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Immaterielles Kulturerbe: Hebammenwesen wird für internationale UNESCO-Liste nominiert

Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbandes (Foto: DHV)

Die deutsche UNESCO-Kommission hat die Nominierung des Hebammenwesens als Immaterielles Kulturerbe für die internationale UNESCO-Liste beschlossen. Damit will das Expertenkomitee unter anderem auf die „sehr wertvollen Kompetenzen der Hebammen“ aufmerksam machen.

Die Entscheidung hat die UNESCO-Kommission am vergangenen Freitag verkündet. Eingereicht wird der deutsche Vorschlag offiziell im März 2019. Ob eine Aufnahme erfolgt, wird sich Ende 2020 entscheiden.

„Sehr wertvolle Kompetenzen der Hebammen
„Etwa 20.000 Hebammen in ganz Deutschland leisten jeden Tag sehr wertvolle Arbeit. Ihr Wissen und ihre weitreichenden Fähigkeiten sind essenziell für Geburten hierzulande, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt“, so Prof. Dr. Christoph Wulf, Vorsitzender des Expertenkomitees Immaterielles Kulturerbe. Allerdings führten heute in Deutschland Überlastung und hohe Haftungsrisiken zu oft schwierigen Arbeitsbedingungen für Hebammen. „Mit der Nominierung dieser Kulturform für die internationale UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes wollen wir einmal mehr auf die sehr wertvollen Kompetenzen der Hebammen sowie auf die Notwendigkeit der Erhaltung und Weitergabe ihres Wissens und Könnens aufmerksam machen.“

Der Deutsche Hebammenverband e. V. (DHV) begrüßt die Nominierung. „Unser Beruf zählt zu den ältesten der Welt“, so Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des DHV. „Die Nominierung macht die historische Wertschätzung deutlich, unterstreicht aber auch den aktuellen, hohen Stellenwert des Hebammenwesens in unserer Gesellschaft. Gerade bei den derzeitigen Herausforderungen kann man gar nicht genug betonen, wie wichtig der Hebammenberuf auch heute noch ist. Jetzt hoffen wir natürlich auf die Aufnahme in die internationale UNESCO-Liste.“

Hebammen arbeiten sowohl mit seit Jahrtausenden weitergegebenem Erfahrungswissen als auch neuesten medizinischen Erkenntnissen. Damit stehen sie überall auf der Welt Frauen bei der Geburt zur Seite. Tempelmalereien von der Drillingsgeburt der Pharaonenkinder des ägyptischen Sonnengottes Re gehören zu den ältesten Zeugnissen der Hebammenkunst. 2016 wurde das Hebammenwesen bereits in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen.

Was ist Immaterielles Kulturerbe?
Anders als die UNESCO-Welterbestätten wie etwa der Kölner Dom ist Immaterielles Kulturerbe nicht materiell, nicht greif- oder anfassbar. „Immaterielles Kulturerbe wird entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen", so die UNESCO. Eine kulturelle Ausdrucksform sei nicht "dinglich" wie Baudenkmäler, Kultur- oder Naturlandschaften. „Sie ist trotzdem wichtiger Teil unseres kulturellen Erbes. Immaterielles Kulturerbe ist eine lebendige Form unseres Erbes, das ständig neu geschaffen wird und neu entsteht, wenn Praktiken und Traditionen veränderten Umständen und Zeiten angepasst werden." Menschen, meist kollektiv innerhalb von Gemeinschaften oder Gruppen, spielten dabei die Schlüsselrolle.

Weitere Informationen:
Sieben Neuaufnahmen in Deutschlands Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes
Immaterielles Kulturerbe
Hebammenwesen in Bundesweites Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen

Zuletzt geändert am 22.03.2018