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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Rede der Präsidentin auf der Bundesdelegiertentagung des Deutschen Hebammenverbandes 2019

21.11.2019

Hier können Sie Auszüge aus der Rede der DHV-Präsidentin Ulrike Geppert-Orthofer anlässlich der Bundesdelegiertentagung (BDT) 2019 in Berlin nachlesen. Es gilt das gesprochene Wort.

Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes, auf der Bundesdelegiertentagung 2019 © Deutscher Hebammenverband, Fotograf: Hans-Christian Plambeck

Liebe Kolleginnen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

im Januar habe ich gesagt und geschrieben:

“Lasst uns das Jahr 2019 zum Jahr der Hebammen machen”.

Jetzt neigt sich das Jahr dem Ende zu und wenn ich zurück blicke kann ich sagen: „Ja. Das Jahr 2019 ist ein Jahr der Hebammen! Wir haben so viel erreicht!“

Es war ein spannendes und ein hartes Jahr für uns Hebammen. Wir hatten kaum eine Verschnaufpause. Aber all die Arbeit, all das Bangen und Hoffen und der unerlässliche Einsatz für unsere Sache haben sich gelohnt: 2019 war und ist für uns ein sehr erfolgreiches Jahr.

Zu allererst muss ich da natürlich das Hebammenreformgesetz nennen. Ihr habt es sicher alle verfolgt.

Wir haben uns bereits über den Referentenentwurf gefreut. Es war ein richtig toller Entwurf, der viele unserer Vorschläge berücksichtigte und unsere Ängste, die wir über Jahrzehnte vor der nächsten Änderung im Hebammengesetz hatten, linderte. Aber es war noch ein weiter Weg vor uns.

Der Weg bis zur Beschlussfassung im Bundestag war dementsprechend aufregend und für uns als Berufsverband extrem arbeitsintensiv. Aber eben auch erfolgreich! So viele unserer Vorschläge wurden fast 1:1 übernommen. Und das Kernstück unserer beruflichen Identität – die Hinzuziehungspflicht und die vorbehaltenen Tätigkeiten im Wochenbett – konnte gegen große Widerstände von außen aus unterschiedlichen Richtungen verteidigt werden.

Und dann dachten wir, es wäre alles gut und der Bundesrat würde dem Gesetz zustimmen. Aber zu früh gefreut – es blieb spannend bis zum Schluss.

Das muss ich jetzt einfach erzählen, denn es war ein richtiger Krimi, der sich erst am 8. November aufgelöst hat!

Während die Zustimmung der Länder zu unserem Hebammenreformgesetz trotz großer Widerstände der Kultus- oder Wissenschaftsministerien über lange Zeit gesichert schien, fing am 31. Oktober diese Gewissheit auf einmal an zu schwinden. Von allen Seiten hörten wir auf einmal, dass die Länder vorhatten den Vermittlungsausschuss anzurufen, um vom Bund mehr Geld für die neuen Studiengänge zu bekommen. Was für ein Schreck! Überlegen Sie mal, was passiert wäre, wenn unser Gesetz jetzt nicht durchgegangen wäre:

Damit, liebe Kolleginnen, wäre nicht nur eine zeitliche Verzögerung verbunden gewesen. Keiner weiß im Moment, wie lange die große Koalition noch hält. Wir sind nicht sicher, ob wir nicht bald eine neue Regierung haben. Und ein Wechsel der Regierung in einem laufenden Gesetzgebungsverfahren bedeutet, dass alles von vorne angefangen hätte. Also zurück auf null:  Neue Kontaktaufnahme mit einer neue*n Chef*in im Bundesgesundheitsministerium. Eine neue Entscheidung bezüglich der Vollakademisierung. Ein neuer Referentenentwurf. Und was dabei auf dem Spiel gestanden hätte, wissen wir alle:

Nicht nur die Bedingungen der Akademisierung hätten neu verhandelt werden müssen.

