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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Die erste Lesung des Hebammengesetzes

07.06.2019

Am 6. Juni 2019 hat kurz nach 21 Uhr im Plenarsaal im Berliner Reichstagsgebäude die erste Beratung des Entwurfes eines Gesetzes zur Reform der Hebammenausbildung begonnen. Für den Berufsstand der Hebammen war dies ein ganz besonderer Moment, denn 34 Jahre lang gab es keine Reform des Berufsgesetzes. DHV-Präsidiumsmitglied Yvonne Bovermann hat die Debatte der Abgeordneten von der Zuschauertribüne aus verfolgt. „Für mich war die erste Lesung des Hebammengesetzes spannender als ein Krimi“, so Yvonne Bovermann. „Denn endlich stand unser wichtigstes Anliegen, die Reform des Hebammengesetzes und die Akademisierung der Hebammenausbildung, im Zentrum des parlamentarischen Interesses.“

Yvonne Bovermann, Berätin für den Bildungsbereich im Deutschen Hebammenverband © Deutscher Hebammenverband, Fotograf: Hans-Christian Plambeck

Als erstes sprach MdB Emmi Zeulner, CSU-Abgeordnete und Sprecherin des Gesundheitsausschusses: Es sei ein guter Entwurf für ein neues Berufsgesetz und sie hoffe, dass noch mehr für die Verbesserung der Hebammen getan werden könne. Geburtshilfe sei Daseinsvorsorge, betonte sie, und dass dieses Struktur-Update eine Riesen-Chance für die Länder sei. Sie machte deutlich, dass die Praxisanleitung ein wesentlicher Teil der Reform sein werde, und sprach sich für ein flächendeckendes Förderprogramm für die Qualifikation zur Praxisanleitung aus. Auch die Lehrerinnen der Schulen sollten dringend einbezogen werden, weil ihre Expertise in der Qualifikation von Hebammen unverzichtbar sei. „Die tolle, engagierte Rede hat verdeutlicht, wo der weitere Reformbedarf liegt“, so Yvonne Bovermann.

Eine weitere Rednerin war die FDP-Abgeordnete Christine Aschenberg-Dugnus. Sie vertrat eine Kollegin, die vor wenigen Tagen einen Sohn geboren hat. Sie unterstrich ebenfalls den Wert der Hebammenarbeit und die Bedeutung der Reform deutlich und signalisierte Unterstützung. 

MdB Kirsten Kappert-Gonther von Bündnis 90/Die Grünen hatte erst vor zwei Wochen auf dem Hebammenkongress in Bremen vehement die Unterstützung von Hebammen und die Förderung der physiologischen Geburt gefordert. Sie begann ihre Rede mit einem emotionalen Appell an alle Zuhörerinnen und Zuhörer: Eine gute Geburtshilfe für alle Menschen sei für eine gut funktionierende Gesellschaft von großer Bedeutung. Auch ihr Statement zum Hebammengesetz zeigte deutlich, dass sie und ihre Partei hinter der Reform stehen, aber weitere wichtige Verbesserungen für die Geburtshilfe  fordern. Vergleichbar mit den Vorschlägen von Frau Zeulner wünschte sich auch Frau Kappert-Gonther eine Einbeziehung der Lehrenden. Sehr deutlich sprach sie sich für das Modell des verkürzten nachträglichen Titelerwerbs wie in der Schweiz aus. Weitere gesetzliche Regelungen für die Stärkung der Geburtshilfe sollten dringend zeitnah umgesetzt werden.

Einige Abgeordnete gaben ihre Reden zu Protokoll, da die eingeplante Debattenzeit bereits vorbei war, darunter MdB Bettina Müller von der SPD, die ebenfalls Mitglied des Gesundheitsausschusses ist. Die gesamte Debatte ist im Protokoll auf der Internetseite des Deutschen Bundestages nachzulesen (http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/19/19104.pdf; die Debatte zum Hebammen-Reform-Gesetz beginnt auf Seite 12750, auf Seite 12823 finden sich die zu Protokoll gegebenen Reden). Zudem wurde auch das Video der Debatte auf der Website des Bundestages eingestellt (https://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/plenarprotokolle).

Yvonne Bovermann zeigte sich am Ende der Debatte erleichtert und bewegt: „Für das Präsidium des DHV und mich als persönlich Anwesende war das ein großer Moment! Die positive Wahrnehmung der Rednerinnen vom Hebammenberuf hat mich berührt und ermutigt. Die Reden dieser starken Frauen im Bundestag haben klar gemacht, dass in den Parteien und in der Politik die Probleme der Hebammen bewusst sind und der Handlungsbedarf klar erkannt wird.“


Zuletzt geändert am 07.08.2019