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Empathie in der Beratung am Beispiel der Hebamme

Empathie als wesentliche Komponente im Beratungsprozess und wesentliches Element im Beziehungsgeschehen

P6: 5. Mai, 13.45-14.30

Dr. phil. Anneliese Tometten-Iseke, Lehrerin für Hebammenwesen, Diplom-Pädagogin

Fragestellung: Wie lässt sich Empathie praxisrelevant messen? Wie stellt sich die Empathie der Hebamme dar?

Methode:
A. Quantitative Analyse:
1. Empathiemessung bei Hebammen

  • Empathisches Handeln mittels Multiple-Choice Fragebogen zum „Empathisches Antwortverhalten“1
  • Empathisches Wahrnehmen mittels „Selbsteinschätzungs-Fragebogen“2

2. Analyse von Beratungssequenzen von Hebammen

  • Einschätzung aus drei Perspektiven mittels „REM“3
  • Perspektive der Hebamme
  • Perspektive der Frau
  • Fremdeinschätzung

B. Qualitative Analyse:
Qualitative Analyse von Hebammenberatungen bei Schwangeren und Wöchnerinnen mittels Qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring4

Stichprobe:
Von 900 Teilnehmerinnen an Landestagung der Hebammen NRW und Landesfortbildung Niedersachsen 2009: 514 Fragebogensets verteilt
Rücklauf: 180 Fragebögen, 28 Beratungen wurden aufgenommen und transkribiert

Quantitative Analyse:
Empathisches Antwortverhalten: M= 18 (SD= 16,8-68,9); Im Vergleich zu
PflegeschülerInnen: M= 32,9 (SD= 14,7-48,7)
Empathisches Wahrnehmen: M= 3,80 (Werte von 1-5); Im Vergleich zur
Normalbevölkerung: M = 3,73
Einschätzung der Beratungsgespräche: (Werte von 1-7)
Einschätzung der Frau: M= 6,71 (SD= 5,00-7,00)
Einschätzung der Hebamme selbst: M= 6,33 (SD= 4,67-7,00)
Fremdeinschätzung: M= 5,91 (SD= 3,22-7,00)

Qualitative Analyse:
Typische Merkmale der Alltagsberatung: Empathiefördernde wie empathieblockierende Anteile nebeneinander
Bei Gesprächen mit „REM“ M=7 (Fremdeinschätzung) überwiegen
empathiefördernde Anteile.

Ergebnis:
Empathielevel bei den teilnehmenden Hebammen mittels der vorliegenden Instrumente beim „Empathischen Antwortverhalten“ und beim „Selbsteinschätzung-Fragebogen“, die mit Werten der Normalbevölkerung und Berufsgruppen ohne qualifizierte Berateraus- oder Weiterbildung vergleichbar sind. Hohe Werte bei der Einschätzung der Beratungsgespräche mittels „REM“sowohl bei der Einschätzung durch die Frau wie auch durch die Hebamme selber und auch die Fremdeinschätzung, wobei mittels der Inhaltsanalyse der Beratungen typische Merkmale der Alltagsberatung zu finden sind und empathieblockierende wie auch empathiefördernde Anteile.

Hypothesen:
Eine implizite Erwartung des Klienten (hier die Frau) über die Empathie des Beraters (hier die Hebamme) beeinflusst das Empfinden von Empathie. Die Zuschreibung eines Empathielevels beim Berater (hier Hebamme) beeinflusst das Empfinden für die eigene Empathie.

Ausblick:
Aus Sicht der pädagogischen Erwachsenenbildung stellt Empathie ein multifaktorielles Geschehen sowie eine erlernbare und bewußt einsetzbare Technik dar. Gerade in Lebenskrisen und biographischen Umbrüchen kann empathische Gesprächsführung ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine gelingende Beratung sein. Es liegt nahe zu vermuten, dass Hebammen ein gewisses Vorschußvertrauen bekommen, dass bei der kritischen Analyse nicht durchweg gerechtfertigt ist. Auch bei positiver Selbsteinschätzung der Empathiefähigkeit kann von einem weiter bestehende Fortbildungsbedarf im Bereich der Beratung bei Hebammen ausgegangen werden.

Studie entnommen aus der Promotion:
Tometten-Iseke, Anneliese: Empathie in der Beratung- Empirische Untersuchung am Beispiel der Beratung in der Hebammenarbeit, Münster 2012

1Schulz-Ruhtenberg 2006
2Rindermann 2008
3„REM“= Rating Scale for Assessment of Empathic Communication in Medical Interviews (Nicolai, Demmel,
Hagen 2007
4Mayring, Philipp 2008

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Zuletzt geändert am 19.02.2014