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Brauchen wir eine neue Wochenbettkultur?

21.07.2016

Auch für die Betreuung im Wochenbett suchen viele Frauen vergeblich eine Hebamme. Deshalb lautet...

»Die Wertschätzung gegenüber Hebammen ist nicht so groß wie die Verantwortung, die sie tragen«

07.07.2016

Vielen ist Simon Rolfes als Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft und von Bayer 04...

Hebammenverband kritisiert Haftpflichtausgleich der Krankenkassen

30.06.2016

Haftpflichtkosten für Hebammen steigen ab Juli auf 6.843 Euro

Familienhebammen

Familienhebammen – wer oder was ist das eigentlich?

Familienhebamme, dieser Beruf geistert zurzeit durch die Medien und die Köpfe, in erster Linie im Zusammenhang mit dem Kinderschutzgesetz. Vielleicht fragen Sie sich auch, wer oder was das eigentlich ist? Brauche ich die? Hier ein paar Antworten.

Eine Familienhebamme ist eine Hebamme mit einer Zusatzausbildung. Mit dieser Zusatzqualifikation erwirbt sie das Wissen und die Fähigkeiten, Mütter und Familien –die ausgiebiger oder länger die Hilfe einer Hebamme brauchen, weil sie sich in besonderen oder schwierigen Lebenssituationen befinden – zu unterstützen.

Wer braucht eine Hebamme?

Jede Schwangere, Gebärende, Mutter oder Familie, die ein Kind bekommt, braucht eine Hebamme. Die Hebamme unterstützt sie während der Schwangerschaft, indem sie zum Beispiel die Schwangerenvorsorge übernimmt, Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden leistet oder einen Geburtsvorbereitungskurs für Sie (und Ihren Partner) anbietet. Während jeder Geburt werden Sie von einer Hebamme betreut, das ist in Deutschland Gesetz, und zwar egal, wo die Geburt stattfindet. Das kann im Krankenhaus, im Geburtshaus oder zu Hause sein. Nach der Geburt kommt eine Hebamme zu Ihnen nach Hause und unterstützt Sie in den ersten Wochen mit dem Kind. Diese medizinische und beratende Tätigkeit findet bis zur achten Lebenswoche des Kindes regelmäßig statt und kann danach noch bis zur Umstellung der Nahrung des Kindes immer wieder sporadisch in Anspruch genommen werden. Vielleicht besuchen Sie auch nach der Geburt einen Rückbildungskurs, den eine Hebamme anbietet. Alle diese Leistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, und zwar ohne Rezept oder Antrag – einfach so.

Wie finden Sie eine Hebamme?

Manchmal – allerdings selten – vermittelt das Krankenhaus, in dem Ihr Kind geboren wird, Ihnen eine Hebamme. Am besten ist es, sich selber um eine Hebamme zu kümmern. Wahrscheinlich gibt es in Ihrer Stadt eine Hebammenliste oder Sie schauen im Internet oder Telefonbuch nach. Rufen Sie ruhig mehrere Hebammen an, es kann sein, dass die Kolleginnen mal ausgebucht sind. Für die Geburt in einem Krankenhaus steht Ihnen dort eine Hebamme zur Verfügung.

Wer braucht eine Familienhebamme?

Familienhebammen werden von Schwangeren, Müttern und Familien gebraucht, die sich in einer besonderen Situation befinden. Diese Unterstützung findet immer zusätzlich zur regulären Hebammenbetreuung statt. Die besondere Situation kann ganz unterschiedlich sein. Vielleicht sind Sie mit der neuen Familiensituation nicht so uneingeschränkt glücklich, wie Sie es sich gewünscht haben. Wenn Ihr Kind zu früh geboren ist, behindert oder verstorben ist, könnte die Hilfe einer Familienhebamme für Sie infrage kommen. Auch wenn Sie selber schwer oder chronisch krank sind, kann eine Familienhebamme Sie unterstützen. Es können Konflikte mit dem Partner/der Partnerin sein, die so schwerwiegend sind, das sie die Versorgung des Kindes oder Sie selber beeinträchtigen. Alte oder neue Probleme mit Gewalterfahrungen oder mit Drogen könnten ein Grund sein, die Hilfe einer Familienhebamme in Anspruch nehmen zu wollen. Ebenso ernsthafte Schwierigkeiten, für den eigenen Unterhalt oder den des Kindes/der Kinder zu sorgen.