Wir hätten auch wieder sehr um den Erhalt der Hinzuziehungspflicht und die Vorbehalte im Wochenbett fürchten müssen. Und um das zu verhindern, haben wir alle – die Landesvorsitzenden, Frau Bovermann und ich – nochmal alle Register ziehen müssen.

Nach vielen internen Rücksprachen und Strategierunden habe ich als Präsidentin des DHV noch am Samstag, den 2. November alle Regierungschef*innen der Bundesländer angeschrieben. In dem Schreiben haben wir einerseits um Unterstützung für unser Gesetz geworben, aber auch unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass wir Hebammen keine weiteren Verzögerungen akzeptieren werden. Und die Gewissheit, dass das HebRefG durch den Bundesrat kommt, schwand am Montag und Dienstag immer mehr. Wir waren im ständigen Austausch mit all unseren Quellen in den verschiedenen Ministerien und unseren Landesverbänden. Es war klar – inhaltlich gaben uns alle Recht, aber die Verhandlungstaktik im Finanzgerangel zwischen Bund und Ländern war immer noch wichtiger als die Akademisierung unseres Berufes.

Also haben wir am Dienstagabend die Landesvorsitzenden aufgerufen, in den verbleibenden zwei Tagen noch einmal richtig aktiv zu werden und am Mittwoch und Donnerstag vor den verschiedenen Ministerien und Staatskanzleien Presseaktionen zu organisieren. Das wurde zwar durchaus wahrgenommen, sowohl in der Presse als auch in den Ministerien. Und doch haben wir am Mittwochabend aus ganz internen Kreisen wieder signalisiert bekommen: Das HebRefG wird in den Vermittlungsausschuss gehen.

Am Donnerstag haben wir also weiter auf allen Ebenen gerödelt. In den Bundesländern wurden von den Vorsitzenden die Ministerien, die Staatskanzleien und die Medien angerufen. In einigen Bundesländern versammelten sich Hebammen vor den Staatskanzleien. In den sozialen Medien lief unser Anliegen. Auf Bundesebene waren wir in einem regen Austausch mit den politischen Entscheidern. Ich kann Ihnen sagen – es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle!

Erst am Freitagmorgen wendete sich dann ganz langsam das Blatt auf der politischen Bühne. Erste Nachrichten kamen rein: “Es könnte doch klappen”, dann “es klappt “und “es wird im Bundesrat wohl mit einer satten Mehrheit für das Hebammenreformgesetz gestimmt”.

Liebe Kolleginnen – und genau das trat dann auch ein. Uns allen ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Den Rums muss man eigentlich in der gesamten Bundesrepublik gehört haben: Wir haben ein richtig gutes Hebammenreformgesetz! (…)

Wir werden nie mit letztendlicher Sicherheit sagen können, was genau zur Zustimmung im Bundesrat geführt hat – unser geeintes Bemühen oder schlicht ein Anflug von gesundem Menschenverstand bei den Entscheidern. Aber ich möchte Ihnen nicht vorenthalten, was mir der ehemalige Chef der AOK am Mittwoch als angebliches Geheimnis verraten hat: Nämlich, dass die Kassen und die Politiker großen Respekt vor dem Unmut der Hebammen hätten. Es wäre sehr wohl im allgemeinen Bewusstsein, dass wir Hebammen in der Lage sind, in kürzester Zeit eine große Bewegung in der Bevölkerung hervorzurufen – und dass wir das im Moment nur nicht machen, weil unser Verhältnis mit der Politik und den Kassen gerade gut sei.

Und ich kann diesen Eindruck bestätigen, liebe Kolleginnen: Wenn wir zusammenstehen, wie jetzt beim Bundesrat, dann haben wir einen ganz großen Einfluss! Dann haben wir Erfolg!

Ich möchte die Stärke unseres Zusammenhalts an einem weiteren Beispiel verdeutlichen, das das Jahr 2019 zu einem Jahr der Hebammen gemacht hat:

Die Krise in der klinischen Geburtshilfe!

