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Hebammen sind keine Impfberaterinnen

31.03.2015

Am 19. März sendete das Politik-Magazin Panorama einen Beitrag mit dem Titel „Das wirre Weltbild der Impfgegner“. Darin wurde unter anderem eine Hebamme gezeigt, die explizit impfkritisch berät. Der Deutsche Hebammenverband nimmt hierzu in einem offenen Zuschauerbrief Stellung.

Foto: seedo/pixelio

"Sehr geehrte Damen und Herren,
 
als Vertreterinnen des Präsidiums des Deutschen Hebammenverbands möchten wir hiermit Stellung nehmen zu  Ihrem Panorama-Beitrag  „Das wirre Weltbild der Impfgegner“ vom 19.03.2015.
 
Sie stellen in dem Beitrag die Einzelmeinung einer Hebamme dar, die keinesfalls eine gängige Praxis darstellt oder beispielhaft für die Hebammen ist. Dies betonen wir insbesondere vor dem Hintergrund, dass Sie zunächst  mit einer uns bekannten Kollegin für den Beitrag gesprochen und gedreht haben, dieses Material dann jedoch nicht verwendet haben, da diese Kollegin differenziert mit dem Thema Impfen umgegangen  ist. Ein solcher Umgang passte jedoch offensichtlich nicht ins Sendekonzept, ist aber Praxis bei einem Großteil der Hebammen. 
 
Das Ziel, die Gesundheit der Bevölkerung und insbesondere von Säuglingen, Kleinkindern und Kindern zu verbessern, ist unbestritten zu unterstützen.

Hebammen müssen (und dürfen) nicht über Impfungen aufklären, das obliegt allein denjenigen, die die Impfung durchführen. Zudem gibt es dafür auch keinen Posten in der Hebammen-Vergütungsvereinbarung, d.h. Hebammen können eine Impfberatung auch gar nicht abrechnen. Jede, die über Impfungen informiert, weiß wie zeitintensiv dies ist. Fehlerhafte Beratungen
unsererseits können im schlimmsten Fall zu einem Schadensersatzanspruch führen.

Deshalb wollen und können wir unseren Kolleginnen dazu nicht raten. Fragt die Frau explizit nach der Meinung der Hebamme zum Thema Impfen, sollte diese an den betreuenden Kinderarzt verweisen.

Mit freundlichen Grüßen,
Martina Klenk,
Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes

Susanne Steppat,
Beirätin des Deutschen Hebammenverbandes für den Angestelltenbereich"

Weitere Informationen:
DHV-Stellungnahme zum Nationaler Aktionsplan 2015-2020 zur Elimination der Masern und Röteln in Deutschland
März 2015, pdf-Datei, 3 Seiten, Download

Panorama-Beitrag in der Mediathek

 

 

 


Zuletzt geändert am 20.11.2017