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Aktuelles

Keine Gewalt in der Geburtshilfe

25.11.2019

Hebammenverband fordert Null-Toleranz-Grenze

Rede der Präsidentin auf der Bundesdelegiertentagung des Deutschen Hebammenverbandes 2019

21.11.2019

Hier können Sie Auszüge aus der Rede der DHV-Präsidentin Ulrike Geppert-Orthofer anlässlich der...

Geburtshilfe neu denken

20.11.2019

Hebammenverband fordert frauenzentrierte Betreuung

Akademisierung

Die Akademisierung der Hebammenausbildung

Stichtag 18. Januar 2020 – der Countdown läuft

In allen EU-Mitgliedsstaaten außer in Deutschland findet die Hebammenausbildung an Hochschulen statt. Im Oktober 2018 gab das Bundesgesundheitsministerium bekannt, künftig das duale Studium für Hebammen einzuführen. Dazu wurde im März 2019 der entsprechende Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums veröffentlicht. Seitdem ist klar: Es wird eine vollständige Akademisierung des Hebammenberufs in Form eines dualen Studiums geben. Hier finden Sie den Gesetzentwurf der Bundesregierung (Mai 2019). Der Deutsche Hebammenverband begrüßt den Gesetzentwurf. Auch der Referententwurf einer Hebammen-Studien- und Prüfungsverordnung (HebStPrV) liegt mittlerweile vor. Diese Verordnung ist ganz wesentlich für die Frage, wie die Studiengänge konkret aussehen werden. Unsere Stellungnahme zum HebStPrV-Entwurf und eine Darlegung der Kompetenzen von Hebammen können Sie im Bereich Stellungnahmen aufrufen.

Nun steht auch in Deutschland eine Reform der Berufsausbildung zur Hebamme an – zwei Gründe machten diese Entwicklung unumgänglich.

Zum einen erfordert eine EU-Richtlinie für alle Mitgliedstaaten die Überführung der Hebammenausbildung an die Hochschulen bis 18. Januar 2020. Deutschland ist, gemeinsam mit drei kleinen anderen Ländern Europas, das Schlusslicht bei der Überführung der Ausbildung auf hochschulisches Niveau. Dies hat bereits Folgen für diejenigen Hebammen, die sich im europäischen Ausland bewerben: Denn obwohl eine Richtlinie die automatische Anerkennung innerhalb der Länder der EU festschreibt, wird Hebammen mit deutschem Abschluss häufig mit Hinweis auf die niedrigere Qualifikation nur ein Arbeitsplatz auf einem niedrigeren Qualifikationsniveau angeboten. Die Chancengleichheit auf dem innereuropäischen Arbeitsmarkt wird erst wieder hergestellt sein, wenn die Ausbildung in Deutschland der EU-Vorgabe folgt.

Ein zweiter wichtiger Grund liegt in der Berufsausübung selbst. Denn der Hebammenberuf hat sich weiterentwickelt und wird dies auch in der Zukunft weiter tun. Dies muss sich inhaltlich auch in der Ausbildung widerspiegeln. Hebammen arbeiten sehr selbständig und unabhängig – ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Gesundheitssystem. Sie müssen über umfassende Kenntnisse und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse verfügen, komplexe physiologische und psychische Prozesse begleiten und einer großen Verantwortung gerecht werden. Hebammen arbeiten bereits heute auf einem akademisierten Niveau.

Die Akademisierung bietet Hebammen darüber hinaus neue Perspektiven. Beispielsweise werden die Studierenden inhaltlich mehr lernen als an den heutigen Berufsschulen. Dies wird konkret auf die tägliche Arbeit und die Aufgabenverteilung im Kreißsaal Folgen haben. Durch die Übernahme neuer Aufgaben ist zudem eine Höhergruppierung von Hebammen möglich. Auch im freiberuflichen Bereich können der flächendeckend höhere Abschluss von Hebammen sowie die Übernahme zusätzlicher Aufgaben zu einer neuen Aufgabenverteilung zwischen Arztinnen, Ärzten und Hebammen führen.

Ebenso hat die Akademisierung direkte Auswirkungen auf die persönliche Berufsplanung. Während bisher lediglich Fort- und Weiterbildungen oder die Aufnahme eines Bachelorstudiums zur Auswahl stehen, bedeutet der künftige Bachelorabschluss den Einstieg in die weitere Karriereplanung. Aufbauende Masterstudiengänge bieten ein breites Feld für weitere Qualifizierungen und ermöglichen, den Beruf spezifischer in eine gewünschte Richtung zu lenken.

Der Deutsche Hebammenverband fordert die zügige Umsetzung der EU-Richtlinie. Eine Teilakademisierung der Berufsausbildung zur Hebamme, die ein gestuftes Bildungssystem zur Folge hätte, ist für den Berufsstand nicht sinnvoll und kann sich schädlich auswirken. Da die Überführung der Ausbildung an die Hochschulen bis zum Stichtag 18. Januar 2020 noch nicht vollständig vollzogen sein wird, muss ein möglichst kurzfristiger Übergangszeitraum eingeplant werden. Denn solange Deutschland die EU-Richtlinie nicht erfüllt, sind Hebammen aus Deutschland innerhalb der EU benachteiligt. Eine kurze Übergangzeit soll zudem verhindern, dass sich über lange Zeiträume unterschiedliche Lohnniveaus oder Tätigkeitsbereiche herausbilden. Nach Auffassung des DHV sollte der bestehende Ausbildungsfonds für die die Kosten der praktischen Ausbildung bei den Hebammen erhalten bleiben und dabei auch die Ausbildungskosten im ambulanten Bereich einbezogen werden. Da die Bundesländer für die Finanzierung der Hochschulen verantwortlich sind, müssen diese in jedem Fall die Kosten der Ausbildungsstätte tragen.

Unsere Fragen und Antworten geben Ihnen einen ersten Überblick unter anderem über rechtliche Grundlagen, die Bedeutung eines dualen praxisintegrierenden Studiums und über die Position des DHV zur Finanzierung der Ausbildung an Hochschulen. Auf dieser Seite finden Sie zudem ausführliche Hintergrundinformationen zur Akademisierung. Außerdem zeigt Ihnen eine Europakarte den aktuellen Stand der Akademisierung in den EU-Mitgliedstaaten.

Die positiven Auswirkungen der Akademisierung des Hebammenberufes für die betreuten Frauen und Familien, die Geburtshilfe und das Gesundheitswesen wurden von Prof. Lesley Page in ihrer Rede anlässlich des Parlamentarischen Abends des DHV im Mai 2018 am Beispiel der Entwicklung in UK sehr anschaulich beschrieben. Die Rede können Sie hier nachlesen.

Fragen und Antworten zur Akademisierung der Hebammenausbildung

Fragen und Antworten: Die Akademisierung der Hebammenausbildung (Stand: Oktober 2018)

Zuletzt geändert am 05.11.2019