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Neuer Hebammenstudiengang ohne Hebammen

08.01.2018

Hebammenverband kritisiert Universität Tübingen

Der Deutsche Hebammenverband e. V. (DHV) kritisiert zusammen mit dem Hebammen Verband Baden-Württemberg e. V. die Universität Tübingen bei der aktuellen Neugründung des Hebammenstudiengangs. Die Universität vergab die Studiengangkoordination fachfremd an einen Geschichtswissenschaftler und möchte nun die leitende W3-Professur ausschließlich mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe besetzen. Die Eigenständigkeit des Hebammenberufes wird damit nicht berücksichtigt. Ohne wissenschaftlich qualifizierte Hebammen kann der Aufbau eines Studiengangs für Hebammen nach Einschätzung des Hebammenverbands nicht erfolgreich sein. Fraglich ist, ob die Universität Tübingen mit diesem Vorgehen noch aus dem Hochschulausbauprogramm für die Akademisierung der Gesundheitsberufe gefördert werden kann.

„Die Besetzung der Leitung eines Studiengangs mit einer fachfremden Person ist einmalig und bei anderen Berufen so nicht vorstellbar“, kritisiert Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e. V. die Universität Tübingen. „Die Hebammenwissenschaften und die Akademisierung des Berufs müssen vorangebracht werden. In Tübingen wird ein falsches Signal gesetzt“. Die Vergabe von leitenden Stellen an andere Professionen dürfe auf keinen Fall Praxis bei weiteren Neugründungen von Hebammenstudiengängen sein. Jutta Eichenauer, erste Vorsitzende des Hebammen Verbandes Baden-Württemberg, ergänzt: „Wir fragen uns, wie aktuell ein qualifizierter Abschluss für Hebammen in Tübingen sichergestellt werden kann.“

Die Akademisierung des Hebammenberufs muss in Deutschland laut einer EU-Richtlinie bis 2020 erfolgen. Deutschland ist eines der letzten Länder in der EU, in dem Hebammen noch nicht vollständig an der Hochschule ausgebildet werden. Auch in Deutschland muss der Beruf jetzt vergleichbar wie in anderen europäischen Ländern gestaltet werden.

Der Tübinger Studiengang wird im Rahmen des Hochschulausbauprogramms „Akademisierung der Gesundheitsberufe“ gefördert. Der Wissenschaftsrat verweist dabei insbesondere auf bisher fehlende wissenschaftliche Karrierewege bei Pflege- und Therapieberufen und der Geburtshilfe. Neue Studiengänge sollen deshalb mehr Stellen für wissenschaftliches Personal mit berufspraktischem Hintergrund einrichten. In Tübingen ist dies derzeit nicht gegeben.

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Kontakt und weitere Informationen:
Hebammen Verband Baden-Württemberg e. V.
Jutta Eichenauer, Erste Vorsitzende
Telefon: 07191/9338394
E-Mail: 1.vorsitzende@hebammen-bw.de

Deutscher Hebammenverband e. V.
Pressestelle
Telefon: 030/3940 677 30
E-Mail: presse@hebammenverband.de

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Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) ist der größte Hebammenberufsverband in Deutschland und setzt sich aus 16 Landesverbänden mit über 20.000 Mitgliedern zusammen. Er vertritt die Interessen aller Hebammen. Im DHV sind angestellte und freiberufliche Hebammen, Lehrerinnen für Hebammenwesen, Hebammenwissenschaftlerinnen, Hebammen in den frühen Hilfen, hebammengeleitete Einrichtungen sowie Hebammenschülerinnen und Studierende vertreten. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist eine gute medizinische und soziale Betreuung der Frauen und ihrer Kinder vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit ein zentrales Anliegen des Verbandes. Als Mitglied in der European Midwives Association (EMA), im Network of European Midwifery Regulators (NEMIR) und in der International Confederation of Midwives (ICM) setzt er sich auch auf europäischer und internationaler Ebene für die Stärkung der Hebammenarbeit sowie die Gesundheit von Frauen und ihren Familien ein.



Zuletzt geändert am 18.10.2019