Wenn wir als Berufsverband noch Anfang des Jahres aus Politik und Gesellschaft immer wieder zu hören bekommen haben, dass in den vergangen Jahren – ganz besonders mit dem Sicherstellungszuschlag für die freiberufliche Geburtshilfe – erst mal genug für die Hebammen getan sei und dass jetzt andere dran wären, so hat sich dies doch in der Zwischenzeit ganz erheblich geändert.

Es ist uns mit unserer politischen Arbeit gelungen, die Versorgungssituation in den Kliniken in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Erinnern Sie sich doch bitte an “die Eckpunkte zur Verbesserung der klinischen Geburtshilfe”, die das Bundesgesundheitsministerium am 2. Januar 2019 veröffentlicht hat. Wir waren sehr unzufrieden und empört. Waren die Vorschläge darin doch sehr vage und unbefriedigend und wenig brauchbar, um als Sofortmaßnahmen die Versorgungssituation in den Kliniken zu verbessern.

Doch das haben wir nicht auf uns sitzen lassen, sondern umgehend konkrete eigene Eckpunkte vorgelegt, wie die Politik schnell und effizient die Situation in der klinischen Geburtshilfe verbessern kann. Wir haben ein Geburtshilfe-Stärkungsgesetz gefordert!

Denn eines ist klar und das sagen wir ganz deutlich: Wenn sich in den letzten Jahren in der klinischen Geburtshilfe, wo 98 % der Kinder zur Welt kommen, die Situation nachweislich rapide verschlechtert, dann kann und darf man nicht von “genug getan” reden. Dann muss man handeln!

Das hat das BMG erst mal ein wenig in Verlegenheit gebracht, aber dann hat sich die Stimmung ganz deutlich geändert. Mittlerweile streitet niemand mehr ab, dass sich die Situation in der klinischen Geburtshilfe ganz deutlich verändern muss. Und das ist das Ergebnis unserer Arbeit, als Berufsverband, als Hebammen und gesellschaftlich aktive Menschen.

Das BMG hat dieses Jahr also ein Gutachten zur Situation in der klinischen Geburtshilfe in Auftrag geben, wie sie ja auch schon in ihren Eckpunkten angekündigt hatten. Wir haben als DHV bei allen erreichbaren Kolleginnen in den Kreißsälen geworben, an der Umfrage teilzunehmen – und viele haben das auch getan. Jede aus ihrer Sicht.

Eigentlich sollte das resultierende Gutachten in der Zwischenzeit fertig sein. Wir haben es jedoch noch nicht, was die Frage aufwirft: warum nicht? Wir deuten das so, dass die neue Umfrage die Ergebnisse aus unserer Datenerhebung von 2015 bestätigt. Und das BMG jetzt nach Lösungen sucht. Deswegen steht dies ganz oben auf unserer Agenda: die flächendeckende Verbesserung der Geburtshilfe in Deutschland: Für die Hebammen, die Frauen und die Kinder!

Je nachdem was das BMG jetzt vorschlägt, werden wir sehen, ob es bei unseren Forderungen nach einem Geburtshilfe-Stärkungsgesetz bleibt oder ob weitere Forderungen hinzukommen müssen. Wir haben dieses Jahr gemeinsam erreicht, dass unsere Probleme Gehör finden und anerkannt werden. Sie sehen, liebe Kolleginnen, 2019 ist ein Jahr der Hebammen.

Und da sind noch ganz viele weitere Erfolge, die wir gemeinsam erkämpft haben:

Beispielsweise in der Zusammenarbeit mit dem GKV-SV.

