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Was sagen die aktuellen Wahlprogramme der Parteien zu Hebammen?

25.07.2017

Im Vorfeld der Bundestagswahl haben wir die Wahlprogramme der Parteien unter die Lupe genommen. Alle Parteien haben die gesellschaftspolitische Bedeutung von Hebammen erkannt und sie in ihre Wahlprogramme aufgenommen!

Foto: Matthias Bucks/Pixelio

Lesen Sie selbst. Darüber hinaus haben wir nun die Antworten der von uns angefragten Parteien auf unsere Wahlprüfsteine erhalten (bit.ly/2oxUhSV).

Auch wenn das Thema Hebammen in den Wahlprogrammen präsent ist, benötigen wir weiterhin Ihre Unterstützung, beispielsweise in Bürgersprechstunden oder auf Wahlveranstaltungen von Politikerinnen und Politikern. Haben Sie als Schwangere vergeblich eine Hebamme gesucht? Oder sind Sie Hebamme und haben Angst um Ihre berufliche Zukunft? Dann erzählen Sie dies, öffentlich oder im persönlichen Gespräch. Denn es verdeutlicht die Problematik, vor der Tausende stehen, und hilft Hebammen auf der politischen Agenda ein stärkeres Gewicht zu geben. Zu Ihrer Information und Unterstützung stellen wir für Sie Leitfäden für Gespräche und Daten und Fakten zum Hebammenberuf bereit: bit.ly/2tBBJHt

Das sagen die Wahlprogramme zur Bundestagswahl 2017 zum Thema Hebammen

CDU/CSU

Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.

Regierungsprogramm 2017-2021 (bit.ly/2gZRlPL), Seite 28

„CDU und CSU werden die ausreichende ärztliche Versorgung in ländlichen Räumen absichern. Dazu gehören auch der Erhalt von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, die schnelle Verfügbarkeit von Notfallmedizin sowie die Versorgung mit Angeboten der Geburtshilfe und mit Hebammen, auch bei der Geburtsvorsorge und -nachsorge. Wir werden die Schaffung „Ärztlicher Versorgungszentren“ fördern. Bei der Studienplatzvergabe im Fach Medizin sollen die Interessen des ländlichen Raums besonders berücksichtigt werden.“

SPD

Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit: Zukunft sichern, Europa stärken

Regierungsprogramm 2017 bis 2021 (bit.ly/2v3n1Km), S. 41

„Hebammen leisten einen unverzichtbaren Beitrag als Begleiterinnen beim Start ins Leben – vor, während und nach der Geburt. Wir müssen den Beruf attraktiver machen und die Arbeitsbedingungen verbessern. Der Wert ihrer Arbeit muss sich auch in der Bezahlung widerspiegeln.“


DIE LINKE

Die Zukunft, für die wir kämpfen: SOZIAL. GERECHT. FRIEDEN. FÜR ALLE.

Bundestagswahlprogramm 2017 (bit.ly/2uwmEot), S. 32f

„Nicht nur die Versorgung mit Ärztinnen und Ärzten, sondern auch mit Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten, Logopädinnen und Logopäden, Podologinnen und Podologen, Hebammen und Entbindungspflegern sowie Apotheken muss gewährleistet werden - gerade auch im ländlichen Raum und in benachteiligten Regionen. Sie muss wohnortnah erfolgen, z. B. über integrierte Lösungen wie Versorgungszentren, Hebammenstützpunkte und Kooperationen.“

„ Entbindungspfleger muss endlich eine grundlegende Lösung gefunden werden. Wir wollen einen öffentlichen Haftungsfonds, um die Hebammen und Entbindungspfleger unabhängig von privaten Versicherungen zu machen. Hebammen können erste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Schwangere und die Schwangerenvorsorge sein – wie in den Niederlanden. Dieses Verständnis eines neuen Berufsbildes sollte sich auch in der Vergütung niederschlagen“

 

