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Evaluation der ersten staatlichen praktischen Prüfungen in einem grundständigen Hebammenstudiengang und Empfehlungen für die Weiterentwicklung dieses Prüfungsformates

Poster 12.45-14.30

Jenny Seipel, Nicola Bauer, Friederike Störkel

Hintergrund

Nachdem 2009 im Hebammengesetz (HebG) eine  Modellklausel zur Implementierung neuer Modellstudiengänge verankert wurde, erhalten werdende  Hebammen die Möglichkeit, in Deutschland einen Bachelorabschluss im Hebammenwesen zu absolvieren (Bauer & Kraienhemke, 2013). Die Verbindung von wissenschaftlichem Studium und praxisbezogener Ausbildung zeichnet den Studiengang Hebammenkunde besonders aus (MGEPA, 2011).

Aufgrund der Modellfunktion des grundständigen Hebammenstudiengangs der Hochschule für Gesundheit in Bochum unterliegt der Studiengang sowohl dem  HebG bzw. der Ausbildungs- und Prüfverordnung für Hebammen und Entbindungspfleger  (HebAPrV) als auch dem Hochschulgesetz. Diese doppelte Einhaltung beider Gesetze birgt viele Herausforderungen, so z.B. das zusätzliche Absolvieren der seit 27 Jahren existierenden staatlichen Prüfungen in der bisher vorgeschriebenen Weise zur Erlangung der Berufsbefähigung – zusätzlich zu den laut Hochschulgesetz vorgeschriebenen Modulabschlussprüfungen. Die staatlichen Prüfungen sind in dieser Form im europäischen Vergleich einzigartig. In keinem weiteren Land unterziehen sich die angehenden Hebammen einer Eignungsprüfung zur Befähigung (Kraienhemke et al., 2015). Die Implementierung der staatlichen praktischen Prüfungen in einen akademischen Rahmen stellt eine  Herausforderung  dar. 

Ziel

Mithilfe der Evaluation und den gewonnenen Erkenntnissen aus den Befragungen erfolgt eine Optimierung  der bestehenden staatlichen praktischen Prüfungsorganisation im Bachelor-Studiengang Hebammenkunde. Des Weiteren lassen sich aus den Ergebnissen Empfehlungen für die Weiterentwicklung dieses Prüfungsformates ableiten. 

Methode

Im Fokus des methodischen Vorgehens steht, ein umfassendes und aussagekräftiges Forschungsbild zu erlangen, da bis zum heutigen Zeitpunkt kein Forschungsstand zu diesem Thema existiert. Im Zuge der Forschung werden qualitative, leitfadengestützte Experteninterviews geführt und mithilfe einer Befragung mittels Fragebogens ergänzt. Die Stichprobe besteht aus Hebammen (n=13), die im Kreißsaal tätig sind und die in den Kooperationskliniken der Hochschule für Gesundheit als Prüferinnen  für die staatlichen praktischen Prüfungen fungiert haben und an einer Weiterbildung zur Praxisanleiterin teilgenommen haben.

Mithilfe der Methodenkombination soll der Forschungsgegenstand aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden, welche sowohl qualitative als auch quantitative Inhalte zum Thema beisteuern.

Ergebnisse

Die Organisation und die Durchführung der staatlichen praktischen Prüfungen liefen in den Kooperationseinrichtungen zum größten Teil unkompliziert. Wenige, kleinere Anpassungen und Optimierungen müssen auf unterschiedlichen Ebenen für weitere staatliche Prüfungen vorgenommen werden, um ein optimales Prüfungsprozedere für die Hebammenstudierenden und die Kooperationskliniken gewährleisten zu können. 

Fazit

Obwohl der Wunsch nach Angleichung der Hebammenausbildung an das europäische Qualifikationsniveau besteht, legen die Absolventinnen des primärqualifizierenden Hebammenstudiengangs die gleichen staatlichen Prüfungen ab wie Hebammenauszubildende an Berufsfachschulen (Kraienhemke et al., 2015).  Im Zuge des Voranschreitens der Akademisierung im Hebammenwesen sollte über die Sinnhaftigkeit des Fortbestands der staatlichen Prüfungen in der bestehenden Form in grundständigen Hebammenstudiengängen nachgedacht werden. 

Literaturangaben

Bauer, N.H., Kraienhemke, M. (2013). Ein praktischer Beruf - warum studieren? Zur Akademisierung des Hebammenberufs. Dr. med. Mabuse 204.

Kraienhemke, M. et al. (2015). Bachelor of Science: Staatliche Prüfungen an der Hochschule für Gesundheit Bochum. Die Hebamme, 28, 60-63.

Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (MGEPA) (2014). Berufe mit Zukunft „Potentiale akademischer Gesundheitsberufe – Chancen für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in der Gesundheitsversorgung“ [PDF-Datei]. Verfügbar unter: broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/broschuerenservice/mgepa/berufe-mit-zukunft/1117  [30.4.2014].

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Zuletzt geändert am 04.01.2016