Seit einiger Zeit tagt eine Gruppe, die die Kriterien, von “Ausschlusskriterien” sprechen wir nicht mehr, für die außerklinische Geburtshilfe maßgeblich überarbeitet und sie auf evidenzbasierte Relevanz und Aktualität überprüft. Auch wenn das für uns erst einmal selbstverständlich klingt, ist es doch eine veränderte Haltung, die sich endlich auch im GKV-Spitzenverband durchgesetzt hat. Die Haltung, dass Evidenzen gelten und nicht Annahmen oder Vorurteile der Maßstab für die Kriterien und Qualitätssicherung sein können. Und darin sind wir Hebammen im DHV ja gut. Wir stellen in der Regel nur Forderungen auf, die wissenschaftlich untermauert werden können. Und damit überzeugen wir auch unsere Verhandlungspartner.

In diesem Verfahren zeigt sich auch, wie wichtig es war, in den letzten beiden Jahren eine große Aufmerksamkeit in eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den anderen beiden maßgeblichen Verbänden, dem BfHD und dem Netzwerk der Geburtshäuser zu investieren. In den Gesprächen mit dem GKV ist die “Verhandlungsführerschaft” des DHV mittlerweile uneingeschränkt anerkannt. Im Vorfeld wird eine gemeinsame Position entwickelt.

Und so konnten wir auch den GKV – Spitzenverband dazu bewegen, im zu Ende gehenden Jahr die internen Abläufe zur Erstattung des Sicherstellungszuschlags zu optimieren und weitere Personen einzustellen. Die Erstattung müsste dadurch deutlich schneller geschehen.

Ebenso werden Hebammen – aufgrund unseres hartnäckigen Insistierens – jetzt endlich beim „Digitale-Versorgungs-Gesetz“ (DVG) auch bei den Planungen zur Gesundheitskarte berücksichtigt. Wir werden also doch in die Telematik-Infrastruktur einbezogen und stehen im direkten Austausch mit der beauftragten Agentur.

Aber nicht nur Erfolge haben uns in diesem Jahr der Hebammen in Atem gehalten. So waren z. B. die freiberuflichen Kolleginnen in diesem Jahr auch von unangenehmen Veränderungen betroffen.

Da ist hauptsächlich die Ausschlussfrist zum 30.06. zu nennen. Zum ersten Mal machten die Krankenkassen von ihrem Recht Gebrauch, nach diesem Datum eingehende Rechnungen nicht zu bezahlen. Das hat nicht wenige Kolleginnen kalt erwischt, auch wenn wir als Verband auf allen Kanälen immer wieder auf die harte Ausschlussfrist verwiesen und gewarnt haben. In Einzelfällen hingen da ganze Existenzen dran.

Es erforderte viel Engagement seitens des DHVs und seiner Mitarbeiter*innen hier in jedem Einzelfall eine Lösung zu finden. Im Rechenschaftsbericht gibt es dazu natürlich noch mehr Informationen. Ich möchte aber hier betonen, dass es gelungen ist, dass fast alle Kolleginnen ihre Rechnungen bezahlt bekommen haben. Und da wären schwere Schicksale dabei gewesen, wenn das nicht gelungen wäre. Eine Situation, die für uns im Präsidium des DHVs kaum erträglich war, aber insbesondere auch die Mitgliederverwaltung und unser Referat Hebammenvergütung in Atem gehalten hat. An diesem Punkt möchte ich allen Mitarbeiter*innen im DHV danken, die sich so sehr reingehangen haben, um alle Probleme zu lösen. Das war ein Berg Arbeit, der zusätzlich zum den normalen Aufgaben bewältigt werden musste.

Aber damit war ja noch nicht genug Aufregung im Hebammenjahr 2019. Da war ja auch noch die von der Bundesregierung recht spontan beschlossene Veröffentlichung der Vertragspartnerliste. Wir haben als Verband eindringlich davor gewarnt und einen besseren Vorschlag gemacht, wie wir den Frauen die Suche nach einer Hebammenbetreuung erleichtern können. Aber leider erfolglos.

