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Gute Arbeitsbedingungen für Hebammen sind möglich: Wir zeigen wie!

09.07.2018

Das Kreißsaalteam des Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikums (AVK) in Berlin gehört zu den Gewinnern des vom Deutschen Hebammenverband (DHV) initiierten „Wettbewerbs für angestellte Hebammen“. Wie viele andere angestellte Hebammen hat auch hier das Personal mit täglichen Herausforderungen zu kämpfen. Das Team hat Maßnahmen ergriffen, die geholfen haben.

Susanne Steppat, Beirätin für den Angestelltenbereich im Deutschen Hebammenverband (Foto: DHV)

In Deutschland werden so viele Kinder geboren wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zuletzt stieg die Zahl der Geburten um sieben Prozent. Eigentlich ein Grund zur Freude – auch für Hebammen. Doch die steigenden Geburtenzahlen führen zu Engpässen in den Geburtsabteilungen. Auch das Kreißsaalteam des AVK sieht sich mit dieser Herausforderung konfrontiert.

In der Geburtshilfe des Berliner Klinikums ohne angeschlossene Kinderklinik kamen im Jahr 2016 1569 Kinder zur Welt. Die Sectiorate lag bei 23  Prozent – und damit etwa zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Das motivierte Kreißsaalteam bestand aus 25 Hebammen, die sich entsprechend organisieren mussten, um die vielen Geburten zu stemmen. Dabei kosteten vermeintlich schnell erledigte Aufgaben wichtige Zeit, und zusätzlich beeinträchtigten sie den sonstigen Arbeitsablauf. Eine Umfrage des DHV unter in Kliniken angestellten Hebammen zeigte schon 2015 auf, dass Hebammen zunehmend fachfremde Tätigkeiten übernehmen müssen. So liefen auch im AVK die Terminvergaben zur Anmeldung zur Geburt nur über das Kreißsaaltelefon – und sorgten für ständige Arbeitsunterbrechungen. Des Weiteren beklagten die Hebammen das Fehlen interdisziplinärer Übungen von Notfallsituationen und zu viele Dienste ohne Pause. Es ging also darum, diese drei Probleme in den Griff zu bekommen.

Damit die Anmeldungen nicht länger über das Kreißsaaltelefon liefen, erstellte die hauseigene IT-Abteilung gemeinsam mit einem IT-Dienstleister ein Online-Terminplanungssystem. Jetzt ist eine Anmeldung zur Geburt bequem über die Website des Klinikums möglich. Außerdem ließen sich die stellvertretende Kreißsaalleitung und ein Oberarzt zu Simulationsinstruktoren ausbilden, um regelmäßige Notfalltrainings im Haus durchführen zu können. Seit Januar 2017 findet im Auguste-Viktoria-Klinikum alle zwei Monate ein Simulationstraining in kleinen Gruppen statt. Ärzte, Fachärzte, Hebammen und Hebammenschülerinnen nehmen an den Schulungen teil. Das Thema „fehlende Pause“ wurde ebenfalls bereits 2015 in der Hebammenbefragung des DHV benannt: Damals gab die überwiegende Mehrzahl der Hebammen (89 %) an, nur selten oder hin und wieder die Möglichkeit zu haben vorgeschriebene Ruhepausen einzuhalten. Das AVK geht dieses Problem folgendermaßen an: Mittlerweile bekommt die Abteilung täglich eine Suppenmahlzeit fürs ganze Team geliefert. Hier können sich die Angestellten bedienen, wenn es passt. Mit dem Verzehr der Mahlzeit zu Tisch schafft das Personal eine Art Signalwirkung – jeder, der vorbeikommt, sieht: Hier macht gerade jemand Pause.

Ob schnell umzusetzende Sofortmaßnahme oder komplexe Strukturveränderung - Veränderungen sind auf vielen Ebenen möglich. „Und das Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum hat gezeigt, wie viel sie bewirken können. Überhaupt haben alle Wettbewerbsbeiträge deutlich gemacht, dass Hebammen trotz dauerhafter Überlastung ihre „Packen wir es an“-Mentalität nicht verloren haben“, so Susanne Steppat, Beirätin für den Angestelltenbereich. „Allerdings möchte ich betonen, dass die Maßnahmen natürlich kein Mittel gegen den vorherrschenden Personalmangel und die strukturell schwierigen Bedingungen in der Geburtshilfe sind.“

Hier benötigen Hebammen grundlegende Veränderungen, um die flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe sowie eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe sicherzustellen.


Zuletzt geändert am 20.11.2017