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In Deutschland sind zu wenige freiberufliche Hebammen tätig

15.01.2016

Hebammenverband kritisiert falsche Daten des GKV-Spitzenverbands

Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) wertet die heute veröffentlichten Daten des GKV-Spitzenverbands zu freiberuflichen Hebammen in Deutschland als widersprüchlich und nicht aussagekräftig. Der Spitzenverband führt in seiner Statistik alle freiberuflichen Hebammen auf, die eine sogenannte IK-Nummer beantragt haben, also grundsätzlich eine Leistung abrechnen könnten. Das seien rund 5000 Hebammen, an anderer Stelle spricht er von rund 3000 geburtshilflich tätigen Hebammen.

Insbesondere die Zahl aus der sogenannten IK-Liste aber sagt nichts darüber aus, wie viele Hebammen tatsächlich geburtshilflich tätig sind. Eine genauere Schätzung bietet die Anzahl der versicherten Hebammen, da diese Voraussetzung für die Berufsausübung ist. Die Daten des DHV weisen aktuell 2.411 freiberufliche Hebammen, die Geburtshilfe leisten, aus. Beide Schätzungen geben keinen Aufschluss über die tatsächliche Versorgungslage der Frauen. Denn auch die absolute Hebammenzahl gibt keine Auskunft über den tatsächlichen Umfang ihrer Hebammenleistungen.

„Wir beobachten seit Jahren mit Sorge, dass immer mehr Frauen keine Hebamme mehr finden für die Begleitung ihrer Geburten, aber auch für Vorsorge und Wochenbett. Insbesondere die freiberufliche Geburtshilfe haben bereits viele Hebammen aufgegeben“, so Katharina Jeschke, Präsidiumsmitglied und Verhandlungsführerin des Hebammenverbands. Freiberufliche Hebammen begleiten Frauen bei Hausgeburten, Geburten im Geburtshaus, aber auch bei einem Fünftel der deutschlandweiten Geburten in Kliniken.

Es gibt aus unserer Sicht keine steigende Anzahl freiberuflicher Hebammen. Der GKV-SV selbst nennt unterschiedliche Zahlen. Der Rückgang bei Hebammen, die freiberuflich Geburtshilfe anbieten, ist auch in den ständig steigenden Haftpflichtprämien und der seit Jahren anhaltenden Unsicherheit um die gesetzliche Entwicklung begründet. Aktuell liegt die jährliche Prämie bei 6.274 Euro für die Geburtshilfe.

Ein Sicherstellungszuschlag sollte die Prämienhöhe abfedern. Die Konditionen für die Beantragung sind von GKV-Spitzenverband jedoch aktuell so gestaltet worden, dass zahlreiche Hebammen diesen Ausgleich nicht beantragen können. Besonders problematisch sind die Regelungen für in der Hausgeburtshilfe tätige Hebammen. Aufgrund der ebenfalls eingeführten wissenschaftlich nicht begründbaren Ausschlusskriterien können diese kaum noch Geburten planen und dann auch keinen Ausgleich für ihre Haftpflichtversicherung beantragen, wenn sie die vierteljährliche Mindestmenge nicht erbringen.

„Der GKV-SV behauptet, er könne zwischen 3270 Euro und 6540 Euro als Sicherstellungszuschlag auszahlen. Für uns ist nicht nachvollziehbar, was er mit dieser Summe sagen möchte. Im Vertrag festgelegt sind in jedem Fall Abzüge vom tatsächlich von der Hebamme gezahlten Haftpflichtbeitrag. Im besten Fall bleibt die Hebamme immer mindestens auf 1953 Euro pro Jahr sitzen, die sie niemals ausgeglichen bekommt. Deshalb klagt der DHV gegen das System des Sicherstellungszuschlags, den die Schiedsstelle auf Antrag des GKV-SV festgesetzt hat.

Zusätzlich sollen DHV-Mitgliedshebammen 250 Euro abgezogen werden, weil bestimmte Vertragsunterlagen nicht vorliegen. Auch die notwendigen Vertragsunterlagen, die die Hebamme einreichen muss, sind Teil der gerichtlichen Klärung. Damit kurzfristig Rechtssicherheit für die Hebammen entsteht, hat der DHV den Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz gestellt.

Das Eilverfahren soll Hebammen schnell zu ihrem gesetzlichen Anspruch auf Haftpflichtausgleich verhelfen. Damit soll auch der 250 Euro Abzug verhindert werden. Der GKV-SV drängt darauf Fakten zu schaffen, die dem gesetzlichen Willen und dem Bedarf der Hebammen widersprechen. Das Eilverfahren soll genau dies verhindern“, sagt Katharina Jeschke.

Informationen zum Verdienst der Hebammen

Kontakt und weitere Informationen:
Deutscher Hebammenverband e. V.
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Telefon: 030/89390802
E-Mail: presse(at)hebammenverband.de

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Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) ist der größte Hebammenberufsverband in Deutschland und setzt sich aus 16 Landesverbänden mit über 19.000 Mitgliedern zusammen. Er vertritt die Interessen aller Hebammen. Im DHV sind angestellte und freiberufliche Hebammen, Lehrerinnen für Hebammenwesen, Hebammenwissenschaftlerinnen, Familienhebammen, hebammengeleitete Einrichtungen sowie Hebammenschülerinnen und Studierende vertreten. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist eine gute medizinische und soziale Betreuung der Frauen und ihrer Kinder vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit ein zentrales Anliegen des Verbandes. Als Mitglied in der European Midwives Association (EMA), im Network of European Midwifery Regulators (NEMIR) und in der International Confederation of Midwives (ICM) setzt er sich auch auf europäischer und internationaler Ebene für die Stärkung der Hebammenarbeit sowie die Gesundheit von Frauen und ihren Familien ein.


Zuletzt geändert am 18.10.2019