Manchmal ist es nicht schön, recht zu behalten. Alle von uns angekündigten negativen Auswirkungen für Hebammen und Frauen sind leider eingetreten. Die Frauen rufen jetzt nur noch mehr Hebammen an und bekommen natürlich Absagen, da kein Abgleich mit den freien Betreuungskapazitäten stattfindet. Und unsere Kolleginnen haben noch mehr Verwaltungsaufwand, um die Anfragen zu bearbeiten, was wiederum Zeit für die eigentliche Betreuung klaut. (…)

An diesem Beispiel sieht man sehr deutlich, was passiert, wenn der Gesetzgeber nicht auf uns hört. Das ist mehr als ärgerlich und bedeutete nicht nur für die Kolleginnen und die Frauen einen deutlich höheren Aufwand. Auch hier wurden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im DHV mit zusätzlich Aufgaben konfrontiert, die neben der regulären Arbeit erledigt werden mussten. Nur durch ihren sehr hohen Einsatz konnte sichergestellt werden, dass alle Mitglieder, egal ob neu, neu angemeldet oder auch nur mit korrigierten Angaben auf der Vertragspartnerliste, ihre Leistungen jeden Monat erstattet bekommen konnten. Das waren Aufgaben in einem Umstand, die Anfang des Jahres schlichtweg nicht vorhersehbar waren und die den DHV an den Rand seiner Leistungsfähigkeit getrieben haben.

Dafür, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in solchen Situationen so viel mehr Engagement zeigen, als erwartbar ist, möchte ich mich herzlich bei ihnen bedanken! Und eine Ergänzung noch: Dies trifft auf alle unsere Abteilungen zu. Alle sind da, wenn sie gebraucht werden und leisten hervorragende Arbeit ­– weit über das Erwartbare hinaus. Und dafür bitte ich um einen kräftigen Applaus für all die Menschen, die sich bei uns hinter den Kulissen für die alltäglichen Belange der Hebammen einsetzen!

Liebe Kolleginnen, wir hatten viel Erfolg in diesem Jahr und wir haben viel gelernt.

Wir haben erfahren, was wir alles können, wenn wir zusammenhalten und zusammen handeln.

Wir haben erfahren, was wir erreichen können, wenn wir uns von einem “Das geht nicht” eben nicht aufhalten lassen.

Wir haben erfahren, was wir erreichen können, wenn wir beharrlich, konsequent, konzentriert, werbend – und manchmal auch ein bisschen stur – unser Ziel einfach weiterverfolgen und alles daransetzen, das, was angeblich nicht geht eben doch möglich zu machen.

Ein Beispiel dafür:

Als es uns nicht gelungen ist, eine Terminservicestelle für Hebammen durchzusetzen und stattdessen die Vertragspartnerliste des GKV ohne Verknüpfung mit den zeitlichen Kapazitäten der Hebammen veröffentlicht wird, haben wir mit dem HA beschlossen eine bessere Alternative dazu zu entwickeln: nämlich eine Verwaltungsvereinfachungs- und Hebammenvermittlungs-App. Sie soll so gut werden, dass die Vertragspartnerliste ins Leere laufen wird.

Das funktioniert jetzt aber wirklich nur dann, wenn die Hebammen zusammenhalten und sich auch an dieser App beteiligen. Das ist eine große Hürde. Denn wir können leider nicht garantieren, dass ein großer Teil unserer Mitglieder unseren Empfehlungen folgt. Auch wenn wir natürlich kräftig werben werden, denn von unserer App werden sowohl die Frauen als auch Kolleginnen einen deutlichen Vorteil haben. Wir sind sehr gespannt, ob wir es schaffen, einige der automatischen Vorurteile unserer Mitglieder zu überwinden. Uns ist ja auch bewusst, dass nicht alle immer die Vorteile sehen, die unsere Arbeit und unsere Ideen für die einzelne Hebamme bringen. Aber das ist wichtig. Deswegen meine Bitte: Werben Sie für die Teilnahme an dieser App. Wir können das schaffen. Wir können die Kolleginnen von unnötigen Verwaltungskram entlasten – aber nur: wenn viele unserer Mitglieder mitziehen.

