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Mütter berichten von schlechten Erfahrungen in großen Kliniken

30.01.2018

Erfahrungen von Müttern im Kreißsaal sind umso schlechter, je größer die Klinik ist.

Eine Studie des Picker-Instituts zeigt: Erfahrungen von Müttern im Kreißsaal sind umso schlechter, je größer die Klinik ist. (Bild: pitopia/Upixa)

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Picker-Instituts, für die 9.600 Frauen befragt wurden. Der Report kommt zum Schluss, dass eine Zentralisierung negative Folgen haben könnte.

Seit 1991 haben bereits mehr als 40 Prozent der Kreißsäle ihre Türen geschlossen. Die aktuellen Schließungen dokumentiert der Deutsche Hebammenverband in einer Landkarte. Die Zentralisierung der Geburtshilfe soll jedoch in den kommenden Jahren noch weitergehen, obwohl die Geburtenzahlen seit 2011 um 20 Prozent angestiegen sind auf rund 792.000 Geburten im Jahr 2016. Die Versorgung von Mutter und Kind soll angeblich in großen zentralen Geburtskliniken besser werden.

Aus Sicht der Frauen gibt es jedoch keinesfalls eine bessere Versorgung in großen Klinken – im Gegenteil: Die befragten Frauen gaben an, dass in Häusern mit 1.000 bis 2.000 oder sogar mehr als 2.000 Geburten im Jahr häufig mehr als eine Hebamme zuständig war, Hebammen nicht immer da waren, wenn sie gebraucht wurden, und sie unzureichend in Entscheidungsprozesse einbezogen wurden. In kleineren geburtshilflichen Abteilungen ist die Zufriedenheit mit der Betreuung wesentlich höher.

„Eine Geburt ist ein natürlicher Vorgang und benötigt eine intensive Begleitung durch eine Hebamme. Wir fordern deshalb seit Jahren eine Eins-zu-Eins-Betreuung von einer Hebamme für eine Gebärende. Tatsächlich betreuen jedoch mittlerweile die meisten Hebammen in der Klinik drei und mehr Frauen parallel während der Geburt“, meint Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbands e. V. (DHV). Eine Umfrage im Auftrag des Hebammenverbandes zeigte bereits Ende 2015 auf, dass parallele Betreuungen zunehmen genauso wie fachfremde Aufgaben für Hebammen und die Notwendigkeit, häufig Kolleginnen zu vertreten aufgrund von Personalmangel.

„Die Entwicklungen in der Geburtshilfe sind falsch. Das Abrechnungssystem bietet falsche Anreize. Das Einsparen von Personalkosten wirkt sich direkt auf den Gewinn der Krankenhäuser aus“, meint Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des DHV. „Personal wird seit Jahren abgebaut. Es gibt keinen Standard, wieviel Personal nötig ist für gute Geburtshilfe. Wenn Kreißsäle wegfallen, können die umliegenden Häuser dies nicht gut auffangen, weil dort meistens nicht aufgestockt wird. Immer häufiger werden Frauen mittlerweile vor einer Kreißsaaltür abgewiesen, weil dieser bereits überlastet ist. Auch die Wege zum Kreißsaal werden immer länger für Gebärende“. Erst kürzlich hatten sich aufgrund der besorgniserregenden Situation in der Geburtshilfe Vertreterinnen und Vertreter der Verbände von Hebammen sowie Gynäkologinnen und Gynäkologen getroffen und gemeinsame Sofortmaßnahmen entwickelt. „Geburtshilfe, auch bei einer Zentralisierung, muss so geplant werden, dass Gebärende gut betreut werden können. Die normale Geburt muss als Normalfall geplant und ausreichend Personal vorhanden sein. Interventionen sollten nur erfolgen, wenn sie wirklich nötig sind“, so Ulrike Geppert-Orthofer.

Susanne Steppat aus dem Präsidium des DHV überrascht das Ergebnis der aktuellen Umfrage nicht: „Gerade in den großen Klinken wurde immer mehr Personal gekürzt. Es war ja immer noch eine Hebamme da, die die Frauen betreut. Die Hebammen in diesen Klinken leisten übrigens keine schlechtere Arbeit. Sie tun, was sie können, sind mittlerweile aber an ihrer Belastungsgrenze“.


Zuletzt geändert am 20.11.2017