Deutsch English

Hebammen und das Versorgungskonzept Frühe Hilfen – Samplingstrategien im Forschungsprozess

Poster 12.45-14.30

Martina Schlüter-Cruse, Wilfried Schnepp, Friederike zu Sayn-Wittgenstein

Hintergrund

Die Interdisziplinarität der Frühen Hilfen erfordert eine enge Kooperation zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens und der Kinder- und Jugendhilfe1. Bisher arbeiten vor allem als Familienhebamme weitergebildete Hebammen in den Netzwerken Frühe Hilfen. Im Hinblick auf ihren niedrigschwelligen und nicht stigmatisierenden Zugang sowie durch ihr besonderes Potential in der gesundheitlichen Versorgung von Frauen und jungen Familien wird auch die Bedeutung der freiberuflich tätigen Hebamme als Akteurin in den Frühen Hilfen betont1,2. Über deren Beitrag sind jedoch kaum wissenschaftliche Erkenntnisse dokumentiert. Die laufende Studie, die Teil des Forschungsprojektes „Familienorientierte geburtshilfliche Versorgung“ an der Hochschule Osnabrück in Kooperation mit der Universität Witten/Herdecke ist, untersucht den Beitrag freiberuflich tätiger Hebammen im Versorgungskonzept Frühe Hilfen. 

Ziel

In Rahmen einer Posterpräsentation soll die Auswahl der in die Studie einbezogenen Teilnehmerinnen aufgezeigt und begründet werden. Die im Forschungsprozess eingesetzten Samplingverfahren werden dargelegt. Herausforderungen im Samplingprozess und die Bedeutung des Sampling als Grundlage für die Generalisierbarkeit der Ergebnisse werden diskutiert. 

Methode

In der qualitativ angelegten Studie werden problemzentrierte Interviews3 mit ca. 30 freiberuflich tätigen Hebammen aus unterschiedlichen Bundesländern geführt. Die Auswertung der Daten erfolgt nach dem Verfahren der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse4. Das Vorhaben wurde durch die Ethik-Kommission der Universität Witten/Herdecke bewilligt. 

Ergebnisse

Das aktuelle Sample besteht aus 15 freiberuflich tätigen Hebammen mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren und einer Berufserfahrung von 17 Jahren. Gatekeeper (Schlüsselpersonen) spielten beim Feldzugang eine wichtige Rolle. Verschiedene Verfahren des Sampling wurden kombiniert, insbesondere ein methodisch kontrastierendes Vorgehen erwies sich als zielführend. Um unterschiedliche strukturelle Rahmenbedingungen auf regionaler Ebene zu erfassen, wurden Hebammen aus städtischen und ländlichen Gebieten sowie aus neun unterschiedlichen Bundesländern rekrutiert. Unterschiede im Leistungsspektrum sowie im Beschäftigungsstatus wurden berücksichtigt, um eine große Bandbreite von Expertinnenwissen zu erfassen. 

Fazit

Um im Hinblick auf eine Datenkontrastierung freiberuflich tätige Hebammen zu erreichen, die in Netzwerke Frühe Hilfen eingebunden sind, zeigte sich im Laufe des Forschungsprozesses, dass der Feldzugang spezifischer gestaltet werden musste, geplante Wege der Rekrutierung nicht ausreichten und ein höherer Zeitaufwand notwendig war. 

Literaturangaben

1Nationales Zentrum Frühe Hilfen (Ed.). (2014). Bundesinitiative Frühe Hilfen. Zwischenbericht 2014: Herausgegeben vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen als Koordinierungsstelle des Bundes. Köln: NZFH. Retrieved from http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung5/Pdf-Anlagen/fruehe-hilfen-zwischenbericht,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf [05.02.15]. 

2Landua, D., Arlt, M., & Sann, A. (2009). Bundesweite Bestandsaufnahme zu Kooperationsformen im Bereich Früher Hilfen: Ergebnisbericht der Difu-Umfrage bei Jugend- und Gesundheitsämtern: Kurz- und Langfassung sowie Methodenbericht. Berlin: Deutsches Institut für Urbanistik. Retrieved from http://www.difu.de/publikationen/2009/ergebnisbericht-zum-projekt-bundesweite-bestandsaufnahme.html [30.06.14] 

3Witzel, A. (2000). Das problemzentrierte Interview [25 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 1(1), Art. 22, nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0001228;

4Kuckartz, U. (2014). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung (2. durchgesehene Auflage). Weinheim und Basel: Beltz Juventa.

gefördert aus Landesmitteln des Nds. Vorab durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Hinweis: Alle Inhalte dieser Internetseite sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung, auch in Teilen, nur nach schriftlicher Genehmigung durch den Deutschen Hebammenverband e.V.

« Programmübersicht Posterpräsentationen

Zuletzt geändert am 04.01.2016