Ärztin vor Gericht steht.

Weitere Prozesstermine sind zurzeit bis Anfang Februar 2013 vorgesehen.
Autorin: Bettina Salis, Prozessbeobachterin für den DHV 

Zuletzt geändert am 14.06.2021