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Unterstützen Sie uns! Krankenkassen wollen Wahlfreiheit des Geburtsortes einschränken

20.02.2015

Der Deutsche Hebammenverband hat heute die Vertragsverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband im Bereich Qualitätsmanagement unterbrochen. Denn die Krankenkassen wollen Hausgeburten künftig nur noch bezahlen, wenn keine Ausschlusskriterien vorliegen. Das Problem: Diese Kriterien sind bisher nicht wissenschaftlich belegt. Bei einigen, wie zum Beispiel der Terminüberschreitung, muss es Ermessensspielraum geben. Tatsächlich liegen die Hälfte aller Geburten nach dem errechneten Termin, ohne dass deshalb eine Gefahr für Mutter und Kind besteht. Zudem sollen Vorgespräche von Hebammen mit Schwangeren zur Geburt und der Wahl des Geburtsortes nicht ausreichend finanziert werden. So wird faktisch ein Großteil der Hausgeburten künftig als private Leistung definiert. Das schränkt die freie Wahl des Geburtsortes für Frauen und ihr Selbstbestimmungsrecht massiv ein.

www.unsere-hebammen.de/meine-entscheidung

Der Deutsche Hebammenverband fordert von den Krankenkassen die Entscheidungsfreiheit von Frauen bei der Wahl des Geburtsortes als Vertragsgrundlage anzuerkennen und auch künftig zu erhalten. Frauen darf weder das Recht noch die Kompetenz zur Mitsprache abgesprochen werden. Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes e.V. meint dazu: „Seit wann bestimmen Krankenkassen über Frauen und ihre Kinder? Das ist anmaßend. Die Kassen überschreiten ihre Kompetenzen.“ 

Die Verträge zur Einführung eines Qualitätsmanagements können damit nicht abgeschlossen werden. Für die Hebammen bedeutet dies, dass sie vorerst auf eine dringend notwendige fünfprozentige Vergütungssteigerung verzichten müssen. Katharina Jeschke, Präsidiumsmitglied im DHV und Verhandlungsführerin meint dazu: „Wir Hebammen lassen uns von den Krankenkassen nicht erpressen. Wir verkaufen unsere Frauen nicht.“ Auch die Einführung des Sicherstellungszuschlags im Juli ist damit offen, da davor ein Qualitätsmanagementsystem vertraglich vereinbart sein muss. Der Willen des Gesetzgebers, die flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe zu erhalten, die freie Wahl des Geburtsortes zu gewährleisten und die Hausgeburten besonders zu schützen wird damit von den Krankenkassen unterlaufen.

Der Hebammenverband protestiert gegen dieses Vorgehen zusammen mit Frauen, Eltern und weiteren Unterstützern unter www.unsere-hebammen.de/meine-entscheidung unter dem Motto #MeineGeburtMeineEntscheidung.

Zum Hintergrund: Hebammen arbeiten in Geburtshäusern bereits seit Jahren mit Ausschlusskriterien. Diese gelten jedoch medizinisch nicht als evidenzbasiert. Der für Geburtshäuser gültige Vertrag bezieht deshalb den Willen der Frau in die Entscheidung, wo die Geburt des eigenen Kindes stattfinden soll, mit ein. Die gesetzlichen Krankenkassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, die freie Wahl des Geburtsortes zu gewährleisten, indem sie alle Formen der Geburtshilfe vergüten. Dies soll nun aufgeweicht werden. 

Wir brauchen Ihre Unterstützung! Wie Sie die Krankenkassen auf das Problem aufmerksam machen, erfahren Sie hier: www.unsere-hebammen.de/meine-entscheidung

Weitere Informationen:
Wir haben für Sie die Fakten in einer Powerpoint-Präsentation zusammengestellt: Erfahren Sie, wie die Krankenkassen versuchen, das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung abzuschaffen.

Standpunkt des Deutschen Hebammenverband e. V.:
Das Gesundheitssystem, die Hebammenversorgung und die
Bedeutung vertraglich fixierter Ausschlusskriterien in der
Geburtshilfe im häuslichen Umfeld
Februar 2015, pdf-Datei, 16 Seiten, Download


Kontakt:  

Deutscher Hebammenverband e.V.

Pressestelle

Telefon: 030/89390802

E-Mail: presse(at)hebammenverband.de 


Zuletzt geändert am 07.05.2016