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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

„Krankenkassen betreiben Augenwischerei“

13.01.2014

Am 27.12.2013 verkündete der Spitzenverband der deutschen Krankenkassen (GKV-SV) stolz, dass die Krankenkassen erneut die gestiegenen Kosten für die Berufshaftpflichtprämie bei freiberuflich in der Geburtshilfe tätigen Hebammen vollständig ausgleichen. Dann ist doch alles Ordnung, sollte man meinen. Doch das ist leider mitnichten der Fall.

Abrechnung

Foto: S.Geissler /pixelio.de

„Die Krankenkassen betreiben Augenwischerei“, erklärt Katharina Jeschke, DHV-Beirätin für den Freiberuflichen-Bereich. „Der Ausgleich ist gesetzlich vorgeschrieben. Wenn man dabei aber erwartet, dass die tatsächlichen Kosten der Hebammen berücksichtigt werden, so ist das mitnichten so. Die Steigerungssumme wurde auch dieses Mal pauschal umgelegt, so dass eine Geburt gerade einmal mit 8,50 Euro mehr vergütet wird. Das reicht für die betroffenen Hebammen nicht, um Kostensteigerungen von bis zu 2700 Euro auszugleichen.“

Bei dem im Dezember ausgehandelten Ausgleich wurden die Beitragserhöhungen von 455 Hebammen berücksichtigt. Zum einen hatte sich zum 1. Juli 2013 die Haftpflichtprämie der über den Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) versicherten Hebammen um zehn Prozent auf nunmehr 4.480 Euro erhöht. Zum anderen hatte die Vorarlberger Versicherung vielen Hebammen ihre vergleichsweise sehr günstigen Verträge gekündigt.

„Für die Berechnung des Haftpflichtausgleichs wurden nur die Erhöhungen der Prämien von Hebammen des BfHDs und derjenigen Hebammen, die nach der Kündigung zu uns oder dem BfHD wechselten, einbezogen“, erläutert Katharina Jeschke. „Es gibt aber auch Hebammen, die nicht die Gruppenversicherungstarife der Verbände nutzen und die von Erhöhungen betroffen sind. Diese Zahlen kennen nur die Krankenkassen.“ Zudem profitieren am Ende von den Ausgleichszahlungen alle Hebammen gleichermaßen, egal ob sie von einer Erhöhung betroffen waren oder nicht.

Da außerdem je Geburt abgerechnet wird, erhalten diejenigen Hebammen weniger, die weniger Geburten betreuen, aber die Kosten der Haftpflichtversicherung gleichermaßen tragen müssen. Die in diesem Jahr anstehenden dramatischen Prämienerhöhungen der DHV-Mitgliedshebammen auf  über 5000 Euro müssen erst noch verhandelt werden.

„Wie weit wir von einer Lösung des Haftpflichtproblems entfernt sind, zeigt sich auch, wenn wir den Zeitaufwand vergleichen, den die einzelne Hebamme zur Erwirtschaftung der Haftpflichtkosten benötigt“, sagt Katharina Jeschke. „Waren es 2008, vor der ersten großen Erhöhung, noch 3 bis 7 Geburten, sind es heute 6 bis 15 Geburten. Eine Geburtsbetreuung dauert durchschnittlich 11 Stunden. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass immer mehr Hebammen aus der Geburtshilfe aussteigen.“

Der Deutsche Hebammenverband fordert deshalb nach wie vor eine politische Lösung des Haftpflichtproblems. Nicht zuletzt, weil bereits für nach 2014 weitere Erhöhungen angekündigt wurden. „Wir können uns zum Beispiel einen staatlich finanzierten Haftungsfonds vorstellen, der die Kosten über einer bestimmten Haftungsobergrenze übernimmt“, sagt Katharina Jeschke. „Außerdem brauchen wir unbedingt eine Regressdeckelung für die Forderungen der Sozialversicherungsträger.“


Zuletzt geändert am 05.11.2018