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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Zwischen Big-Data-Medizin und Re-Humanisierung

15.04.2019

Ein Interview mit der Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern

Oona Horx-Strathern, www.strathern.eu / Foto: Klaus Vyhnalek, www.vyhnalek.com

Vom 27. bis zum 29. Mai ist Europas größter Hebammenkongress zu Gast in Bremen. Das Programm bietet spannende berufspolitische Plenen, interessante Workshops – und einen Blick in die Zukunft. Denn der Deutsche Hebammenverband will auch über Visionen für die künftige Hebammenarbeit sprechen.

Wie wird sich das Berufsbild der Hebamme ändern? Welche Rahmenbedingungen, Trends und Entwicklungen werden die Entwicklung unseres Berufsstandes prägen? Diese und andere Fragen stehen bei dem Panel „Zukunfts-Forum: Hebamme der Zukunft – Zukunft der Hebamme“ im Fokus. Der DHV möchte mit Expertinnen und Experten diskutieren, neue Blickwinkel wagen und den Beruf der Hebamme weiterentwickeln und vordenken. So untermauert der Verband seine Forderung, an der künftigen Ausgestaltung der Hebammenarbeit in Deutschland maßgeblich beteiligt zu sein.

Unter anderem spricht und diskutiert Frau Oona Horx-Strathern vom Zukunftsinstitut Frankfurt/Main und Wien über das Thema „Die Macht der Megatrends – Leben in der Zukunft“. Die Ideen, Thesen und Ergebnisse des Panels werden Ende September in einem Zukunftsdialog in Berlin vertieft und verdichtet. Im Anschluss werden die Thesen über die Zukunft „Geburtshilfe der Zukunft – Zukunft der Geburtshilfe“ zusammengefasst und veröffentlicht.

Oona Horx-Strathern hat in London für überregionale Zeitungen, für Magazine und das Fernsehen gearbeitet. Seit gut 20 Jahren erforscht sie Trends, berät internationale Firmen und ist Autorin zahlreicher Artikel und Bücher. Aktuell hat sie die erste Ausgabe des „Home Report 2019“ veröffentlicht, in dem sie als Wohn-Expertin einen kritischen Blick auf die Veränderungen unserer Lebensräume und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft wirft. Oona Horx-Strathern gehört zum Team des 1998 gegründeten Zukunftsinstituts, das die Trend- und Zukunftsforschung in Deutschland von Anfang an maßgeblich geprägt hat. Heute gilt das Unternehmen als einer der einflussreichsten Think-Tanks der europäischen Trend- und Zukunftsforschung. Wir freuen uns sehr, Frau Horx-Strathern mit dem Thema „Die Macht der Megatrends – Leben in der Zukunft“ am letzten Kongresstag als Rednerin im „Zukunfts-Forum: Hebamme der Zukunft – Zukunft der Hebamme“ begrüßen zu dürfen und haben schon mal vorab nachgefragt.

Frage: Frau Horx-Strathern, wohin geht die Reise? Welche Megatrends sind erkennbar??

Nach einer Phase des „Technik-Populismus", in der wir wie das Kaninchen auf die Schlange der Digitalisierung gestarrt haben, geht es jetzt wieder in Richtung auf eine breitere Debatte gesellschaftlicher Themen. Das ist gut so. Man kann nicht alles digital lösen. Zum Beispiel die Pflege nicht, und die Gesundheit auch nicht. Es braucht immer eine human-technische Synthese.

Frage: Gerade der Gesundheitsbereich verändert sich in rasantem Tempo. Was sind in Ihren Augen hier die Trends der Zukunft?

Die Entwicklung ist zweigeteilt. Einerseits sind Big-Data-Medizin und neue genetische Therapien im Entstehen. Andererseits zeichnet sich eine Re-Humanisierung ab, in der das Verhältnis zwischen Arzt und Patient, Gesellschaft und Körper wieder in den Focus gerät. Dies wird parallel verlaufen, könnte sich aber auch sinnvoll ergänzen. Das wäre dann ein wirklich intelligentes Gesundheitssystem.

Frage: Haben Sie eine Vision, wie die Geburtshilfe der Zukunft aussehen sollte?

Wir sind als menschliche Spezies nackte Tiere. Und die Geburt ist ein Ereignis, bei dem wir auch in der Zukunft besonders "nackt" und verletzlich sind. Da brauchen wir besondere menschliche Nähe, Begleitung, persönliche Assistenz. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, trotz oder gerade wegen aller High-Tech-Medizin.



Zuletzt geändert am 07.08.2019