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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

15. Deutscher Hebammenkongress: Highlights Tag 3

29.05.2019

Auch am dritten Tag des 15. Deutschen Hebammenkongresses in Bremen gab es eine Vielzahl an interessanten Themen und Diskussionen. Wir haben wieder einige Highlights für Sie zusammengefasst.

Auch am dritten Tag des 15. Deutschen Hebammenkongresses in Bremen gab es eine Vielzahl an interessanten Themen und Diskussionen. © Deutscher Hebammenverband, Fotograf: Hans-Christian Plambeck

Plenum „Digitale Angebote für Hebammen und Schwangere“

Die Digitalisierung ist uns längst in Fleisch und Blut übergegangen – von der Navigations-App im Auto über PDF-Dokumente zum Download bis hin zu Onlineshops und Smartphone. Diese und viele Angebote mehr sind für die Menschen heute eine Selbstverständlichkeit. Und gerade die Jüngeren stehen der Weitergabe privater Daten nicht selten unkritischer gegenüber als ältere Generationen. Und nicht zu vergessen: Die Digitalisierung beinhaltet einen erheblichen Wirtschaftszweig, auf dem sich viele Unternehmen mit Apps und vielen anderen Angeboten tummeln.

Schwangere und junge Mütter wünschen oftmals explizit die digitale Unterstützung, die sie von vielen Hebammen auch erhalten. Dieser Prozess steht erst am Anfang, entwickelt sich rapide weiter und stellt Hebammen vor neue Herausforderungen. DHV-Präsidiumsmitglied Ursula Jahn-Zöhrens lud deshalb zum Thema „Digitale Angebote für Hebammen und Schwangere“ ein und begrüßte Daniela Erdmann, zweite Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen Nordrhein-Westfalen, Lena Lührmann, Projektleitung „Marlies“ und Rechtsanwältin Dr. Ann-Kathrin Hirschmüller.

Der Gesundheitsmarkt ist voll von digitalen Beratungsangeboten. Auch immer mehr Hebammen machen entsprechende Angebote. Heute bereits dürfen digitale Beratungsleistungen abgerechnet werde, da der Kommunikationsweg für diese nicht vorgeschrieben ist. Das ist aber erst der Anfang für die Kolleginnen und Kollegen. Die Zukunft wird noch sehr viel weiter gehen.

Workshop „Simulationstraining in der Geburtshilfe“

Im Idealfall verläuft eine Geburt unkompliziert ab. Doch natürlich gibt es sie, die geburtshilflichen Notfälle. Diese zu „üben“, darum geht es beim „Simulationstraining in der Geburtshilfe“ im Workshop mit Claudia Rheinbay (Leitende Hebamme, Auguste-Viktoria-Klinikum Berlin) und Oberarzt Tino Hentrich. Zwölf Teilnehmerinnen sind anwesend, die Mehrzahl sind Klinikhebammen. Geprobt wird im „Klinikmodus“.

Der Workshop beinhaltete zwei Notfälle, vor dem jeweiligen Simulationstraining wurden Rollen verteilt: eine Hebamme, eine Ärztin, eine Hebammenschülerin, eine Springerin und zwei Begleitpersonen. Die „Gebärende“ haben Claudia Rheinbay und Tino Hentrich mit Hebamme Britta alias „Natalie“ aus Berlin mitgebracht. Vor Beginn des Trainings zieht eine Person einen Fall aus vorbereiteten Karten, die Teammitglieder wissen nicht, was auf sie zukommt. Dann startet die Simulation, jeder übernimmt seine Rolle. Im Nachgespräch reden die KursleiterIn und die Teilnehmerinnen über die Abläufe bei den einzelnen Notfällen (Fall 1: Schulterdystokie, Fall 2: Nabelschnurvorfall mit anschließender Not-Sectio). Es wichtig darüber zu sprechen, was gefühlt wurde, denn, so Claudia Rheinbay: „Das vergisst man nie wieder.“

Viele haben bereits Erfahrung mit dem Training von geburtshilflichen Notfällen, die wichtig sind, um die Sicherheit von Mutter und Kind bei Notfällen in der Geburt zu erhöhen. Es geht darum, Abläufe für den Ernstfall zu üben, Zuständigkeiten zu verinnerlichen. Seit 2018 führt Claudia Rheinbay Simulationstrainings am AVK durch, erst interprofessionell, mittlerweile interdisziplinär. Ein wesentlicher Faktor bei den Trainings – und dann natürlich auch im Ernstfall – sei die Kommunikation, sagt sie. Die Simulationstrainings tragen dazu bei, dass die Wertschätzung im Team steige sowie das Bewusstsein, dass genug Kompetenzen im Team vorhanden seien. „Dabei können auch Rollenverteilungen geändert, Hierarchien aufgebrochen werden.“

Sitzung „Hebammen in den „Frühen Hilfen“

Hebammen, die in Projekten der “Frühen Hilfen“ in ganz Deutschland tätig sind, trafen sich am Mittwoch Vormittag zum Erfahrungsaustausch. Einig waren sich die Beteiligten, dass ihre Unterstützung für die Familien einzigartig ist, weil sie eine Niedrigschwelligkeit habe, die sonst niemand bieten kann. Einige Hebammen haben sich auf die Traumaberatung oder die Suchtberatung im Kontext der „Frühen Hilfen“ spezialisiert und können in den Familien teils mit einer sehr intensive Betreuung unterstützen, Krisen oder den Alltag zu bewältigen. Was konzeptionell noch dringend weiterentwickelt werden müsse, sei die Frage was der aktuelle Hebammenmangel mit der Arbeit in den Frühen Hilfen mache: Was tun, wenn für Familien mit viel Unterstützungsbedarf keine Hebamme mehr auffindbar sei?

Sitzung „Männer als Hebamme“

Es sind wenige, aber es gibt sie: männliche Hebammen. Auf dem Kongress haben Hebamme Tobias Richter und Auszubildender Konstantin Wroblewski von ihren Erfahrungen berichtet. Durchweg positiv waren die Reaktionen im gut besuchten Saal. Derzeit, so Susanna Rinne-Wolf, ehemalige erste Landesvorsitzende des Berliner Hebammenverbandes, gebe es in vielen Ländern – darunter in Belgien, den Niederlanden und in Schweden – im prozentualen Vergleich mehr männliche Hebammen, auch wenn die Zahl immer noch sehr gering ist. Frau Rinne-Wolf betonte außerdem, dass sämtliche Gesetze für die Gleichstellung der Geschlechter auf beide Seiten angewendet werden müssen, da eine Benachteiligung jeglichen Geschlechts gesetzeswidrig sei.

Zu dem Impressionen vom 15. Deutschen Hebammenkongress in Bremen 


Zuletzt geändert am 07.08.2019