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Interview mit Martina Klenk und Barbara Blomeier zu „Unsere Hebammen auf Deutschlandtour 2017“

02.08.2017

Ab dem 24. August reist der Deutsche Hebammenverband e. V. (DHV) mit der Kampagne „Unsere Hebammen “ durch ganz Deutschland. Wir haben mit Martina Klenk, Präsidentin des DHV, und Barbara Blomeier, erste Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen Nordrhein-Westfalen e. V., über die Deutschlandtour gesprochen. Mit mehr als 4.100 Mitgliedern ist Nordrhein-Westfalen der größte der 16 Hebammenlandesverbände.

Vom 24. August bis zum 16. September 2017 ist der DHV mit seiner Kampagne "Unsere Hebammen" auf Deutschlandtour.

Vom 24. August bis zum 16. September 2017 ist der DHV mit seiner Kampagne "Unsere Hebammen" auf Deutschlandtour.

Dreieinhalb Wochen ist der DHV mit der Kampagne „Unsere Hebammen“ unterwegs, in jedem Bundesland machen wir Station. Warum gibt es diese Deutschlandtour?

Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes (Foto: DHV)Martina Klenk: Wir wollen mit der Tour informieren und Aufmerksamkeit schaffen. Mittlerweile hat es sich zwar herumgesprochen, dass es um unseren Berufsstand nicht gut steht. Aber das reicht nicht, vor allem, weil es wirklich fünf vor zwölf ist! Wir brauchen Maßnahmen, Veränderungen. Auf der Tour können wir direkt in Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern, aber auch mit Politikerinnen und Politikern treten. Wir möchten, gerade in der heißen Wahlkampfphase, für unsere Probleme sensibilisieren und um Unterstützung werben.

Barbara Blomeier:
Wir wollen mit der Tour natürlich den Bundestagswahlkampf nutzen, um unsere Themen zu platzieren und die künftige Bundesregierung auf die Probleme, mit denen Hebammen seit geraumer Zeit konfrontiert sind, aufmerksam machen. Deshalb wurde auf unserer Bundesdelegiertentagung entschieden, mit der DHV-Kampagne „Unsere Hebammen“ auf Tour zu gehen und einen öffentlichkeitswirksamen Sprinter durch die Republik zu schicken.

Was passiert vor Ort an den einzelnen Stationen?

Martina Klenk: Der DHV fährt bei der Tour jedes Bundesland an. Dort wird es am Nachmittag Infostände geben. Unser Beruf hat mit vielen Herausforderungen zu kämpfen: Viele Regionen beklagen einen Hebammenmangel, wir brauchen also dringend eine flächendeckende Versorgung. Auch eine realistische Personalplanung in Kliniken ist unbedingt notwendig, genauso wie eine angemessene Vergütung. Was diese Themen im Einzelnen für den Hebammenberuf bedeuten, darüber wollen wir an unseren Ständen informieren. Abends gibt es dann noch Diskussionsveranstaltungen, bei denen wir kritische und bestimmt auch fruchtbare Debatten zu den unterschiedlichen Themen führen werden.

Barbara Blomeier: Nordrhein-Westfalen ist ziemlich erprobt, was Wahlkampf anbelangt. Wir haben gerade den Landtagswahlkampf hinter uns und einen Wechsel der Landesregierung. Allerdings haben wir in NRW ein kleines logistisches Problem, da es ein sehr großes Bundesland ist. Für uns war eine der Herausforderungen, den Sprinter dorthin zu stellen, wo viele Menschen vorbeikommen. Natürlich ist eigentlich Düsseldorf die Landeshauptstadt von NRW, aber in Köln gibt es geeignetere Orte für unsere Ziele. Mit dem Rudolfplatz haben wir für unsere Marktveranstaltung jetzt eine tolle Kulisse gefunden, zumal sich dort generell viele Leute aufhalten. Die anschließende Diskussionsveranstaltung ist auch gar nicht weit weg davon, und zwar wird diese im Theater im Bauturm stattfinden. Da NRW so groß ist, werden leider nicht alle Kolleginnen anreisen können. Wahrscheinlich werden es hauptsächlich die Kolleginnen vor Ort sein, die uns unterstützen werden. Wir hoffen auf viele Menschen, die kommen.

Werden die Herausforderungen und Probleme der Hebammen von den Parteien denn erkannt? Wir reagieren sie darauf?


Martina Klenk:
Wir haben uns die Wahlprogramme der Parteien natürlich genau angesehen. Die gesellschaftspolitische Bedeutung der Versorgung von Frauen und ihren Kindern mit Hebammenhilfe wird von allen erkannt, und das Thema „Hebammen“ kommt auch in den Wahlprogrammen vor. Die entsprechenden Aussagen der Parteien dazu möchten wir mit Politikerinnen und Politikern auf der Deutschlandtour erörtern. Denn wir haben konkrete Lösungsvorschläge und wollen, dass unsere Anliegen wirklich von den Parteien angegangen werden. Schließlich geht es auch darum, die Wahlprogramme dann mit Leben zu füllen. Gerade deshalb ist es so wichtig, mit den einzelnen Menschen über uns, über unseren Berufsstand zu diskutieren. Und ein Bewusstsein für die Herausforderungen zu schaffen, mit denen wir täglich konfrontiert werden.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Barbara Blomeier: Ich freue mich sehr auf die Podiumsdiskussion. Wir haben mit der ehemaligen Tagesschausprecherin Simone von Stosch eine Topmoderatorin für unsere Veranstaltung in Köln gewonnen. Sie hat auch schon beim Hebammenkongress in Hamburg moderiert – sie hat auch sofort zugesagt, das hat mich sehr gefreut. Von den Grünen wird Maria Klein-Schmeink dabei sein, die sich auch im jetzigen Bundestag sehr aktiv für Hebammenthemen einsetzt. Auch Kathrin Vogler, Bundestagsabgeordnete von der Linken und Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, wird kommen. Wir hoffen auf weitere hochkarätige Politikerinnen und Politiker, die noch zusagen. Das wird spannende, kontroverse Diskussionen mit vielen kritischen Fragen aus dem Publikum geben. Auch Elternvertreter sind eingeladen, die mit Sicherheit sehr engagiert an die Sache herangehen werden.

Martina Klenk: Ich finde es großartig, dass wir mit den Themen, die uns am Herzen liegen, richtig unter die Leute gehen und informieren können. Auf die Diskussionen bin ich natürlich auch gespannt! Interessant wird sein, wie die einzelnen Politikerinnen und Politiker reagieren, welche Lösungsvorschläge sie ins Spiel bringen werden. Da werden wir natürlich auch genau hinhören! Ein Highlight wird mit Sicherheit auch die Abschlussveranstaltung in Berlin am 16. September. Ich bin mir sicher, dass wir mit der Tour noch einmal so richtig Aufmerksamkeit bekommen, gerade vor der Bundestagswahl. Das ist großartig, und das Ganze auf die Beine zu stellen, war aber auch viel Arbeit. Deshalb will ich mich schon jetzt bei allen bedanken, die uns so toll unterstützt haben!


Zuletzt geändert am 22.05.2017