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Arbeitsbedingungen in deutschen Kreißsälen gefährden Qualität bei Betreuung von Geburten

01.02.2016

Deutscher Hebammenverband warnt vor Auswirkungen von Personalengpässen

Foto: pitopia / Bernd Ege

In Deutschlands Kreißsälen betreuen 95 Prozent der Hebammen bereits häufig zwei und oft sogar noch mehr Frauen gleichzeitig während der Geburt. Fast zwei Drittel der Hebammen müssen aufgrund von Personalengpässen regelmäßig Vertretungen übernehmen. Sie können Pausen nicht einhalten und leisten immer mehr Überstunden. Die Situation der Geburtshilfe in Kliniken ist in Deutschland seit Jahren angespannt. Freie Stellen werden nicht mehr besetzt und monatlich schließen Kreißsäle ganz oder teilweise ihre Türen. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) hat eine repräsentative Umfrage von rund 1.700 Hebammen in Kliniken beauftragt, die eine deutliche Verschlechterung von Arbeitsbedingungen in den vergangenen drei Jahren aufzeigt. Der DHV befürchtet, dass sich die Qualität in der Geburtshilfe in den Kliniken verschlechtert, sollte hier nicht bald Abhilfe beispielsweise durch mehr Personal geschaffen werden.

„Qualität und Sicherheit in der Geburtshilfe ist nur mit ausreichend Personal möglich. Unsere Umfrage  zeigt jedoch: Hebammen arbeiten in den Kreißsälen aktuell unter immer schlechteren Arbeitsbedingungen, vor allem weil Personal fehlt“, stellt Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e. V. fest. „Eine gute Betreuung von Schwangeren ist nur noch durch den hohen persönlichen Einsatz jeder einzelnen Hebamme möglich. Das wird zukünftig nicht mehr tragen. Hebammen arbeiten zunehmend Teilzeit und überlegen, ihren Arbeitsplatz zu wechseln“, ergänzt Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied im DHV und selbst jahrelang als Hebamme in Kliniken tätig. 

Der Deutsche Hebammenverband fordert, dass künftig mehr Hebammen in den Kreißsälen eingesetzt werden. Finanziert werden könnte dies beispielsweise aus Mitteln des Krankenhausstrukturgesetzes. Hebammen müssen dort außerdem die Tätigkeit ausführen können, für die sie ausgebildet wurden – Geburten sicher begleiten – und nicht zunehmend Nebentätigkeiten. Für ihre verantwortungsvolle Arbeit sollten sie zudem angemessen verdienen.

Im November 2015 hat das unabhängige Picker-Institut im Auftrag des DHV insgesamt 1.692 angestellte Hebammen zu Ihrer Arbeitssituation in Kliniken in Deutschland befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Rahmenbedingungen in den Kliniken verschlechtern. Besonders dramatisch ist, dass kaum noch eine Hebamme Zeit hat, eine Frau während der gesamten Geburt ungestört zu betreuen. Die Hälfte der Befragten betreut häufig drei Frauen parallel, weitere zwanzig Prozent sogar vier und mehr Frauen parallel. Etwa 90 Prozent der Hebammen leisten Überstunden und können keine Pausen nehmen. Zwei Drittel der Hebammen gab an, dass sie häufig Aufgaben außerhalb ihrer eigentlichen Tätigkeit erledigen müssen wie Putzen oder Administration. Die Teilzeitquote bei Hebammen liegt bereits bei über 70 Prozent.

Downloads

Pressemitteilung Hebammenverband: Arbeitsbedingungen in Kliniken verschlechtern sich

Ergebnisse der repräsentativen Umfrage unter Hebammen in Kliniken

Interview mit Präsidiumsmitglied Susanne Steppat

 

Kontakt und weitere Informationen:

Deutscher Hebammenverband e. V.
Nina Martin

Leiterin Kommunikation und Pressearbeit
Telefon: 0152/34210151
E-Mail: presse(at)hebammenverband.de

 

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Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) ist der größte Hebammenberufsverband in Deutschland und setzt sich aus 16 Landesverbänden mit über 19.000 Mitgliedern zusammen. Er vertritt die Interessen aller Hebammen. Im DHV sind angestellte und freiberufliche Hebammen, Lehrerinnen für Hebammenwesen, Hebammenwissenschaftlerinnen, Familienhebammen, hebammengeleitete Einrichtungen sowie Hebammenschülerinnen und Studierende vertreten. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist eine gute medizinische und soziale Betreuung der Frauen und ihrer Kinder vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit ein zentrales Anliegen des Verbandes. Als Mitglied in der European Midwives Association (EMA), im Network of European Midwifery Regulators (NEMIR) und in der International Confederation of Midwives (ICM) setzt er sich auch auf europäischer und internationaler Ebene für die Stärkung der Hebammenarbeit sowie die Gesundheit von Frauen und ihren Familien ein.


Zuletzt geändert am 16.11.2016