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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern teils unerträglich

Laut dem gestern erschienenen AOK-Krankenhaus-Report sterben jährlich rund 19.000 Patienten in Deutschland aufgrund falscher Behandlung. Das Risiko sei bei Operationen besonders hoch. Typische Fehler seien Verwechslungen bei Medikamenten und mangelnde Desinfektion der Hände bei Ärzten und Pflegepersonal. Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen HebammenVerbandes e.V. kommentiert den Report.

Foto: Hans-Joachim-Winckler

„Die Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern sind für die Beschäftigten teils unerträglich. Zu den schlechten Arbeitsbedingungen kommt noch eine miserable Vergütung hinzu. Seit Jahren werden die Krankenhäuser kaputtgespart, Sparmaßnahmen betreffen insbesondere das Personal. Mangelndes Personal führt zur Überlastung. Durch Zeitdruck kommt es zu Fehlern wie beispielsweise der Verwechslung von Medikamenten oder nachlässiger Händedesinfektion.   

Kaum erstaunlich ist deshalb, dass eine weitere Untersuchung von Roland-Berger-Experten vom Oktober 2013 einen großen Fachkräftemangel im Pflegebereich diagnostiziert. Die Studie belegt, dass fast 80 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland diesen Mangel bereits heute spüren. Im Hinblick auf die demographische Entwicklung wird sich die Situation bis 2030 noch erheblich verschärfen, weil der Pflegebedarf steigt.

Auch am Beginn des Lebens zeichnet sich eine gravierende Versorgungslücke ab – bei der Hebammenhilfe. Immer mehr Hebammen sind gezwungen, das Kerngeschäft ihres Berufes, die Geburtshilfe, aufzugeben. Entweder können sie als Beleghebamme die exorbitant steigenden Berufshaftpflichtprämien nicht mehr bezahlen oder ihr schmales Angestelltengehalt reicht nicht für die hohen Mieten und Lebenshaltungskosten in den Ballungszentren. Die gesetzlich garantierte Wahlfreiheit des Geburtsortes ist für viele Frauen nicht mehr gegeben, denn durch Hausgeburtshilfe können Hebammen ihren Lebensunterhalt nicht mehr sichern. Doch auch im klinischen Bereich muss eine freiberufliche Hebamme allein 15 Geburten im Jahr betreuen, nur um die Einnahmen für ihre Haftpflichtprämie zu erwirtschaften. Ein Hebammenmangel existiert bereits jetzt in Großstädten wie Frankfurt und München und in ländlichen Regionen wie der Uckermark und dem Bayerischen Wald.“

Weitere Informationen:
AOK-Pressemitteilung zum Krankenhaus-Report 2014

Spiegel online vom 21.1.2014: AOK-Krankenhausreport: Mehr Tote durch Behandlungsfehler als im Straßenverkehr

Focus online vom 21.1.2014: Viele Tote durch Behandlungsfehler im Krankenhaus

Zuletzt geändert am 02.11.2021