Deutsch English

Es gibt zu wenige Hebammenleistungen

06.07.2017

Foto: Noel Matoff

„Hiobsbotschaften“ kursierten über fehlende freiberufliche Hebammen und es gäbe einen „wahrgenommenen“ Hebammenmangel – meint der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) in einer aktuellen Kurzmeldung auf seiner Webseite. Laut GKV-SV stimme dies nicht, denn es seien aktuell etwa 18.000 Hebammen auf einer Vertragspartnerliste. Mit einer Veröffentlichung dieser Daten will der GKV-SV das Problem vermeintlich lösen, dass überall in Deutschland Frauen lange und zunehmend auch vergeblich eine Hebamme suchen. Der Deutsche Hebammenverband e.V. kritisiert diesen Vorschlag als nicht praktikabel und weist den Vorwurf, dass Hebammen selbst dafür sorgen, „dass Schwangere sie nicht finden“ entschieden zurück. „Unser Problem ist: es gibt mittlerweile zu wenig Hebammenleistungen“, so Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands.

Die Vertragspartnerlisten der Gesetzlichen Krankenkassen umfassen alle Hebammen, die freiberufliche Leistungen abrechnen können. Sie zeigen nicht, welche Hebamme derzeit Hebammenhilfe anbietet und in welchem Umfang. Wenn Hebammen beispielsweise in Elternzeit sind und nicht arbeiten, verbleiben sie trotzdem auf der Liste. Viele Hebammen arbeiten mittlerweile nur noch Teilzeit oder in geringfügigem Umfang und haben ihr Angebot in den vergangenen Jahren eingeschränkt. Grund sind die schwierigen Arbeitsbedingungen wie die geringe Vergütung und die stark angestiegenen beruflichen Kosten. „Lösen Sie doch unser Grundproblem, die geringe Vergütung. Dann wird es auch wieder mehr Hebammen geben, die ausreichend Hebammenhilfe für Frauen anbieten“, appelliert Martina Klenk an die Gesetzlichen Krankenkassen. Eine Einigung zur Vergütung freiberuflicher Hebammenleistungen konnte mit den Kassen aktuell nicht erreicht werden, so dass nun eine Schiedsstelle entscheiden muss.

Hebammen sind überall in Deutschland auffindbar beispielsweise über Hebammenlisten von Verbänden und Elterninitiativen. Der DHV dokumentiert die vergebliche Suche vieler Frauen nach einer Hebamme auf einer Landkarte der Unterversorgung, die aktuell täglich stark ansteigende Einträge aufweist.


Zuletzt geändert am 07.11.2017