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Gründe von Frauen, über das erste Lebensjahr ihrer Kinder hinaus zu stillen: eine explorative Studie; MSc Midwifery Thesis

Poster 12.45-14.30

Christine Wehrstedt

Hintergrund

Die WHO empfiehlt auf Grund multipler nachgewiesener gesundheitlicher Vorteile, zwei Jahre oder länger zu stillen. Eine Literaturrecherche zum Thema „Stillen im Kleinkindalter“ zeigte auf, dass die Gründe, warum sich Frauen im westlichen Kontext entscheiden, über das erste Jahr hinaus zu stillen, weitgehend unbekannt sind. Aus Deutschland wurden keine Studien zum Thema gefunden. 

Ziel

Die Gründe von Müttern in Bayern, Deutschland, zu erforschen, länger als ein Jahr zu stillen. 

Methode

Eine qualitative explorative Studie untersuchte das Thema, um Einblicke in persönliche Gründe für und Praktiken zum Stillen im Kleinkindalter zu bekommen. Mittels eines zielgerichteten Stichprobenverfahrens wurden acht Frauen aus Bayern gewonnen, die zur gegebenen Zeit ein Kind stillten, das älter als ein Jahr war. Daten wurden zwischen November 2012 und Januar 2013 erhoben in Form teilstrukturierter Interviews. Diese wurden durch induktive thematische Analyse nach Braun und Clarke analysiert. 

Ergebnisse

Fünf Hauptthemen wurden aus den Daten entwickelt: “Gefühle”, “Wissen, Pläne und positive Erfahrungen”, “Soziales und kulturelles Umfeld”, „Persönliche Einstellung und Herausforderungen“  sowie “Stillpraxis und Elternschaft”. Positive Erfahrungen und Gefühle, Selbstvertrauen, das persistierende Stillbedürfnis der Kinder, diverse Formen an Unterstützung und Peergroups und waren Hauptgründe für die Fortführung des Stillens über das erste Jahr hinaus. Vorwissen, Pläne zum Stillen und Erwerb von weiterem Wissen waren hilfreich, aber keine unabhängigen Gründe. Die Mütter verbanden ein komplexes Verständnis von Elternschaft, das sogenannte „Attachment Parenting“, mit längerem Stillen. Häufige negative Einflüsse waren ein negativ eingestelltes kulturelles Umfeld sowie ein Mangel an Unterstützung durch nahestehende Personen. 

Fazit

Viele Aspekte tragen zur Entscheidung bei, ob über das erste Jahr hinaus gestillt wird, darunter positive Gefühle, Erfahrung, Selbstvertrauen, sowie eine unterstützende soziale und kulturelle Umgebung. Das legt nahe, dass dauerhafte Unterstützung weit über die Anfangszeit des Stillens hinaus essentiell ist. Gesundheitsfachpersonen, die mit Müttern und Kindern arbeiten, sollten sich dessen bewusst sein und bei Bedarf Unterstützung anbieten. Darüber hinaus sollten Mütter dazu ermutigt werden, Peergroups beizutreten. Die Partner und das soziale Umfeld der Mütter sollten in Programme zur Stillförderung mit einbezogen werden. 

Literaturangaben

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Zuletzt geändert am 04.01.2016