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Familienhebammentätigkeit

P5: 5. Mai, 13.45-14.30

Elke Mattern, M.Sc., Hebamme, Gesundheits- und Pflegewissenschafterin, Hochschule für Gesundheit in Bochum

Hintergrund: Im Rahmen der Bundesinitiative "Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Zusammenhang mit dem Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG, 2011) werden ab 2012 die Netzwerke Frühe Hilfen vom Bund finanziell gefördert. In der Verwaltungsvereinbarung der Länder (2012) zu dieser Initiative gemäß § 3 Absatz 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG) wird eine intensive Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen und Dienste in lokalen Netzwerken unter Einbindung von Familienhebammen gefordert.

Um sich als präventives Angebot zur Verbesserung kindlicher Entwicklungschancen eigenständig etablieren zu können, fehlte den Familienhebammen zur Zeit der Erarbeitung der vorliegenden Masterarbeit eine Beschreibung ihrer Tätigkeit und deren rechtliche Grundlage. In einzelnen Bundesländern waren bis dahin unterschiedliche Modellprojekte unter Beteiligung von Familienhebammen initiiert und evaluiert worden (Renner; Heimeshoff, 2010).

Zur Berücksichtigung auch der psychosozialen Aspekte der Familienhebammentätigkeit wurde das systemorientierte Adaptionsmodell (Roy; Andrews, 1999) zu Grunde gelegt, das zur Systematisierung die Domänen Physiologische Bedürfnisse, Selbstverständnis der Person oder Familie, Rollenfunktion und Wechselseitige Abhängigkeit vorschlägt. Zielorientiertes Handeln sollte zudem den beruflichen Rollen einer Hebamme zugeordnet werden, die die Koninklijk Nederlandse Organisatie voor Verloskundigen (Königlich Niederländische Organisation der Geburtskundigen) (KNOV) (2006) vorgeschlagen hat zur Verdeutlichung der Hebammen-Kompetenzen.

Bei der Umsetzung der Bundesinitiative wird den Familienhebammen eine Dokumentationsvorlage zur Verfügung gestellt. Die Formulierung von Zielen für zielorientiertes Handeln als Intervention zur Verbesserung elterlicher Kompetenz soll die Familienhebammentätigkeit darstellen, damit eine bundesweite Datenerhebung möglich wird.

Forschungsfrage: Die Masterarbeit ging der Frage nach, welche Ziele in der Familienhebammentätigkeit formuliert und zur Evaluation der Wirksamkeit der Familienhebammentätigkeit herangezogen werden und wie diese Ziele systematisiert und operationalisiert werden können.

Methode: Zur Erfassung von Zielen wurden einerseits in Deutschland relevante Dokumentationsvorlagen (n=14) und Evaluationen von Modellprojekten (n=12) erfasst und durch Befragung praktizierender Familienhebammen (n=14) ergänzt. Vorläufige Zieldefinitionen wurden hermeneutisch-interpretativ mit dokumentationsanalytischem Verfahren benannt und theoretisch beispielhaft für die Praxis erprobt.

Ergebnisse: Die Dokumentenanalysen ergaben über 1000 unterschiedlich formulierte Ziele. Es zeigte sich bei praktizierenden Familienhebammen nach quasi-statistischem Vergleich ein erhöhter Anteil von Zielen zur Verbesserung des Selbstbildes der Eltern. Die Analyse der Dokumentationsvorlagen und Evaluationen ergab zahlenmäßig am häufigsten Ziele zur interprofessionellen Vernetzung. Einordnung der Ziele in Ziel-Kategorien der Qualitätssicherung, Begründung von Handlungszielen im Sinne des Adaptionsmodells und Zuordnung der Zieldefinitionen in voneinander abgrenzbare Rollen beruflichen Handelns bestätigten die Anwendbarkeit der theoretischen Konstrukte. Dabei wurde deutlich, dass zur Verbesserung der Entwicklungschancen eines Säuglings Ziele nur als Empowerment für die Eltern formuliert werden können.

Schlussfolgerungen: Die Zieldefinitionen beruflichen Handelns der Familienhebammen können als Grundlage zur Beschreibung ihrer Tätigkeit und zur Diskussion der beruflichen Identität beitragen. Um Präventionsvorstellungen von Familienhebammen transparent zu machen, ist besonderes Augenmerk auf Zielorientierung und Qualitätssicherung auch in der Praxis zu legen. Politisch sind Familienhebammen aufgefordert, immer wieder die elterliche Kompetenz bei der Betrachtung des Kindes im Säuglingsalter in den Vordergrund zu stellen.

Literatur: Renner, I.; Heimeshoff, I. (2010). Modellprojekte in den Ländern. Zusammenfassende Ergebnisdarstellung. Köln: Nationales Zentrum Frühe Hilfen.
Roy, C.; Andrews, H. A. (1999). The Roy Adaptation Model. 2. Aufl.. Upper Saddle River, NJ: Prentice Hall.
Koninklijk Nederlandse Organisatie voor Verloskundigen (KNOV) (2006). Beroepsprofiel Verloskundige. Bilthoven: KNOV. www.knov.nl/docs/uploadsDefinitief_beroeps profiel_versie_4_maart_2010.pdf [Stand: 22.03.2011]

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Zuletzt geändert am 19.02.2014