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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Zukunft der Hebamme - Hebamme der Zukunft

29.05.2019

Das Abschlusspanel beim 15. Deutschen Hebammenkongress stellte sich der Frage nach der Zukunft des Hebammenberufs zwischen Digitalisierung und Re-Humanisierung, inmitten gewaltiger Megatrends, die unsere Gesellschaft derzeit umwandeln.

Das Abschlusspanel beim 15. Deutschen Hebammenkongress stellte sich der Frage nach der Zukunft des Hebammenberufs zwischen Digitalisierung und Re-Humanisierung, inmitten gewaltiger Megatrends, die unsere Gesellschaft derzeit  umwandeln. © Deutscher Hebammenverband, Fotograf: Hans-Christian Plambeck

Werden wir alle durch Roboter ersetzt? So begann Oona Horx-Strathern vom Zukunftsinstitut ihren Vortrag. Megatrends wie die älter werdende Gesellschaft, die Silver Society, die Individualisierung mit neuen Formen des Zusammenlebens und die Digitalisierung bestimmen unser Leben. Jeder Trend habe dabei aber auch einen Gegen-Trend – so rufe die zunehmende Digitalisierung auch einen Trend zum Analogen und zu mehr Achtsamkeit hervor. Gerade die Human-touch-Jobs erfahren aktuell steigende Nachfrage innerhalb dieses Gegen-Trends. Hebamme ist einer dieser Berufe und hat im Zentrum menschliche Begegnung und Zuwendung. Deshalb bestehe für Hebammen eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit durch Automatisierung ersetzt zu werden: sie liege bei nur einem Prozent und damit niedriger als bei vielen anderen Berufen. Die Zukunft sei, wieder die Beziehung und nicht die Versorgung in den Mittelpunkt zu stellen. Oona Horx-Strathern beendete ihren Vortrag mit dem Zitat der Hebamme Leah Hazard: „Wir sind menschlich. Unsere Arbeit legt die Grundlage für lebenslange Gesundheit. Unsere Arbeit ist komplizierter, herausfordernder, widersprüchlicher und wunderbarer als die Welt bisher realisiert hat.“

Sebastian Bayer, der Geschäftsführer im Ressort Marketing beim dm Drogeriemarkt, betonte in seinem Statement, dass die Zukunft ungewiss sei und deshalb von uns gestaltbar. Er empfahl, bei allen Überlegungen zur Zukunft den Mensch ins Zentrum der Überlegungen zu stellen und zu klären, ob wir alle wirklich verstehen, was gerade passiert. Technologisierung könne nur so weit gehen, wie Menschen sie akzeptieren und nutzen. Die Digitalisierung sei der Trend zur Verbequemlichung des Lebens. Zeitersparnis und Effizienz waren dabei seit jeher der Treiber von Innovationen. Ein Beispiel sei Online-Shopping: jederzeit und überall möglich – also bequem. Auch beim Hebammenberuf wird alles, was durch Digitalisierung einfacher und bequemer wird, erfolgreich sein, auch bei Schwangeren und Müttern. Durch die sozialen Medien liege die Deutungshoheit zunehmend bei den Kunden. Es geschehe eine Verschiebung. Die Frage dabei sei, wie man Menschen Orientierung geben könne und eine Anlaufstelle. Diesen Übergang können Hebammen und auch der Hebammenverband begleiten und selbst mit gestalten – mit guter Vernetzung und Zuversicht.

Beteiligte im Gesundheitswesen in Deutschland hätten Angst, etwas abzugeben, so die These von Harm van Maanen, Geschäftsführender Gesellschafter der „Brückenköpfe“. Ein Beispiel seien die aktuellen Äußerungen aus der Ärzteschaft zur Akademisierung der Hebammen. Angst präge aktuell die Debatten im Gesundheitssystem und erschwere Veränderungen. Auch er plädierte dafür, dass Hebammen ihren zukünftigen Beruf selbst gestalten und Regeln aufstellen, nicht zuletzt bei der Digitalisierung. Sie dürfen dabei keine Angst haben vor Veränderungen, sondern bestimmen, welche Freiräume sie sich schaffen für ihre Berufsausübung und was sie nicht mehr tun wollen. Hebammen hätten dafür eine sehr starke Position in der Gesellschaft – denn jedes Elternteil erinnere sich noch an die Hebamme, die sie bei Vorsorge, bei der Geburt und im Wochenbett unterstützt hat. Diese gesellschaftliche Funktion könne zukünftig gestärkt werden. Hebammen seien traditionell die ersten Ansprechpartnerinnen rund um die Geburt und sollten jetzt zu ihrer alten Stärke zurück finden.

Die anwesenden Hebammen wurden im Panel beispielsweise befragt, wie sich Ihrer Meinung nach das Berufsbild der Hebamme in Zukunft verändern werde. Mehr Teamarbeit, mehr Digitalisierung und die Akademisierung waren die meisten Antworten – und dass der Hebammenberuf weiterhin ein Handwerk bleibt. Bleiben solle auch auf jeden Fall die Selbständigkeit und Autonomie des Berufs.

Ulrike Geppert-Orthofer, die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e. V. blickte zum Abschluss der Diskussion optimistisch in die Zukunft: Hebammen hätten genau die Kompetenzen, die eine Re-Humanisierung der Geburtshilfe brauche. Neue Technologien können dabei das Zeitmanagement verbessern, so dass mehr Zeit für die achtsame Fürsorge für Mutter und Kind da sei. Megatrends seien auch gut nutzbar für eine Weiterentwicklung des Berufs – beispielsweise durch Vernetzung, Teamorientierung und Digitalisierung.

Sie lud ein zu einer umfassenden Diskussion zur Zukunft des Berufsstands am 30.September in Berlin. Dort können Hebammen, Eltern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und viele weitere Expertinnen und Experten einen Tag lang zusammen Visionen und Umsetzungsmöglichkeiten erarbeiten.

Zu den Bildern vom 15. Deutschen Hebammenkongress


Zuletzt geändert am 07.08.2019