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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Die Zeit zum Handeln ist gekommen!

Seit gestern diskutieren Expertinnen und Experten auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin drei Tage lang über Probleme und Strategien in der Pflege. Die Teilnehmer dringen auf schnelle Reformen und fordern die Politik zum Handeln auf. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verspricht in seiner Eröffnungsrede bessere Arbeitsbedingungen für Pflegerinnen und Pfleger. Der Deutsche Hebammenverband fordert, dabei die Hebammen nicht zu vergessen.

Foto: Matthias Bucks / Pixelio

"Für die Hebammen gilt, was für alle Care-Berufe zutrifft: Trotz hoher Arbeitsbelastung und Verantwortung werden ihre Tätigkeiten viel zu gering vergütet. Und dass obwohl ihre gesellschaftliche Bedeutung außer Frage steht", sagt Susanne Steppat vom Deutschen Hebammenverband. "Ich begrüße es deshalb, wenn Herr Gröhe jetzt von einer fairen Bezahlung für alle spricht, die in unserer Gesellschaft Unverzichtbares leisten. Den Worten müssen nun aber endlich auch Taten folgen."

Dr. Heiner Geißler fordete in seiner Rede, dass es eine neue Fehlerkultur geben müsse und es nicht darum gehe, einen Berufsstand unter Generalverdacht zu stellen. Dem stimmt Susanne Steppat zu: "Es gilt, Fehler und negative Ereignisse systematisch zu erfassen und zu analysieren, nicht sie zu vertuschen. Gerade während der Schwangerschaft, Geburt und dem Wochenbett können die Folgen von Fehlern schwerwiegend sein. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns diese Ereignisse genau ansehen und aus ihnen lernen. Oftmals reicht es, organisatorische Abläufe und die Kommunikation zu verbessern. Manchmal fehlt aber auch einfach nur genügend Personal.“

Laut Koalitionvertrag will die Regierung  die "Situation der Geburtshilfe und der Hebammen im Speziellen beobachten und für eine angemessene Vergütung sorgen". Bezüglich der Pflege gibt es ähnlich vage Äußerungen. Andreas Westerfellhaus, Präsident des DPR, dem Dachverband der Pflegeorganisationen und des Hebammenwesens warnt: "Jede Reform wird ein Flop, wenn nicht in erster Linie geklärt ist, woher die professionell Pflegenden kommen, wie sie zu qualifizieren sind, wie wir sie im Beruf halten wollen und welche Aufgaben sie übernehmen sollen." Er fordert einen Nationalen Aktionsplan für die Pflegenden, der neben einem Berufsgesetz auch die Festlegung von Personalmindestmengen in Krankenhäusern und Pflegeheimen beinhalten sollte. "Nur mit ausreichendem und ausreichend qualifiziertem Personal kann die Umsetzung der erweiterten Leistungen gelingen", sagt Westerfellhaus.

Das kann Susanne Steppat nur unterstreichen: "Die Hebammen in den Kliniken arbeiten unter einem enormen Druck. Nicht selten betreut eine Hebamme drei Geburten parallel und hat daneben noch jede Menge Dokumentationsaufgaben. Die Personaldecke ist so dünn, dass die Kolleginnen bei Krankheitsfällen und in der Urlaubszeit zu unverhältnismäßig vielen Überstunden gedrängt werden. Es muss endlich mehr Geld für die Versorgung und Pflege von Menschen ausgegeben werden."

Weitere Informationen:
Pressemitteilung des Deutschen Pflegerates vom 23.1.2014
focus.de vom 23.1.2014: Gröhe verspricht schnelle Pflegereform

Zuletzt geändert am 02.11.2021