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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Kliniksterben in Niedersachsen bedroht auch die Geburtshilfe

31.10.2014

Im nächsten Jahr wird das Klinikum Region Hannover (KRH) die Häuser Nordstadtklinik und Großburgwedel schließen – mit weitreichenden Folgen für die Geburtshilfe in der Region. In den beiden Krankenhäusern kommen jedes Jahr rund 1.500 Kinder zur Welt. Wer diese Geburten zukünftig betreut, ist derzeit noch nicht geklärt. Recherchen des Niedersächsischen Hebammenverbandes widerlegen, dass die übrigen Kliniken den Ausfall auffangen können.

Foto: Bernd Ege/Pitopia

„Es gibt große Unsicherheit bei den Kolleginnen vor Ort“, sagt Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied im Deutschen Hebammenverband e.V. „In Gesprächen mit den Hebammen stellt sich immer wieder heraus, dass die Situation noch lange nicht geklärt ist. Niemand weiß, wer ab kommendem Jahr die vielen zusätzlichen Geburten übernehmen soll.“ Bereits im vergangenen Jahr schloss eine Klinik in Hannover und bei gleichbleibender personeller Besetzung mussten etwa 800 zusätzliche Geburten von den drei größeren Kliniken der Stadt übernommen werden. 

Brigitte Salisch, Vorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen: „Die Hebammen hier vor Ort arbeiten schon lange unter schwierigsten Bedingungen. Sie müssen oft zeitgleich mehrere Frauen unter der Geburt betreuen. Geburt braucht Zeit, Ruhe und eine professionelle Begleitung. Haben Hebammen noch weniger Zeit für die einzelnen Frauen, kann dies möglicherweise zu mehr Komplikationen bei den Geburten führen.“ Die wohnortnahe geburtshilfliche Versorgung ist bei weiteren Klinikschließungen gefährdet. Frauen müssen immer weitere Wege in Kauf nehmen, um einen Kreißsaal zu erreichen.

Den angestellten Hebammen der Nordstadtklinik und aus Großburgwedel droht möglicherweise die Arbeitslosigkeit. Die Schließung des Nordstadtkrankenhauses hat zudem Auswirkungen auf die Zukunft des Hebammenberufes in der Region. Dort befindet sich seit vielen Jahrzehnten die Hebammenschule. Zur Ausbildung gehört der Einsatz in den geburtshilflichen Abteilungen und auf den Wochenstationen. Schon jetzt müssen Hebammen in Ausbildung für ihr sogenanntes Externat in andere Häuser entsandt werden, um eine qualitative gute Ausbildung erhalten zu können. 

Die Folge: In Niedersachsen verzeichnet der Hebammenverband einen steigenden Hebammenmangel, gut ausgebildeter Nachwuchs wird dringend benötigt. Brigitte Salisch vom Hebammenverband Nidersachsen: „Wir fragen uns, in welchen Kliniken die werdenden Hebammen zukünftig ihre praktische Ausbildung erhalten sollen und was die zuständigen Politikerinnen und Politiker tun werden, um die Qualität der Ausbildung in Hannover zu gewährleisten.“ Der Hebammenverband Niedersachsen hat in 2013 und 2014 bereits mehrere Gespräche mit Frau Ministerin Rundt und mit Politikerinnen und Politikern aller Fraktionen geführt. Nicht nur Themen wie die hohe Kaiserschnittquote und die Haftpflichtproblematik der Hebammen waren Inhalt dieser Gespräche, sondern immer wieder auch die Arbeitssituation in den Kliniken.


Zuletzt geändert am 05.11.2018