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Was haben wir 2017 erreicht für Hebammen?

21.12.2017

Das Jahr 2017 war ein bewegendes Jahr für Hebammen. Eine Schiedsstelle hat die dringend nötige Steigerung der Vergütung beschlossen. Unsere Deutschlandtour hat viele erreicht und bewegt. Das Hebammenwesen wurde mit der Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes geehrt.

Bild: Deutscher Hebammenverband

Hebammen sind unersetzlich und die Expertinnen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Sie setzen sich unermüdlich für die Gesundheit von Frauen und ihren Kindern ein, nicht nur medizinisch sondern auch psychosozial. Für uns Hebammen ist das selbstverständlich. Mittlerweile wissen aber auch viele Politikerinnen und Politiker und ein Großteil der Gesellschaft um den Wert von Hebammenarbeit. Das Jahr 2017 hat uns dabei ein großes Stück vorangebracht: Bei der Deutschlandtour haben über 1000 Unterstützerinnen und Unterstützer mitgemacht und über 70 Politikerinnen und Politiker mit uns gesprochen und Hilfe zugesagt. Die Wahlprüfsteine des DHV wurden von allen Parteien diskutiert und einige Forderungen bereits aufgegriffen. Wir hoffen auf eine Umsetzung in der kommenden Legislatur. Es gab eine Ehrung auf einer feierlichen Veranstaltung zur Aufnahme des Hebammenwesens in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Anerkennung bedeutet auch die 17%-Vergütungssteigerung für freiberufliche Hebammenleistungen.

Entscheidungen der Schiedsstelle 2017

2017 haben uns die Entscheidungen der Schiedsstelle besonders bewegt. Wir freuen uns über die Steigerung bei der Vergütung freiberuflicher Hebammen. Kritisch sehen wir trotzdem, dass die fast 2000 freiberuflichen Beleghebammen in den Kliniken nicht vollumfänglich davon profitieren. Sie haben zukünftig einen hohen Dokumentationsaufwand, der nicht vergütet wird. Die neuen Abrechnungsregelungen für Beleghebammen, die ab Januar 2018 in Kraft treten werden, werden wir im kommenden Jahr im Detail beobachten und ihre Auswirkungen evaluieren und veröffentlichen.

Mehr Qualität in der Geburtshilfe durch eine engere Betreuung jeder Frau ist für uns ein wünschenswertes Ziel. Mit den neuen Abrechnungsregelungen, die in den Kliniken eine Eins-zu-zwei-Betreuung (Eine Hebamme, zwei Frauen) einführen möchten, wurde jedoch der zweite Schritt vor dem ersten getan: Nötig sind zuallererst ausreichend Hebammen. Außerdem sollte die Begrenzung der gleichzeitigen Betreuung mehrerer Frauen auch für die große Gruppe der angestellten Hebammen in den Kliniken gelten. Sie wünschen sich seit Jahren eine Entlastung in ihrer täglichen Arbeit durch eine sinnvolle Personalbemessung. Viele von ihnen betreuen regelmäßig drei bis fünf Frauen parallel während der Geburt. Dieser Missstand muss behoben werden.

Thesen für gute Geburtshilfe und Ethik der Hebammen

Für eine gute Geburtshilfe machen wir uns mit den „zwölf Thesen für eine gute Geburtshilfe“ stark. Diese wurden zum Hebammentag 2017 von uns veröffentlicht und hängen an den Geburtsorten in Deutschland aus – in Kliniken genauso wie in Geburtshäusern. Positive Rückmeldungen zu unseren Leitsätzen wie „In den natürlichen Geburtsvorgang sollen Hebammen und Ärzte nur eingreifen, wenn die Gesundheit der Frau oder des Kindes bedroht sind“  gab es übrigens auch von Gynäkologinnen und Gynäkologen. Eine neue Ethik für Hebammen wurde 2017 im Verband diskutiert und verabschiedet. Sie dokumentiert den hohen ethischen Anspruch der Hebammen an ihre Arbeit und wird Anfang 2018 veröffentlicht werden.

Lernen von Hebammen weltweit

Das Jahr 2017 stand für den Hebammenverband auch im Zeichen der internationalen Zusammenarbeit mit Hebammenverbänden. Wir können viel voneinander lernen und profitieren. So fand beispielsweise erneut ein Vier-Länder-Treffen in London statt zum Thema „continuity of care“ und der Hebammenverband war beim Internationalen Kongress in Toronto mit einer Delegation vertreten.

Vorhaben für das Jahr 2018

Auch im kommenden Jahr haben wir viel vor: gute Geburtshilfe ist nur mit guten Arbeitsbedingungen für alle Hebammen möglich. Hier muss noch viel getan werden. Im kommenden Jahr wird sich der Hebammenverband deshalb erneut mit aller Kraft für bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen einsetzen. Die Akademisierung des Hebammenberufs voranzubringen ist eine weitere große Aufgabe für den Verband im kommenden Jahr. Eines unserer Zukunftsprojekte ist die bessere Vernetzung von Hebammen.

Wir werden uns auch 2018 vor allem dafür einsetzen, dass die Geburtshilfe in Deutschland gut ist und noch besser wird, dass Frauen und Kinder gut betreut werden können und dass jede Hebamme gerne arbeitet und genügend verdient, um von ihrer Arbeit leben zu können.

Hebamme, der schönste Beruf der Welt

Wir Hebammen haben den schönsten Beruf der Welt und üben einen der ältesten Berufe der Menschheitsgeschichte aus. Das wollen wir 2018 zeigen. Kinder kommen zur Welt – immer und überall. In Deutschland freuen wir uns über steigende Geburtenraten. Wir Hebammen sind jedenfalls immer dabei und begleiten parteilich und zugewandt.

Ein herzlicher Dank!

Wir bedanken uns bei allen unseren Unterstützerinnen und Unterstützern für ein bewegendes Jahr! Bitte bleiben Sie uns gewogen und unterstützen uns weiter – für eine gute Geburtshilfe und für ein gutes zur-Welt-Kommen für jedes Kind. Auf den Anfang kommt es an!

Ulrike Geppert-Orthofer
Präsidentin
   Martina Klenk
Ehemalige Präsidentin

Zuletzt geändert am 18.10.2018