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Empfehlung zur Liegendposition nach Blasensprung am Termin bei hohem kindlichen Kopf zur Vermeidung eines Nabelschnurvorfalls – Was sagt die Evidenz?

Poster 12.45-14.30

Suniva Portz

Hintergrund

Die Behandlung von schwangeren Frauen am Termin mit vorzeitigem Blasensprung wird kontrovers diskutiert. In Deutschland und Österreich empfehlen Hebammen und Gynäkologen/Innen im Falle eines nicht fixierten, fetalen Kopfes unmittelbar nach Blasensprung eine Liegendposition der Mutter. Diese Prozedur soll einen Nabelschnurvorfall verhindern. 

Ziel

1. Die Bestimmung des Risikos eines Nabelschnurvorfalles nach vorzeitigem Blasensprung am Termin bei Schädellage mit nicht fixierten fetalen Kopf.

2. Die Untersuchung der Effektivität der mütterlichen Liegendposition als Präventionsmaßnahme eines Nabelschnurvorfalles.

3. Das Auffinden der aktuellen "best practice" für die Behandlung von Frauen mit vorzeitigem Blasensprung am Termin und nicht fixiertem fetalen Kopf. 

Methode

Eine Literatursuche innerhalb von elektronischen Datenbanken, Zeitschriften, Lehrbüchern klinischen Leitlinien und Ratgebern für Schwangeren wurde durchgeführt. Von Interesse waren alle Studien in englischer oder deutscher Sprache, die Frauen (≥37+0 SSW, Einlingsschwangerschaft, Schädellage) mit vorzeitigem Blasensprung untersucht haben, die bei hohem fetalen Kopf einen Nabelschnurvorfall erlitten haben. Zudem interessierten alle Studien, die die Effektivität der mütterlichen Liegendposition als Präventionsmaßnahme eines Nabelschnurvorfalles erforscht haben. 

Ergebnisse

Sechs Autoren prognostizieren ein geringes Risiko für einen Nabelschnurvorfall nach vorzeitigem Blasensprung am Termin und hohem kindlichen Kopf. Es wurde keine klinische Studie gefunden, die diese Prognose mit signifikanten Daten unterstützt. Es wurde keine Studie gefunden, die die mütterliche Liegendposition nach vorzeitigem Blasensprung als effektive Präventionsmaßnahme eines Nabelschnurvorfalles untersucht. Die Forschungsarbeiten von zwei deutschsprachigen Hebammen besagen, dass die Empfehlung eher auf Tradition denn auf wissenschaftlicher Evidenz beruht. 

Fazit

Hebammen und Gynäkologen, die eine Liegendposition nach Blasensprung zur Vermeidung eines Nabelschnurvorfalles empfehlen, fördern mütterliche Ängste und verursachen vermeidbare Kosten im Gesundheitssystem. Beide Berufsgruppen müssen die Prinzipien des evidenzbasierten Arbeitens in ihre tägliche Praxis implementieren. Regelmäßige Fortbildungen und die voranschreitende Akademisierung des Hebammenberufes unterstützen dieses Ziel. Die Dokumentation der fehlenden wissenschaftlichen Evidenz für die Empfehlung der Liegendposition nach vorzeitigem Blasensprung in klinische Leitlinien kann gegebenenfalls als Referenz für klinische Gutachten dienen und helfen die Angst vor Klagen abzubauen. 

Literaturangaben (Auszug)

DGGG. 2006. Empfehlungen zum Vorgehen beim vorzeitigen Blasensprung [Online]. Available: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-029_S1_Empfehlungen_zum_Vorgehen_beim_vorzeitigen_Blasensprung_06-2006_06-2011_01.pdf

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Zuletzt geändert am 04.01.2016