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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Akademisierung - Es tut sich etwas in den Ländern

10.09.2019

Das Land Niedersachsen hat 140 Bachelor-Studienplätze für Hebammen an vier Standorten eingerichtet. Wir haben mit der 1. Vorsitzenden des Landesverbandes Niedersachsen, Veronika Bujny, über den langen Weg und die weiteren Herausforderungen gesprochen:

Veronika Bujny, 1. Vorsitzende Hebammenverband Niedersachsen

Veronika Bujny, 1. Vorsitzende Hebammenverband Niedersachsen

Frau Bujny, wie bewerten Sie die Neuigkeit aus Hannover?

Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden und stolz darauf. Doch es war ein langer und auch sehr schwieriger Weg bis es zu dieser Regelung kam. Wir Hebammen mussten in den vergangenen vier Jahren sehr viel Überzeugungsarbeit leisten und regionale Bündnisse schließen, um die Politik zum Handeln zu bewegen. Niedersachsen war lange zurückhaltend, die Akademisierung umzusetzen und ist im Bundesvergleich eher Schlusslicht. Wir haben uns von Anfang an für mindestens vier Standorte in Niedersachsen mit je 40 Studienplätzen eingesetzt. Jetzt sind es zwar nur 35 Plätze pro Standort geworden, aber eventuell kommt Braunschweig noch als fünfter Standort hinzu. Im Vergleich zu den Hebammenschulen bedeutet die neue Regelung eine Verdoppelung der Ausbildungsplätze!

Das heißt, Sie können sich jetzt entspannt zurücklehnen?

Schön wäre es! Aber jetzt kommt es darauf an, dass die Studiengänge finanziell gut ausgestattet werden und geeignetes Lehrpersonal gefunden wird. Wir brauchen promovierte Hebammen und Hebammen mit Masterabschluss, die die Studierenden auf akademischen Niveau betreuen können. Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass Abiturientinnen und junge Frauen mit Hochschulzugangsberechtigung, die Interesse am Bachelor-Studium haben, auch zügig wissen, wie und wann die Studiengänge starten werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass die neuen Studiengänge so attraktiv und zukunftsweisend sind, dass die jungen Frauen in Niedersachsen das Hebammenstudium anstreben werden.

Wie soll der Übergang mit den Hebammenschulen bewerkstelligt werden?

Leider ist hier vieles noch nicht geregelt. Wir müssen sicherstellen, dass der Übergang geordnet verläuft. Natürlich brauchen die Hebammen, die sich aktuell in einer Ausbildung befinden, die Sicherheit, dass sie ihre Ausbildung gut beenden können. Aber auch das Lehrpersonal braucht eine klare Perspektive. Einerseits sollen sie derzeitigen Hebammenschülerinnen bis zum Ausbildungsende betreuen, andererseits sollten sie zum Beispiel durch Vorverträge mit den Studienstandorten die Sicherheit haben, dass sie bei entsprechender Qualifizierung nahtlos an die Hochschulen wechseln können.


Zuletzt geändert am 07.08.2019