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Gewinner des „Wettbewerbs für angestellte Hebammen“: Kreißsaalbesuch im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin

12.07.2018

Steigende Geburtenzahlen, zu wenig Personal: Hebammen in der Geburtshilfe in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen. Das Kreißsaalteam des Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikums (AVK) in Berlin hat entsprechende Maßnahmen ergriffen, die geholfen haben. Wie genau, das hat ein Besuch im Kreißsaal vor Ort gezeigt.

PD Dr. med. Mandy Mangler (Chefärztin AVK), Claudia Rheinbay (Kreißsaalleitung AVK), Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des DHV, und Simone Logar, 2. Vorsitzende des Berliner Hebammenverbands im Gespräch mit Journalistinnen und Journalisten (Foto: DHV)

1.702 Kinder kamen im vergangen Jahr im AVK zur Welt, im Jahr 2016 waren es noch 1.569. Alleine an diesem Anstieg lässt sich der Babyboom erahnen, den Deutschland erlebt. Zuletzt nahm die Zahl der Geburten um sieben Prozent zu. Die steigenden Geburtenzahlen führen zu Engpässen in den Geburtsabteilungen – und damit zu schwierigen Arbeitsbedingungen.

Das Kreißsaalteam des AVK hat es geschafft, Veränderungen einzuführen, die die Arbeitsbedingungen erheblich verbessert haben. Dafür wurde das Team um Claudia Rheinbay (Kreißsaalleitung, Vivantes AVK) und PD Dr. med. Mandy Mangler (Chefärztin, Klinik für Geburtsmedizin, Vivantes AVK) im vergangenen Jahr beim vom Deutschen Hebammenverband (DHV) initiierten Wettbewerb für angestellte Hebammen ausgezeichnet. Bei einem Kreißsaalbesuch am 12. Juli 2018 konnten Journalistinnen und Journalisten einen Eindruck gewinnen, was die Maßnahmen konkret bewirkt haben.

Eine essentielle Neuerung war etwa die Entwicklung von Simulations- und Notfalltrainings. “Wenn ein Notfall eintritt, müssen wir zu 100 Prozent vorbereitet sein“, so Kreißsaalleiterin Claudia Rheinbay. „Dann muss das Team sofort wissen, was zu tun ist.“ Die entwickelten Trainings stellen Geburten und auftretende Notfälle nach. Feedbackrunden und regelmäßige Übungen spielen dabei eine große Rolle und – ganz wichtig – Kommunikation. „Durch Kommunikation im Team lassen sich viele mögliche Fehler auffangen“, so Claudia Rheinbay. Um die Situationen möglichst realitätsnah abzubilden, fließen auch bestimmte Stressfaktoren in die Übungen ein. Wie gut die Arbeitsabläufe mittlerweile eingespielt sind, demonstrierte das Team anschaulich bei einem Notfalltraining. Dreimal im Jahr muss jeder aus dem Team ran, um den Ernstfall zu proben – Ärztinnen und Ärzte genauso wie Hebammen und Hebammenschülerinnen.

Eine weitere Entlastung für das Team war die Einführung eines digitalen Terminplanungssystems. Früher liefen sämtliche Anmeldungen zur Geburt über das Kreißsaaltelefon und sorgten für ständige Arbeitsunterbrechungen. Eine Umfrage des DHV unter in Kliniken angestellten Hebammen zeigte schon 2015 auf, dass Hebammen zunehmend fachfremde Tätigkeiten übernehmen müssen. Durch das Onlineportal können sich Frauen nun zur Geburt bequem über die Website des Klinikums anmelden. Dort geben sie den errechneten Termin ein, sechs Wochen vor diesem erhalten sie dann einen Anmeldetermin – und zusätzlich eine Erinnerung per SMS.

Das Thema „fehlende Pause“ wurde ebenfalls bereits 2015 in der Befragung des DHV benannt: Damals gab die überwiegende Mehrzahl der Hebammen (89 Prozent) an, nur selten oder hin und wieder die Möglichkeit zu vorgeschriebene Ruhepausen zu haben. Das AVK hat dieses Problem folgendermaßen gelöst: Mittlerweile bekommt die Abteilung täglich eine Suppenmahlzeit fürs ganze Team geliefert. Hier können sich die Angestellten bedienen, wenn es passt. Mit dem Verzehr der Mahlzeit zu Tisch schafft das Personal eine Art Signalwirkung – jeder, der vorbeikommt, sieht: Hier macht gerade jemand Pause.

Grundsätzlich tragen diese Maßnahmen einen großen Teil dazu bei, dass sich die Arbeitsbedingungen im AVK verbessert haben. „Das war preiswürdig für uns“, erklärte Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbands, die gemeinsam mit Simone Logar, zweite Vorsitzende des Berliner Hebammenverbands e.V., ebenfalls anwesend war. „Die guten Beispiele, die wir beim Wettbewerb ausgezeichnet haben, sollen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die prekäre Personalsituation in deutschen Kliniken noch lange nicht geklärt ist“, so Susanne Steppat.

Dass Verbesserungen möglich sind, wenn alle zusammenarbeiten, beweist das AVK. Die Hebammen fühlen sich von der Ärzteschaft und der Klinikleitung in hohem Maße unterstützt, um das Beste für den Kreißsaal und die Schwangeren zu erreichen.


Zuletzt geändert am 20.11.2017