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Bedingungen für Hebammen und Situation in der Geburtshilfe verbessern

26.01.2018

In den vergangenen Jahren haben Kreißsäle geschlossen trotz steigender Geburtenraten. Die Nachfrage nach Wochenbettbetreuung ist so stark gestiegen, dass nicht mehr jede Frau eine Hebamme findet, die sie betreut. Die Situation in der Geburtshilfe droht aus den Fugen zu geraten. Politische Maßnahmen sind dringend nötig. Die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e.V., Ulrike Geppert-Orthofer, im Interview zur aktuellen Lage und zu ihren Wünschen an Politikerinnen und Politiker.

Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e.V.

Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e.V.

Frau Geppert-Orthofer, welche Problematiken sehen Sie aktuell in der Geburtshilfe in den Kliniken?

Wir sind sehr besorgt über die Entwicklungen in der Geburtshilfe. Kreißsäle schließen, außerdem fehlen Hebammen. Wir hören immer wieder, dass Frauen abgewiesen werden müssen vor den Türen eines Kreißsaales, weil dieser bereits überlastet ist. Frauen brauchen eine bestmögliche Unterstützung und medizinische Versorgung rund um die Geburt. Diese Situation ist so nicht hinnehmbar und wir benötigen dringend politisches Handeln. 

Die Arbeitsbedingungen für angestellte Hebammen in den Kreißsälen sind so schlecht, dass viele Hebammen nicht mehr dort arbeiten möchten. Neben der geringen Vergütung haben wir es mit immer mehr Druck zu tun. Immer häufiger fehlt Personal, gleichzeitig haben fachfremde Tätigkeiten zugenommen. Hebammen müssen nebenbei noch putzen, telefonieren, aufräumen und vieles mehr. Das alles führt dazu, dass die meisten Hebammen häufig drei und mehr Frauen parallel während der Geburt betreuen müssen und keiner Frau mehr so richtig gerecht werden können. Hebammen haben aber ihren Beruf ergriffen, weil sie Frauen bestmöglich unterstützen möchten.

Wie ist die Situation bei den freiberuflichen Hebammen?

Auch bei den freiberuflichen Hebammen gibt es Probleme. Beispielsweise bei der wichtigen Wochenbettbetreuung nach der Geburt fehlen an vielen Orten in Deutschland Hebammen, so dass die Frauen alleine dastehen mit ihren Fragen und Problemen. Gerade beim ersten Kind ist das wenige Tage nach der Geburt sehr schwierig.

Die Vergütung freiberuflicher Hebammen sollte überdacht und neu geregelt werden. Sie sind außerdem mit vielen bürokratischen Regelungen konfrontiert bei der Abrechnung ihrer Leistungen – insbesondere die Beleghebammen, die Geburten in den Kliniken betreuen. Auch die Haftpflichtfrage sollte langfristig für alle gelöst werden, denn nach wie vor gibt es wenige Versicherer auf dem Markt für uns und die Prämien steigen jährlich. Der Sicherstellungszuschlag für die freiberuflich in der Geburtshilfe tätigen Hebammen fängt zwar einen Teil der Kosten ab, aber nicht alle Hebammen profitieren davon. 

Wir brauchen grundsätzlich mehr Hebammen und wir müssen den Hebammenberuf gut aufstellen für die Zukunft.

Welche politischen Maßnahmen würden helfen?

Wir wünschen uns von der nächsten Bundesregierung, dass sie Maßnahmen ergreift, die die Arbeitsbedingungen von Hebammen und die Situation in der Geburtshilfe nachhaltig verbessern. Die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung rund um die Geburtshilfe und die freie Wahl des Geburtsortes müssen sichergestellt werden. Dazu sollten zuerst die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen von Hebammen verbessert werden. Die Akademisierung der Hebammenausbildung muss jetzt endlich umgesetzt werden. Deutschland ist da eines der Schlusslichter in Europa und europäische Regelungen dazu sind bereits bis Anfang 2020 umzusetzen. In den Kliniken sollte eine intensive Betreuung während der Geburt von einer Hebamme für maximal zwei Frauen gleichzeitig Standard sein. Dazu müssen die Arbeitsbedingungen von Hebammen und ihre Vergütung verbessert werden – sowohl bei freiberuflich als auch bei angestellt tätigen Hebammen. Die Haftpflichtfrage sollte nachhaltig gelöst werden.
 

» Die Wahlprüfsteine des DHV (PDF)


Zuletzt geändert am 20.11.2017