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Bayern setzt wichtiges Signal mit Förderung von Hebammen- und Geburtshilfe

08.01.2018

Noch kurz vor Jahresende hat das bayerische Kabinett 2017 das „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“ beschlossen. Damit soll 2018 eine bundesweit einmalige Förderung der Geburtshilfe in dem Freistaat starten – mit einem jährlichen Gesamtvolumen von rund 30 Millionen Euro.

Foto: Noel Matoff

Mit den Maßnahmen zeigt das bayerische Gesundheitsministerium, dass es die Schwierigkeiten der Geburtshilfe in Bayern erkannt hat. In dem Bundesland gibt es einerseits viele Ballungsräume, andererseits regelrecht verwaiste Gebiete. Die Geburtshilfe konzentriert sich mehr und mehr auf große Kliniken, bei denen immer häufiger Versorgungsprobleme auftreten. Zugleich müssen werdende Eltern oft lange Wege auf sich nehmen, um bei der Geburt ihres Kindes Unterstützung durch eine Hebamme zu bekommen. Mit einem Förderprogramm soll die Geburtshilfe „im Freistaat auch künftig flächendeckend und auf hohem Niveau zur Verfügung stehen“, so die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

Unterstützung bei Sicherstellung von Hebammenhilfe

Das „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“ konzentriert sich dabei auf zwei Schwerpunkte: Zum einen geht es um die Unterstützung der Kommunen bei der Sicherstellung der Hebammenhilfe. Dafür ist eine Pauschalförderung in Höhe von 40 Euro für jedes neugeborene Kind für Landkreise und kreisfreie Städte vorgesehen. Dieser Betrag soll für Maßnahmen verwendet werden, die zur Verbesserung und Stärkung der Versorgung mit Hebammenhilfe beitragen. Die voraussichtlichen Kosten dafür werden mit etwa 5 Millionen Euro jährlich beziffert.

Damit die Gelder wirklich bei den Hebammen ankommen, sei die Mitarbeit der Kolleginnen vor Ort sehr wichtig, erklärte Susanne Weyherter, zweite Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbands (BHLV). „Nur sie können beurteilen, an welcher Stelle die Gelder am sinnvollsten eingesetzt werden. Der BHLV geht davon aus, dass der größte Bedarf derzeit in der Wochenbettbetreuung besteht. Je nach Größe der Kommunen sind Maßnahmen wie Implementierung einer Hebammenvermittlungsstelle, Einrichtung eines Hebammennotrufes oder die Anstellung von Hebammen bei der Kommune denkbar.“ Der BHLV werde den Kolleginnen bei Interesse beratend zur Seite stehen und per Newsletter mit Ideen versorgen.

Finanzielle Förderung von Geburtshilfestationen in ländlichen Regionen


Zum anderen hat es sich das Förderprogramm zur Aufgabe gemacht, Kommunen unter bestimmten Bedingungen bei der Finanzierung von defizitären Geburtshilfestationen in ländlichen Regionen zu unterstützen. Dafür will Melanie Huml jährlich insgesamt 25 Millionen Euro bereitstellen. Kliniken können einen Zuschuss von bis zu einer Million Euro im Jahr erhalten, 15 Prozent der Defizite müssen aber die Kommunen übernehmen. Für eine entsprechende Subvention müssen verschiedene Förderkriterien erfüllt sein. Dazu zählt beispielsweise die Voraussetzung, dass eine Klinik wegen zu geringer Fallzahlen nicht kostendeckend wirtschaften kann, aber Hauptversorger in der Region ist.

„Der BHLV hat in den letzten Jahren die gestiegenen Geburtenzahlen aller bayerischen Geburtshilfestationen erhoben und einige Papiere zur Thematik erstellt“, so Susanne Weyherter. „Diese Erhebungen wurden dem Gesundheitsministerium und dem Gesundheitsausschuss des Landtages vorgelegt und diskutiert. Die Zahlen belegen, dass weitere Schließungen von kleinen Abteilungen zwangsläufig zu einer Überlastung der großen Kliniken führen würden. Gesundheitsministerin Melanie Huml hat die Problematik erkannt und möchte mit dem aufgelegten Programm dieser Entwicklung entgegentreten.“

Für das neue Förderprogramm fehlt noch die Zustimmung des Bayerischen Landtags für den Nachtragshaushalt 2018. Allerdings ist sich Susanne Weyherter sicher, dass es sich dabei nur noch um eine Formsache handelt.

Schlechte Arbeitsbedingungen und eine unangemessene Vergütung sorgen dafür, dass viele Hebammen nur noch Teilzeit in ihrem Beruf arbeiten – oder ihn ganz aufgeben. Zugleich erlebt Deutschland steigende Geburtenraten: 2016 kamen 792.000 Kinder zur Welt, berichtet das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen. Das sind 55.000 lebend geborene Kinder mehr als 2015 – ein Plus von 7,4 Prozent. Ein Trend, der sich seit 2011 abzeichnet. Mittlerweile sind zahlreiche Regionen Deutschlands von einem Hebammenmangel betroffen, wie auch unsere Landkarte der Unterversorgung zeigt. Außerdem schließen viele geburtshilfliche Abteilungen, Kreißsäle und Geburtskliniken aus finanziellen oder organisatorischen Gründen.


Zuletzt geändert am 20.11.2017