BÜNDNIS90 / DIE GRÜNEN

Zukunft wird aus Mut gemacht

Bundestagswahlprogramm 2017 (bit.ly/2vF5xky), S. 133f, S. 200ff

Über den Körper selbstbestimmen

„Zur Selbstbestimmung gehört auch, dass Frauen die Wahl haben zu entscheiden, wie und wo sie entbinden, dass die Qualität der Versorgung überall gesichert ist und dass Hebammen nicht wegen unzumutbaren Versicherungskosten, schlechter Bezahlung oder schlechten Arbeitsbedingungen ihren Beruf aufgeben müssen“

Für eine gute Geburtshilfe – Hebammenarbeit sichern

„Nur mit Hebammen gibt es gute Geburtshilfe. Nur mit ihnen kann das Recht von Frauen auf freie Wahl des Geburtsortes und eine selbstbestimmte Geburt verwirklicht werden. Wir wollen daher si-cherstellen, dass Hebammen nicht wegen unzumutbaren Versicherungskosten, schlechter Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen ihren Beruf aufgeben müssen. Krankenhäuser mit Geburtsstationen sollen in allen Regionen gut erreichbar sein. Wir wollen, dass neue Anreize gesetzt werden, damit Hebammen und Geburtshelfer*innen auch in unterversorgten Regionen tätig sind. Wir streben eine 1:1-Betreuung durch Hebammen in wesentlichen Phasen der Geburt an. Für Geburten in und außerhalb von Krankenhäusern brauchen wir verbindliche Qualitätsvorgaben.“

Gesundheit solidarisch für alle – raus aus der Zwei-Klassen-Medizin

„Gute Versorgung erfordert ausreichendes Personal. Dazu setzen wir uns für bundesweit verbindliche Bemessungsinstrumente bei den Personalbesetzungen in der Pflege ein. Dadurch wird die Arbeit wieder attraktiver. Ebensolche Regelungen braucht es in der Altenpflege. Um die Qualität der Versorgung zu verbessern, streben wir auch bei Berufsgruppen wie Hebammen und Entbindungs-pfleger*innen im Krankenhaus Regelungen für eine ausreichende Personalbesetzung an. Die Geburtshilfe wollen wir stärken und insbesondere bei angestellten und freiberuflichen Hebammen und Entbindungspfleger*innen für eine bessere Vergütung sorgen. Wir wollen darauf hinwirken, dass im Rahmen der Selbstverwaltung die beteiligten Institutionen neue Vergütungsmodelle zur Stärkung der physiologischen Geburt und Selbstbestimmung der Frauen sowie zur Senkung der Kaiserschnittrate erarbeiten. Freiberufliche Hebammen brauchen eine dauerhafte Lösung für die hohen Beiträge der Haftpflichtversicherung. Hierfür wollen wir eine gesetzliche Haftpflichtversicherung für Hebammen und die anderen Gesundheitsberufe.

Wir setzen uns ein für eine gute, zahlenmäßig ausreichende und kostenlose Ausbildung aller Gesundheitsberufe, beispielsweise in der Altenpflege, Physio- oder Ergotherapie, Logopädie und für Hebammen. Zudem wollen wir die Psychotherapeut*innenausbildung reformieren, auch um eine angemessene Ausbildungsvergütung zu ermöglichen. Außerdem fordern wir bessere Mitspracherechte für die Pflegeund die anderen Gesundheitsberufe in den Gremien der Selbstverwaltung, damit sie mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen zu einer guten Weiterentwicklung des Pflege- und Gesundheitssystems beitragen können.“

 

FDP

„Schauen wir nicht länger zu“

Programm zur Bundestagswahl 2017 (bit.ly/2uYmvwD), S. 47

Geburtshilfe in Deutschland sichern, Hebammen stärken

Wir Freie Demokraten halten daran fest, dass Gebärende sich selbst entscheiden dürfen, ob sie in einer Geburtshilfeklinik oder in einem Geburtshaus entbinden möchten, falls keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Das System darf nicht den Idealismus der Menschen weiter ausnutzen, wie dies bei Hebammen und anderen medizinischen Berufe der Fall ist. Beleg- und freie Hebammen sind eine tragende Säule der Gesundheitsversorgung der gebärenden Mutter, diese muss adäquat unterstützt werden.


Zuletzt geändert am 20.11.2017