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Hebamme Prof. Dr. Christiane Schwarz als neue Studiengangleiterin der Hebammenwissenschaft an der Universität Lübeck: „Die Praxis eng mit der Theorie verknüpfen.“

12.04.2018

Erst im Wintersemester 2017/2018 ist der deutschlandweit erste universitäre Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft an der Lübecker Universität gestartet. Ähnliche Studiengänge gibt es zwar schon seit zehn Jahren, bislang waren sie allerdings nur an Fachhochschulen zu finden: 2008 eröffnete in Osnabrück der erste Bachelorstudiengang in „Midwifery“. Es folgten u. a. primärqualifizierende Modellstudiengänge in Bochum, Fulda und Berlin, mittlerweile kann man zum Beispiel auch in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Thüringen „Hebamme studieren“.

Eine wichtige, unbedingt notwendige Entwicklung, denn aufgrund von festgelegten EU-Richtlinien muss bis 2020 in Deutschland die derzeitige fachschulische Hebammenausbildung in ein Hochschulstudium überführt werden.

Die Ansiedlung des Bachelorstudiengangs Hebammenwissenschaft an der medizinischen Fakultät der Universität Lübeck ist – noch – einmalig. Praxis und Theorie gehen hier Hand in Hand, verbunden mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und klinischer Forschung. Ebenfalls ein Novum: Seit April ist der Lehrstuhl für Hebammenwissenschaft mit einer Hebamme besetzt. Prof. Dr. Christiane Schwarz ist Studiengangleiterin des neuen dualen Studiengangs Hebammenwissenschaft. Das Hebammenforum hat ihr in der aktuellen Ausgabe ein Porträt gewidmet und mit ihr über die Besonderheiten und Möglichkeiten des Studiengangs für Hebammen gesprochen. Hier können Sie Auszüge des Interviews mit Chefredakteurin Susanne Quell-Liedke nachlesen.

Was ist das Besondere an dem neuen dualen Studiengang für Hebammen?

Christiane Schwarz: Wir sind mit dem Lehrstuhl für Hebammenwissenschaft und unserem Studiengang an einer medizinischen Fakultät der Universität angesiedelt und können die Praxis eng mit der Theorie verknüpfen. Dazu kommt, dass wir die Berufsgruppen, die später zusammenarbeiten werden, auch zusammen ausbilden können. Wir Lehrenden sind nah an und in der Praxis – mit einem Büro in der Frauenklinik, mit den Studierenden im Kreissaal und auf der Wochenstation oder der Kinderklinik. Die Studierenden bekommen zusammen mit der Immatrikulation einen Ausbildungsvertrag und erhalten dementsprechend die übliche Ausbildungsvergütung. Das duale Bachelorstudium verbindet 3000 Stunden praktische Einsätze in kooperierenden Kliniken und bei freiberuflichen Hebammen in außerklinischer Geburtshilfe und Praxis mit wissenschaftlichem Arbeiten und führt zu zwei Abschlüssen: der staatlich geprüften Hebamme oder dem Entbindungspfleger nach sechs Fachsemestern und einem Bachelor of Science nach acht Semestern.

Welche Chancen und Möglichkeiten sehen Sie für Hebammen mit einem dualen Studium?
Die Kolleginnen können mit ihrem Abschluss nicht nur wunderbar praktisch arbeiten, sondern haben auch das nötige Handwerkszeug erhalten, ihre Praxis kontinuierlich kritisch zu reflektieren. Das heißt, sie finden und verstehen aktuelles Wissen und Erkenntnisse und können diese in ihren Alltag integrieren. Und sie können sich beruflich weiterqualifizieren, ihr Abschluss ist international anerkannt, sie sind Teamplayer durch die interprofessionelle Arbeit an der Uni und in den geburtshilflichen Teams und stellen sich und anderen konstruktive, kritische Fragen. Sie suchen und finden Antworten – und weitere Fragen. Und das alles macht ihnen hoffentlich auch Spaß.

Was wird wohl für Sie die größte Herausforderung als Studiengangleiterin an der Uni Lübeck?
Die größte Herausforderung liegt in meiner Begeisterungsfähigkeit: Ich freue mich so sehr auf diese Aufgabe und habe so viele Ideen für die Zukunft, dass die Herausforderung vor allem darin besteht, mich ein wenig zu bremsen.

Bis zum 18. Januar 2020 muss auch in Deutschland die derzeitige fachschulische Hebammenausbildung in ein Hochschulstudium überführt werden. Das bedeutet, dass künftig eine zwölfjährige allgemeine Schulbildung die bisherige zehnjährige als Zugangsvoraussetzung für die Ausbildung zur Hebamme ersetzt. Hintergrund sind festgelegte EU-Richtlinien zur gegenseitigen Anerkennung von Ausbildungen, die auch den Hebammenberuf betreffen. Mit der Akademisierung soll die internationale Anschlussfähigkeit garantiert werden.


Zuletzt geändert am 20.11.2017