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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Kein Einzelfall: Kliniken bezahlen unter Tarif

In Stade hat die Hälfte aller Hebammen gekündigt

Neun von 18 Hebammen am niedersächsischen Klinikum Stade haben gekündigt. Die Gründe hierfür sind unter anderem fehlende Wertschätzung und ein Gehalt unterhalb des von ver.di ausgehandelten tariflichen Mindestlohns. Laut NDR 1 Niedersachsen bestätigte die Klinik Stade den untertariflichen Lohn und teilte mit, dies treffe auch für andere Berufsgruppen am Standort zu. Generell können Kliniken eigene Tarifverträge geltend machen.

„Gesundheitsberufe sind systemrelevant und eine der tragenden Säulen der Gesellschaft“, sagt Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes e. V. (DHV). „Das zeigt sich jetzt während der Corona-Pandemie deutlicher denn je. Wer aber denkt, dass ein Dankeschön oder die Bezeichnung als Helden für die vielen Menschen der Gesundheitsbranche genügt, der irrt. Die Betreuungsschlüssel in den Kliniken, die Bezahlung gesellschaftlich wichtiger Berufsgruppen, eigentlich das gesamte Gesundheitssystem gehört auf den Prüfstand. Wenn nicht jetzt nach den aktuellen Erfahrungen, wann dann?“

Seit Jahren verschärft sich Jahr für Jahr das Problem des Hebammenmangels, auch in Kliniken. Kreißsäle schließen ihre Türen, einige für immer, manche zeitweise aus Personalmangel. Schwangere werden in andere Kliniken weiterverwiesen, weil Hebammen fehlen. Und immer wieder: Freie Hebammenstellen können nicht besetzt werden. Dabei erwartet ein Großteil der Kliniken in den kommenden Jahren einen erhöhten Hebammenbedarf.

„Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, was an einigen Kliniken wie in Stade oder in anderen Kliniken, die untertariflich zahlen, geschieht“, sagt DHV-Präsidiumsmitglied Andrea Ramsell. „Anstatt Personal zu frustrieren und Kündigungen in Kauf zu nehmen, sollte die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Bindung an die Kliniken in den Chefetagen Priorität haben.“ Für den Berufszweig der Hebammen wäre dies nicht einmal so schwer. Erst letzten Januar hat das iGES-Gutachten des Bundesministeriums für Gesundheit zur stationären Hebammenversorgung festgestellt: Mehr Personal und eine angemessene Bezahlung von Hebammen würden den Kreißsaal als Arbeitsplatz wieder attraktiv machen und damit die Versorgungssituation in Deutschland merklich verbessern.

Zuletzt geändert am 07.08.2019