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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Trendwende bei der Kaiserschnittrate?

24.10.2013

Nachdem die Kaiserschnittrate sich seit den 90er-Jahren verdoppelt hat, wurden 2012 erstmals geringfügig weniger Schnittentbindungen durchgeführt als im Jahr zuvor. Das zeigen die Zahlen, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch bekannt gegeben hat. Doch leider ist dies noch kein Grund zur Entwarnung: Noch immer kommen über ein Drittel aller Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Mit großen regionalen Unterschieden: Während im Saarland fast 40 Prozent der Frauen per Sectio von ihrem Kind entbunden werden, sind es in Sachsen nur 23,7 Prozent.

Foto/Grafik: Noel Matoff/Wilfried Gandras

"Wir freuen uns, dass die Kaiserschnittrate in diesem Jahr zum ersten Mal nicht weiter gestiegen ist", sagt Susanne Steppat, DHV-Beirätin für den Angestellten-Bereich. "Trotzdem darf uns der geringe Rückgang um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch immer viel zu oft Mütter und Kinder einer Operation ausgesetzt werden, die für Notfälle gedacht ist." Darauf deuteten auch die erheblichen regionalen Unterschiede hin.

"Häufig scheint ein Kaiserschnitt besser planbar und vermeintlich sicherer als die natürliche Geburt. Haftungsfragen spielen ebenfalls eine Rolle und vielleicht auch die Tatsache, dass sich mit einer operativen Geburt sehr viel mehr verdienen lässt als mit einer natürlichen", sagt Susanne Steppat. "Oder die Frauen haben einfach nur Angst vor den Geburtsschmerzen. Da helfen Aufklärung und Gespräche am besten." Eine aktuelle Studie des King´s College in London zeigt, dass Frauen dann am ehesten natürlich gebären, wenn sie während der Schwangerschaft kontinuierlich durch eine Hebamme betreut wurden.

Doch warum steht der Deutsche Hebammenverband der hohen Kaiserschnittrate überhaupt so kritisch gegenüber? Dafür gibt es viele Gründe: Zum einen hat die Frau bei einem Kaiserschnitt zwar kaum Schmerzen unter der Geburt, diese kommen dafür hinterher. Außerdem kann es zu Blutungen und Wundheilungsstörungen im Bereich der Narbe kommen. Zudem brauchen Frauen oft länger, um nach dem Eingriff wieder auf die Beine zu kommen. Die Neugeborenen sind nicht nur anfälliger für Krankheiten, sondern auch für Allergien.
 
Das Ziel ist klar: Die Kaiserschnittrate muss gesenkt werden und zwar substanziell: "Dafür müssen wir das Bewusstsein schärfen, dass es nicht egal ist, wie die Kinder geboren werden", sagt Susanne Steppat. "Wir brauchen einen nationalen Gesundheitsplan zur Förderung der natürlichen Geburt und nicht zuletzt auch eine bessere personelle Ausstattung in den Kreißsälen."

Weitere Informationen:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 23.10.2013: Anteil der Kaiserschnittentbindungen 2012 um 0,4 Prozentpunkte zurückgegangen

Spiegel online vom 23.10.2013:  Geburten: Zahl der Kaiserschnitte geht erstmals zurück


Zuletzt geändert am 05.11.2018