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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist zu hoch

17.09.2018

Die Kaiserschnittrate in Deutschland lag 2017 bei 30,5 Prozent. Sie ist damit deutlich zu hoch. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist eine Kaiserschnittrate von bis zu zehn Prozent medizinisch notwendig. Der Deutsche Hebammenverband fordert die Stärkung der physiologischen Geburt und sieht dringenden Handlungsbedarf, die Anzahl der Kaiserschnitte in Deutschland zu senken. Jeder Kaiserschnitt ist eine Operation und sollte nur dann durchgeführt werden, wenn er medizinisch notwendig ist. Gründe für die mittlerweile häufigen Interventionen in der Geburtshilfe in Deutschland sieht der Verband in der zunehmenden Arbeitsbelastung bei immer weniger Personal in den Kreißsälen, in einem Verlust von Wissen über die normale Geburt sowie in steigender Angst vor Fehlern.

Foto: Pitopia

 

„Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist zu hoch und muss gesenkt werden. Wir Hebammen warnen seit Jahren vor zu vielen Eingriffen bei der Geburt“, so Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e. V. (DHV). Die aktuelle Situation in der Geburtshilfe ist nach Einschätzung des DHV für Frauen, aber auch für Hebammen untragbar: „In den Kreißsälen ist oft zu wenig Personal, um sich intensiv um jede Gebärende zu kümmern. Es fehlen außerdem gültige Standards, wann ein Kaiserschnitt geboten ist. Die Entscheidung über seine Notwendigkeit ist deshalb in vielen Fällen subjektiv. Sie erfolgt auch aus Angst vor Fehlern und folgenden Geburtsschäden“, so Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbands

Kaiserschnitte können Leben retten. Sie sollten jedoch nur im Notfall angewendet werden, da sie Risiken für die Gesundheit von Mutter und Kind haben. Für die Kinder besteht beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Asthma, Diabetes und Allergien als Folge.

Bei einer Kaiserschnittrate von über 30 Prozent ist der Handlungsbedarf hoch und wurde in einigen Bundesländern in Deutschland bereits erkannt. Beispielsweise wurden in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen Maßnahmen zur Förderung der physiologischen Geburt unter Einbeziehung der Hebammenverbände ergriffen. „Ein bundesweiter Aktionsplan zur Förderung der physiologischen Geburt wäre das richtige Signal“, so Susanne Steppat.


Zuletzt geändert am 05.11.2018