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Hebammenverband lässt Klage gegen Ausschlusskriterien bestehen

27.02.2018

Die Wirksamkeit der seit 2015 geltenden Ausschlusskriterien für Hausgeburten ist wissenschaftlich nicht nachweisbar. Dies haben Sachverständige nach der Auswertung zahlreicher internationaler Studien übereinstimmend festgestellt.

Hebamme beim Vorsorge-Gespräch

Vertreterinnen und Vertreter – darunter vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen und von der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e. V. – sollten die wissenschaftliche Belegbarkeit der Ausschlusskriterien herausfinden. Einen Beweis für deren Wirksamkeit konnten sie jedoch nicht finden. Vielmehr hat die Auswertung bestehender Studien gezeigt, dass in anderen Ländern der Wille der Frau wesentlich stärker einbezogen wird. Zu den derzeit in Deutschland angewandten Kriterien zählt zum Beispiel die Überschreitung des berechneten Geburtstermins um drei Tage. Dieses Kriterium schränkt die freie Wahl des Geburtsortes von Frauen und Eltern ein. Zudem bedeutet die durch eine Schiedsstelle festgelegte Praxis einen Einschnitt in das Berufsrecht der Hebammen. Der Deutsche Hebammenverband e. V. (DHV) sieht sich in seiner derzeit beim Berliner Sozialgericht laufenden Klage gegen den Schiedsstellenbeschluss bestätigt.

„Die Ausgangssituation, dass nicht-evidenzbasierte Kriterien bei der Entscheidung für oder gegen einen Geburtsort herangezogen werden, ist unverändert“, sagt Daniela Erdmann, Beirätin für den Freiberuflichenbereich (kommissarisch) beim DHV. „Internationale Studien erlauben keine Bewertung der in Deutschland festgesetzten Ausschlusskriterien, da die unterschiedlichen Gesundheitssysteme der Länder nur eingeschränkt vergleichbar sind. Dadurch können sie keine fundierte Grundlage für die Bewertung der deutschen Situation sein. Zudem war keine Studie darauf ausgelegt, Ausschlusskriterien für die Hausgeburtshilfe zu ermitteln.“

Nach Auffassung des DHV sollten die Empfehlungen des National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) aus dem Jahr 2014 als Anregung für den Umgang mit Befunden zur Wahl des Geburtsortes berücksichtigt werden: die frauenzentrierte Versorgung mit dem Recht jeder Schwangeren, den Geburtsort ihres Kindes selbst zu bestimmen.


Zuletzt geändert am 20.11.2017