Wir können im Moment leider nicht garantieren, dass ein großer Teil unserer Mitglieder unseren Empfehlungen folgt. Und das schmerzt mich sehr.

Seit Jahrzehnten kämpft der DHV erfolgreich für die Belange der Hebammen.

Und ich möchte es hier auch noch einmal betonen:  Es ist unser aller DHV. Und unser DHV ist viel mehr als nur die Summe seiner Teile. Unabhängig von den Serviceleistungen und der politischen Vertretung und der Haftpflichtversicherung, die der DHV für seine Mitglieder übernimmt, ist es etwas wert im DHV Mitglied zu sein. Es ist viel wert, zu dieser starken Gemeinschaft der Hebammen zu gehören. Eine Gemeinschaft, die uns Stärke und Rückhalt gibt! Wir haben es dieses Jahr immer wieder erleben dürfen. Nur zusammen sind wir richtig stark!

Dieses Bewusstsein möchte ich unter den Hebammen stärken. Und ich finde, dass wir auch hier auf einem guten Weg sind.

Erinnern Sie sich mit mir an die letzte BDT und unser Ringen um den Verschmelzungsprozess. Ganz deutlich waren der Frust und die Ratlosigkeit zu spüren, wie wir denn nach dem Scheitern des Länderquorums weitermachen sollten. Es war auch etwas chaotisch und ich habe im Nachgang zur BDT viele Rückmeldungen erhalten: Der letzte TOP wurde als nicht zielführend bewertet. Und das war er ja irgendwie auch nicht. Trotz einer eigentlich sehr guten Tagung gingen viele Delegierte wohl enttäuscht von der BDT nach Hause. Das tut mir natürlich sehr leid. Und dafür möchte ich mich auch entschuldigen.

Ich persönlich war nicht enttäuscht und nicht frustriert, denn ich habe diesen Tagesordnungspunkt ganz anders erlebt.

Ich war während dessen natürlich auch ratlos. Wir haben uns noch einmal beraten und wir haben alle nach einer Lösung gesucht. Präsidium, Delegierte und Landesvorsitzende. Zusammen.

In dieser Gemengelage unterschiedlicher Gefühle und unterschiedlicher Bedürfnisse die aufgeladene Situation zu retten, war nur möglich, weil wir alle es wollten. Die Delegierten, die Landesvorsitzenden, das Präsidium und auch ich. Wir haben uns alle für einen positiven Abschluss der BDT eingesetzt und dafür, dass wir über den Verschmelzungsprozess hinaus die Rahmenbedingungen für unsere Zusammenarbeit verbessern können. Wir haben uns zusammengerauft.

Und diese etwas chaotische Dynamik, diese Gewissheit markiert für mich einen Aufbruch des DHVs in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Diese große Bereitschaft bei allen Delegierten zu spüren hat bei mir ein Gefühl großer Zuversicht hinterlassen. Wir schaffen das!

Und ich habe mitgenommen, dass wir gemeinsam den DHV weiterentwickeln werden. Und zwar nicht im Rahmen groß angelegter Projekte, sondern im Rahmen unserer täglichen Zusammenarbeit. Und da sind wir mitten drin.

Die gemeinsame Arbeit mit den Präsidiumsmitgliedern, mit den Landesverbänden und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Geschäftsstellen ist sehr fruchtbar und befriedigend und macht eine große Freude. Das bestätigen mir auch die Teilnehmerinnen unterschiedlicher Arbeits-, Expertinnen- und Projektgruppen immer wieder. (…)

Liebe Kolleginnen,

in diesem Jahr haben wir erlebt, wie Hebammengeschichte geschrieben wird. Mehr noch. Wir haben diese Geschichte mitgeschrieben. Sowohl im DHV als auch außerhalb.
Das HebRefG, unsere weiteren Erfolge und auch unsere entschiedene Haltung, auf Hürden, Erschwernisse und Niederlagen mit einem “Jetzt erst recht” zu reagieren, wird sich nicht nur die Hebammenausbildung, sondern auch die Hebammenarbeit und die Geburtshilfe in Deutschland mit der Zeit deutlich zum Besseren verändern.

