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"Hebammenarbeit ist wertvoll und nicht zu ersetzen!"

01.12.2015

Am 26.11.2015 ist in Fulda die jährliche Bundesdelegiertentagung (BDT) des Deutschen Hebammenverbandes e.V. (DHV) zuende gegangen. Rund 150 delegierte Hebammen aus den 16 Landesverbänden haben im wichtigsten beschlussfassenden Gremium des DHV über die zukünftigen Schwerpunkte des Verbandes beraten und abgestimmt. Präsidiumsmitglied und Schatzmeisterin Petra Kruse wurde ohne Gegenstimme für eine zweite Amtszeit gewählt, neue Bildungsbeirätin ist die in Berlin lebende Hebamme Yvonne Bovermann. Als zweite Kassenprüferin wurde Daniela Becherer aus Baden-Württemberg gewählt.

Bundesdelegiertentagung (BDT) in Fulda; Foto: Maren Borgerding

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"Bei allen Problemen und Herausforderungen, vor denen der Hebammenberuf zurzeit steht, eines ist sicher: Unsere Arbeit ist wertvoll und wird dringend benötigt", sagt Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. "Denn wir sind die Fachfrauen für die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett. Wir nehmen die Bedürfnisse der Frauen ernst und stehen für eine interventionsarme Geburtshilfe und die Stärkung der Frauen in ihrer natürlichen Gebärfähigkeit." 

Qualität in der Hebammenarbeit
Ein wichtiges Thema auf der Tagung war die Qualität in der Hebammenarbeit. "Hebammen arbeiten mit einer hohen Qualität. Das zeigen nicht zuletzt die gleichbleibend niedrigen Schadensfallzahlen", sagt Martina Klenk. "Das Meldeportal “Fälle für alle” dient außerdem dazu, noch besser mit kritischen Situationen in der geburtshilflichen Praxis umzugehen.” Mit dem seit 2012 bestehenden Meldesystem können kritische Ereignisse, Beinahe-Fehler oder Best-Practice-Fälle aus der täglichen Hebammenarbeit anonym gemeldet werden. “Ich finde das beachtlich”, sagt Martina Klenk. “Welcher Berufsstand kümmert sich in diesem Maße selbst um die Qualitätssicherung?” Auf der BDT beschlossen wurde außerdem die Einrichtung eines Referats zum Qualitätsmanagement.

Engagierte und aufrüttelnde Rede der Werdenden Hebammen

Die WeHen zeigten sich kämpferisch.

Zur Sprache kamen auch die Probleme in der Hebammenarbeit und -ausbildung, beispielsweise in der aufrüttelnden Rede der beiden Delegierten der Werdenden Hebammen (WeHen), Lisa Kell-Reppmann und Carolin Ströbel. Sie müssten immer wieder feststellen, dass die angehenden Hebammen in den Kliniken oftmals als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, die den drastischen Personalmangel abfangen sollen. Doch die WeHen gaben sich kämpferisch: “Wir raten allen Hebammen in Ausbildung, sich bei Verdi zu engagieren und für ihre Rechte zu kämpfen!”

Die BDT-Delegierten honorierten die Anstöße und das Engagement der WeHen mit kräftigem Beifall und zustimmenden, aber auch nachdenklichen Anmerkungen: “Die Ausbildungssituation in den Krankenhäusern ist vor allem deshalb so unbefriedigend, weil die Gesamtsituation der Hebammen in den Klinken so schlecht ist”, konstatiert eine Delegierte. Verantwortlich dafür sei vor allem, dass immer mehr Kliniken und geburtshilflichen Abteilungen schließen und sich die Arbeit dadurch noch mehr verdichtet. 

Mit neuen Ideen und Elan die Herausforderungen bewältigen

Schon draußen konnte man erkennen, wer hier tagte.

Und auch die Haftpflichtproblematik für freiberufliche Hebammen ist noch nicht gelöst. Martina Klenk: “Wir haben jetzt zwar auch ab 2016 für zwei Jahre einen neuen Haftpflichtvertrag, aber die Prämien steigen weiter. Mit dem Sicherstellungszuschlag hat der Gesetzgeber zwar eine wichtige Weiche für die Zukunft der freiberuflichen Hebammen stellen wollen. Doch leider ist auch nach dem Schiedsspruch noch vieles unklar und nicht so, wie es der Gesetzgeber gewollt hat und wie es den Hebammen und Frauen nützt. Nach wie vor sind wir der Überzeugung, dass das Problem langfristig nur mit einem Haftpflichtfonds gelöst werden kann."

Nach drei intensiven Tagen mit vielen, zum Teil kontroversen Diskussionen im Plenum und an sogenannten Marktplätzen, nach zahlreichen Beschlüssen und den Wahlen geht nun die politische Arbeit weiter: “Ich freue mich über unsere lebendige Diskussionskultur und die Anregungen, die ich daraus mitnehme”, sagt Martina Klenk. “Wir haben einen der schönsten Berufe der Welt! Und wir werden uns dafür einsetzen, diesen zu stärken – zum Wohl der Frauen und Familien!”

Impressionen von der BDT 2015 (Bildergalerie)


Zuletzt geändert am 20.11.2017