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(29. KW 2003)

Schwangerenvorsorge durch Hebammen!
Gynäkologen wehren sich. Es geht ums Geld


Laut den geltenden Mutterschaftsrichtlinien können alle Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft auch von einer Hebamme durchgeführt werden. Einzige Ausnahme bildet der Ultraschall. Dazu muss die Schwangere eine gynäkologische Praxis aufsuchen. Lässt nun eine werdende Mutter die Vorsorgeuntersuchungen bei einer Hebamme ausführen, geht aber für die Ultraschalluntersuchung zum Gynäkologen, so kann dieser nicht die Quartalspauschale für die gesamte Vorsorge in Anspruch nehmen, sondern kann nur die "Einzelposition Ultraschall" abrechnen.

Diese Entwicklung ist manchen Frauenärzten ein Dorn im Auge. Es sind sogar Fälle bekannt geworden, wo sich Ärzte geweigert haben die Schwangerenvorsorge mit Hebammen zu teilen, denn das bedeutet auch geteiltes Budget.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat sich in dieser Frage klar positioniert: Weigert sich der Arzt eine Vorsorgeuntersuchung durchzuführen, wie beispielsweise den Ultraschall, weil parallel die Hebamme ebenfalls Vorsorgeuntersuchungen durchführt und im Mutterpass dokumentiert, dann ist das ein Vertragsverstoß und der Arzt riskiert seine Kassenzulassung. Immer häufiger entscheiden sich Schwangere für eine Betreuung durch Hebammen während der Schwangerschaft.

Für Magdalene Weiß, Präsidentin des Bund Deutscher Hebammen, ist dies stimmig, denn ihrer Meinung nach "brauchen gesunde Schwangere eher die achtsame Begleitung durch eine Hebamme als einen Arzt". Laut Gesetz kann die Schwangere selbst wählen, ob sie die Vorsorge durch eine Hebamme oder durch einen Arzt durchführen lassen will. Sie ist bei dieser Entscheidung auch nicht abhängig von der ärztlichen Überweisung.

Die Realität sieht jedoch häufig anders aus, denn viele Schwangere sind über diese Wahlmöglichkeit nicht richtig informiert. Sie wissen nicht, dass Hebammen gesunde Schwangere eigenverantwortlich betreuen dürfen und nur dann einen Gynäkologen hinzuziehen müssen, wenn sich während der Schwangerschaft Komplikationen einstellen.

Auch in Großbritannien haben Schwangere freie Wahlmöglichkeit, mit wem sie die Schwangerschaft durchlaufen wollen. Dort hat sich zwischenzeitlich ein "gesundes Nebeneinander" von Hebammen- und Gynäkologenbegleitung etabliert. Folgender Trend zeichnet sich ab: Ca. ein Drittel der betroffen Frauen entscheiden sich für eine ausschließliche Begleitung und Schwangerenvorsorge durch Hebammen. Ein weiteres Drittel votiert für eine gleichzeitige Betreuung von Hebamme und Arzt, das letzte Drittel der Frauen entscheidet sich für eine alleinige Schwangerenvorsorge durch den Gynäkologen.

"Auch bei uns sollten die Frauen diese Wahlmöglichkeit haben, mit wem sie ihre Schwangerschaft durchlaufen wollen", so die Präsidentin des Bund Deutscher Hebammen. Das heißt, jede Frau soll ohne Nachteile oder Druck entscheiden dürfen, welche Form der Schwangerenbegleitung sie sich wünscht.

Zuletzt geändert am 29.01.2013