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Hebammen kämpfen weltweit um Anerkennung

15.06.2017

In Toronto tagen im Vorfeld des Internationalen Hebammenkongresses aktuell rund 200 Delegierte der International Confederation of Midwives (ICM) internationalmidwives.org aus 113 Ländern.

Susanne Steppat und Yvonne Bovermann vom DHV beim ICM Council in Toronto mit Serena Debonnet, CER-Beauftragte beim ICM, und Lesley Page vom Royal College of Midwives

Susanne Steppat und Yvonne Bovermann vom DHV beim ICM Council in Toronto mit Serena Debonnet, CER-Beauftragte beim ICM, und Lesley Page vom Royal College of Midwives

Im ICM haben sich 131 Hebammenverbände und –organisationen weltweit zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, den Beruf Hebamme global weiterzuentwickeln und zu stärken. Hebammen sollen unabhängig arbeiten können als die Expertinnen rund um die Geburt. In vielen Ländern ist dies noch kein Standard und Hebammen stehen weltweit vor großen Herausforderungen. Mit diesem Thema beschäftigt sich heute das Council des ICM als das größte beschlussfähige Gremium des Internationalen Hebammenverbandes und entwickelt gemeinsame Strategien für die Zukunft. 

Senken von Mütter- und Säuglingssterblichkeit ist zentrale Aufgabe

Weltweit sind die Problematiken von Hebammen in vielen Ländern ähnlich: Die Vergütung von Hebammenhilfe und die Gehälter sind gering. Die Arbeitsbelastung für Hebammen nimmt zu. In vielen Ländern fehlt der Nachwuchs für den Hebammenberuf. Die Qualität der geburtshilflichen Versorgung ist ein Thema in jedem Land. Nach wie vor fehlen in den meisten Ländern und auf internationaler Ebene tragfähige politische Lösungen. Die Relevanz von Hebammenhilfe für die Gesundheit von Müttern und ihren Kindern wird zu wenig anerkannt. Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Hebammenverbands begleitet als Observer die Diskussionen vor Ort.  „Das Senken der Mütter- und Säuglingssterblichkeit bleibt weiter die  Hauptherausforderung für die Gesundheitssysteme der Welt. Hebammen kämpfen weltweit um Anerkennung, gute Bezahlung und eine hochwertige Ausbildung. Junge Frauen für den Beruf zu begeistern und sie im Beruf zu halten ist eine der globalen Aufgaben, die über Ländergrenzen und Kontinente hinweg gemeinsam gelöst werden müssen“, meint sie zu den heutigen Diskussionen. Auch Yvonne Bovermann ist als Präsidiumsmitglied bei den Councilsitzungen als Beobachterin dabei: „Ein Schlüssel zur Lösung der Schwierigkeiten, mit denen Hebammen überall auf der Welt umgehen müssen, ist die Bildung: Sie ist wesentlich für die Qualität der Hebammenarbeit, trägt aber auch dazu bei, dass der Berufsstand eine höhere Anerkennung in seinem Land findet. Gerade im Bildungsbereich zeigt sich die Diskrepanz, die wir in Deutschland augenblicklich erleben: Obwohl wir unseren Beruf vergleichsweise umfassend erlernen und ausüben, ist der formale Level unserer Ausbildung niedriger als in fast allen Ländern. Durch das Zusammentreffen von Hebammen aus aller Welt lässt sich viel lernen über die Wege, die in anderen Ländern zur Akademisierung beschritten wurden.“

Globale Herausforderungen für Hebammen

Der Beruf insgesamt ist von den heutigen globalen Entwicklungen stark geprägt: Viele Hebammen leben und arbeiten in Regionen, die von Krieg, humanitären Katastrophen und Problemen bei Menschenrechtsfragen betroffen sind. Migration und Flucht bedeuten Herausforderungen von der gesundheitlichen Versorgung von Flüchtlingen bis zum Umgang mit der Abwanderung von qualifizierten Nachwuchskräften. Infektionskrankheuten wie Ebola und Zika betreffen Hebammen in ganzen Regionen.  Der demografische Wandel verändert auch den Beruf von Hebammen: In einigen Ländern überaltern Gesellschaften zunehmend,  in anderen Ländern steigen Geburtenraten weiterhin stark an. Die digitale Entwicklung ändert das Informationsverhalten und auch das Gesundheitssystem – Stichworte sind beispielsweise E-Health oder Online-Gesundheitskurse. 

In den Jahren 2014 bis 2017 hat das ICM Maßnahmen ergriffen, um die 2014 im Council formulierten Ziele umzusetzen. Die Ausbildung von Hebammen wurde beispielsweise mit Programmen für das französischsprachige Afrika verbessert. Zahlreiche Programme und Preise beim ICM ermöglichen mehr Forschung von Hebammen über den Berufsstand. Das Programm „Young Midwife Leaders“ fördert Nachwuchspolitikerinnen in Hebammenverbänden weltweit, um zukünftig mehr politischen Einfluss zu gewinnen. Die Zusammenarbeit mit globalen Partnern wie der WHO wurde ausgebaut.

Kongress 2023 in Berlin?

Das Council tagt noch bis zum kommenden Freitag. Ein Höhepunkt für den Deutschen Hebammenverband wird am Freitag die Entscheidung zum Ort des Internationen Hebammenkongresses 2023 sein – Berlin bewirbt sich zusammen mit Santiago de Chile und Abu Dhabi.

Weitere Informationen:
Alle Bilder vom Internationalen Hebammenkongress 2017
Alle Neuigkeiten zum Internationalen Hebammenkongress 2017

 

 


Zuletzt geändert am 22.05.2017