Und deswegen werden wir im nächsten Jahr mit derselben Tatkraft und Entschlossenheit weitermachen:

Wir werden tatkräftig eine Verbesserung der Versorgungssituation in der klinischen Geburtshilfe und somit auch der Arbeitsbedingungen angestellter Kolleginnen fordern.

Wir werden den Übergang der Hebammenausbildung an Hochschulen weiterhin beobachten, begleiten und mitgestalten.

Wir werden die Digitalisierung im Gesundheitswesen für die Hebammen aktiv mitgestalten. Die bereits erwähnte Hebammen-Verwaltungsvereinfachungs- und –vermittlungs-App ist dabei nur eine unserer Möglichkeit. Andere werden die elektronische Patientenakte und der elektronische Mutterpass sein.

Wir werden mit dem Zukunftsforum Geburtshilfe eine aktive Rolle in der Gestaltung der Geburtshilflichen Versorgung in Deutschland einnehmen. Wir sind der Meinung, dass uns Hebammen in der Versorgung der Frauen und Kinder in der Phase des Kinderkriegens eine besondere Bedeutung zukommt. Nicht nur eine besondere Bedeutung, sondern auch eine besondere Verantwortung.

Deswegen initiieren wir eine gesellschaftliche Debatte und werden gemeinsam mit anderen Expert*innen in der Geburtshilfe und im Gesundheitswesen eine Vision entwickeln und gemeinsame Forderungen entwickeln. Dazu laden wir breit ein – wir schließen uns zusammen mit anderen Institutionen, Organisationen und Eltern, die ebenfalls eine Humanisierung der Geburtshilfe wollen. Und wir lassen uns von anderen, die nach wie vor die Hebammenschaft lieber klein halten wollen, nicht aufhalten. Wir warten nicht darauf, dass man für uns etwas ändern möchte und irgendwann den Platz und die Bedeutung anerkennt, die wir haben. Wir nehmen uns diesen Platz und wir stellen uns unserer Verantwortung als Berufsgruppe!

Ja, liebe Kolleginnen, an dieses Jahr der Hebammen 2019 schließt sich in 2020 nahtlos das von der WHO ausgerufene Internationale Jahr der Pflege und der Hebammen an.

Ein Zukunftsdialog, der uns das ganze Jahr begleiten wird, ist ein sehr gutes Projekt in diesem Jahr. Oder umgekehrt: Das internationale Jahr der Hebammen ist ein gutes Jahr für den Zukunftsdialog und für das Anstoßen der gesellschaftlichen Debatte, die notwendig ist, um die Geburtshilfe in die Mitte der Gesellschaft zu stellen.

Darüber hinaus bietet das Internationale Jahr der Hebammen ausreichend Anlass weitere politische Forderungen zu stellen. Und das werden wir tun – kompetent, beharrlich, ein wenig stur und immer auch mit der Begeisterung, die unser Beruf verdient. Denn Hebamme ist und bleibt der schönste Beruf der Welt. Damit habe ich im letzten Jahr meine Rede beendet, und auch dieses Jahr ist es eine unumstößliche Wahrheit für mich. Das Jahr wird wieder spannend. Freuen Sie sich gemeinsam mit uns darauf und lassen Sie uns auf unserer BDT eine gute Grundlage für die Arbeit als und für Hebammen legen. Gemeinsam werden wir viel erreichen!

Vielen Dank!


Zuletzt geändert am 07.08.2019