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Vorsorge für Schwangere von Hebamme und Arzt

27.01.2017

Die Bundesregierung hat aktuell auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag zur Vorsorge für Schwangere durch Hebamme und Arzt reagiert. Krankenversicherte Frauen haben laut der Antwort der Bundesregierung Anspruch auf Hebammenhilfe und ärztliche Betreuung vor, während und nach der Geburt. Dies ist festgelegt im Sozialgesetzbuch V.

Katharina Jeschke, Beirätin für den Freiberuflichenbereich des Deutschen Hebammenverbandes

Anlass für die Anfrage und die Reaktion der Bundesregierung sind aktuell bundesweit auftretende Schwierigkeiten bei Frauen, die Schwangerenvorsorge abwechselnd bei Ärztinnen/Ärzten und Hebammen nutzen möchten. Vorsorge im Wechsel bei Hebamme und Ärztin oder Arzt ist eine seit Jahren gängige Praxis, wurde jedoch in den vergangenen Monaten von immer mehr Ärzten mit dem Hinweis auf Problematiken bei der Abrechnung zurückgewiesen. Diese Ärzte befürchten, dass sie ihre Leistungen nicht mit der üblichen Pauschale, die von den Krankenkassen für Schwangerschaftsvorsorgen vergütet wird, abrechnen können.

Üblicherweise wird diese Pauschale für Vorsorgeleistungen eines Quartals fällig, in dem die Schwangere keinen Wechsel zwischen den Frauenärzten vorgenommen hat. Gesetzlich Versicherte können den betreuenden Arzt nicht wechseln, ohne dass die betroffenen Ärzte Abrechnungsschwierigkeiten bei der Pauschalvergütung haben. Ob diese Probleme auch dann bestehen, wenn die Schwangerenvorsorge im Wechsel bei Arzt und Hebamme vorgenommen wird, ist die Frage, die es zu klären gilt.

Der Deutsche Hebammenverband vertritt die Auffassung, dass diese Einschränkung nur innerhalb der ärztlichen Vorsorge Geltung hat und keine Auswirkung auf den Wunsch der Schwangeren haben kann die Vorsorgeuntersuchungen des Arztes und der Hebamme wahrzunehmen. Hierzu bestand bereits 2005 bei einem Gespräch im Bundesministerium für Gesundheit mit den Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Vertretern des DHV Konsens. Inzwischen gab es keine gesetzliche Veränderung, die die damalige Einschätzung ungültig machen könnte.

Der Deutsche Hebammenverband hat das Bundesgesundheitsministerium dazu wiederholt informiert und das BMG darum gebeten, ein gemeinsames Gespräch zwischen dem DHV, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband zu initiieren. Ziel soll es sein, Lösungen zu finden, um die erneute Unsicherheit zu beheben.

Die Bundesregierung hat nun betont, dass Schwangere einen Anspruch haben auf eine Versorgung durch Hebamme und Arzt. „Das ist ein gutes Signal für die Schwangeren. Leider konnte aber auch diese Stellungnahme nicht alle offenen Fragen klären“, betont Katharina Jeschke, Präsidiumsmitglied im Deutschen Hebammenverband. Zwar stellt die Regierung klar, dass gesetzlich versicherte Schwangere weder die Vorsorge beim Arzt, noch die der freiberuflich tätigen Hebamme selbst bezahlen müssen, wenn sie beide Berufsgruppen für ihre Betreuung wünschen. Allerdings ist nicht abschließend geklärt, ob die Ärzte ihre übliche Pauschalvergütung abrechnen dürfen, oder ob sie sich möglicherweise durch den Wechsel der Schwangeren mit einer deutlich geringeren Vergütung aus ihrem kurativen Leistungskatalog zufrieden geben müssen.

 „Bevor diese Frage nicht geklärt ist, sind weiterhin Schwierigkeiten in der Praxis zu erwarten. Wir sehen deshalb das erbetene Gespräch des Gesundheitsministeriums mit allen Akteuren weiterhin als dringend nötig an. Schließlich geht es hier um die bestmögliche Versorgung von schwangeren Frauen. Diese darf nicht auf der Strecke bleiben, weil es Streit und Unsicherheit bei Abrechnungen gibt“, betont Katharina Jeschke.

Die Anfrage der Fraktion der Linken und die Antwort der Bundesregierung erhalten Sie hier 


Zuletzt geändert am 22.05.2017