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Rauchfrei unterwegs? – Selbstverständlich: Interview mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung

02.05.2017

"Rauchfrei unterwegs – Du und Dein Kind" lautet der Slogan der bundesweiten Kampagne der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, und vieler weiterer Partner aus der Welt der Mobilität, aus Medizin und Kinderschutz, die auch der Deutsche Hebammenverband unterstützt.

In Deutschland sind – vorsichtig geschätzt – über eine Million Kinder den Schadstoffen des Tabakrauchs in Autos ausgesetzt. Ein Drittel der Raucher mit Kindern vermeidet das Rauchen im Auto nicht. An sie richtet sich diese Kampagne. Wir haben bei Marlene Mortler nachgefragt:

Marlene Mortler, Foto: Elaine SchmidtHebammenforum: Sehr geehrte Frau Mortler, warum setzen Sie sich gerade für ein rauchfreies Autofahren ein?
Marlene Mortler: Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Luft im Auto nach wenigen Zigaretten giftiger ist als in einer Raucherkneipe und dass noch immer viel zu viele Kinder dem Rauch im Auto ausgesetzt sind. Da muss man etwas machen. Eben deshalb habe ich gemeinsam mit vielen starken Partnern eine große Kampagne zum Schutz vor Passivrauchen im Auto auf den Weg gebracht.

HF: Würde es etwas ändern, wenn dabei während der Fahrt ein Fenster geöffnet ist?
MM: Das senkt die Schadstoffkonzentration durch das Rauchen ein wenig, dafür kommen dann aber die ungefilterten Abgase der anderen Autos dazu. Deshalb: Fenster öffnen ist keine Lösung. Die Zigarette muss aus bleiben.

HF: Was ist besonders schlimm am Passivrauchen im Auto?
MM: Es gibt wohl keinen anderen Ort, an dem man den Rauch so lange und intensiv einatmet wie im Auto. Jedes verräucherte Wohnzimmer verlässt man mal, im Auto sitzen wir mitunter für Stunden. Außerdem ist die Schadstoffkonzentration im Auto sehr schnell viel höher als in jedem Raucherzimmer, weil es im Auto so eng ist. Übrigens: Nicht nur der »frische« Rauch schadet. Rauchen im Auto hinterlässt auch Rückstände, die sich – für das menschliche Auge unsichtbar – auf den Oberflächen im Wageninneren und zum Beispiel in textilen Sitzpolsterungen ablagern. Diese Partikel können wieder in die Raumluft abgegeben werden und über die Atemwege in den Organismus von Kindern gelangen.

HF: Aber ist das nicht generell für alle – also auch für Erwachsene – dann sehr schädlich?
MM: Passivrauchen ist gesundheitsschädlich. Das gilt für Erwachsene wie für Kinder. Letztere sind jedoch einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, wenn sie Tabakrauch einatmen. Kinder atmen viel schneller als Erwachsene, nehmen also mehr Schadstoffe auf. Außerdem sind ihre Organe noch nicht ausgereift, sodass sie die Giftstoffe schlechter wieder abbauen. Passivrauchen kann bei Kindern zu Beeinträchtigungen ihrer Lungenfunktion und zu Atemwegsbeschwerden führen. Wenn Kinder und Jugendliche im Auto sitzen, dann muss die Zigarette aus bleiben! Lassen Sie Kinder frei atmen!

HF: Wie können wir Hebammen Ihre Kam-pagne unterstützen?
MM: Sie können unglaublich viel machen, denn Sie sind diejenigen, die jungen Eltern beim Elternsein erste Orientierung geben. Was braucht das Kind? Was tut ihm gut? Was schadet ihm? Deswegen meine ganz herzliche Bitte: Auch wenn es manchmal schwierig ist – sprechen Sie die Eltern auf das Thema Rauchen an. Informieren Sie sie über die Folgen des Rauchens im Auto. Nutzen Sie die Materialien unserer Kampagne »Rauchfrei unterwegs«. Und wenn Sie nur eine Mutter oder einen Vater vom Rauchen im Beisein des Kindes abhalten – Sie tun einem Kind wirklich Gutes!
 
HF:
Sehr geehrte Frau Marlene Mortler, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Fragen stellte Henriette Thomas aus der Redaktion Hebammenforum, redaktion(at)hebammenverband.de.

Auch der Deutsche Hebammenverband unterstützt die Kampagne "Rauchfrei unterwegs!". Mehr erfahren oder Informationsmaterial bestellen können Sie auf www.rauchfrei-unterwegs.de.


Zuletzt geändert am 22.05.2017