Wie finden Sie eine Familienhebamme?

Sie sehen, es gibt verschiedene Gründe, Kontakt zu einer Familienhebamme aufzunehmen. Diese Kontaktaufnahme kann von Ihnen aus geschehen, sie kann Ihnen aber auch angeboten werden. Wichtig ist: Sie müssen das wollen und damit einverstanden sein.

Im Gegensatz zur Hebamme, die Sie nach der achten Lebenswoche des Kindes nur noch sporadisch betreut, kommt die Familienhebamme zu den Müttern oder Familien in besonderen Lebenssituationen regelmäßig weiter, bis das Kind ein Jahr alt ist. Diese Leistung wird dann von der betreuenden oder zuständigen  Stelle übernommen, das kann das Jugendamt, die Gemeinde oder auch das Sozialamt sein. In der Regel brauchen Sie sich um die Bezahlung nicht zu kümmern.

Leider ist es in Deutschland noch nicht einheitlich geregelt, wo oder wie Sie eine Familienhebamme finden. Am besten fragen Sie Ihre Hebamme oder wenden sich an die Gemeinde. Unter Umständen kann auch das Internet eine Hilfe sein.

Das ist uns wichtig!

  • Familienhebammen sind in erster Linie Hebammen und unterstützen Schwangere, Mütter und Familien, die sich in besonders (schwierigen) Lebensumständen befinden. Diese Umstände können viele „Gesichter“ haben.
  • Wichtig ist: Eine Familienhebamme in Anspruch zu nehmen ist keine neue Form der Luxusversorgung, sondern unter Umständen eine echte Notwendigkeit für wenige Bedürftige, um das Leben mit dem Kind zu meistern.
  • Es gibt leider noch nicht so viele Familienhebammen wie gebraucht werden. Der Deutsche Hebammenverband kümmert sich bereits darum, dass sich das in Zukunft ändert – aber es wird noch etwas Zeit brauchen, bis für jede Familie die eine Familienhebamme braucht, auch eine zur Verfügung steht. Wir arbeiten daran!
  • Bitte denken Sie daran: Für die allermeisten Schwangeren, Mütter und Familien ist die gut etablierte und (fast) flächendeckende Versorgung mit Hebammen hilfreich, gut und auch genug an Unterstützung. Diese aufsuchende Hilfe erleichtert Ihnen die erste Zeit mit dem neuen Familienmitglied und beantwortet viele Fragen.

Susanne Steppat, Beirätin für den Angestelltenbereich im DHV
April 2012

Weitere Informationen zu Familienhebammen

DHV-Standpunkt zum Einsatz von Familienhebammen (10/2014)

DHV-Stellungnahme zu Hebammen im Kontext der Frühen Hilfen (Familienhebammen), (5/2014)

Anzahl der Familienhebammen (Stand Mai 2013) nach einer internen DHV-Abfrage

www.bmfsfj.de
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

www.bmfsfj.de/mag/root-maerz-16.html
Kabinett beschließt Kinderschutzgesetz

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen
Kristina Schröder stellt neues Bundeskinderschutzgesetz vor

www.bmfsfj.de/BMFSFJ/kinder-und-jugend
Aktuelles zum Kinderschutzgesetz

www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/rechner,did=29178.html
Kinderzuschlag und Leistungen für Bildung und Teilhabe

www.bzga.de
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

www.liga-kind.de 
Deutsche Liga für das Kind

http://familienhebamme.de
Familienhebammen

www.familienplanung.de
Alles über Schwangerschaft, Verhütung, Kinderwunsch

www.fruehehilfen.de
Nationales Zentrum Frühe Hilfen

www.eine-chance-fuer-kinder.de
Stiftung EINE CHANCE FÜR KINDER

www.schwanger-unter-20.de
Schwanger unter 20

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Zuletzt geändert am 21.10.2015